Herr Nakano und die Frauen

Herr Nakano und die Frauen

古道具中野商店
Rezension vom: 25. September 2009 von // Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2026

Hitomi lebt in einer kleinen, eigenen Welt, in der die Uhren nach anderen Gesetzen zu laufen scheinen. Mittelpunkt dieser Welt ist der Trödelladen von Haruo Nakano, in dem Hitomi arbeitet. Herr Nakano ist ein kauziger Mittvierziger, der sich dem Zeitgeist hartnäckig widersetzt. Doch kann sein Laden auf Dauer bestehen, ohne dass sich Herr Nakano den modernen Entwicklungen anpasst?

Haruo Nakano, der seit über 25 Jahren seinen Trödelladen führt, ist etwas verschroben. Er betont immer wieder, dass er nicht mit Antiquitäten, sondern mit Trödel handle – und dieser Trödel werde gerade deshalb gekauft, weil er zu nichts nütze sei. So haben in Herrn Nakanos kleiner Welt unnötige alte Dinge einen höheren Wert als nützliche Neuwaren.

Herrn Nakanos anachronistischen Ansichten entsprechend ist auch die Arbeit der Angestellten Hitomi und Takeo ziemlich entspannt. So bleibt Hitomi, wenn sich gerade kein Kunde im Laden befindet, genügend Zeit, um mit Nakanos Schwester Masayo Kissen zu besticken.

Insgesamt erfährt der Leser von Hitomi, die die Rolle der Erzählerin einnimmt, viel über Herrn Nakanos seltsame Lebensgewohnheiten: dass er inzwischen zum dritten Mal verheiratet ist, mit jeder Frau ein Kind und noch dazu eine Geliebte hat, mit der er sich nachmittags immer in einem Love Hotel in der Nähe trifft. Oder dass er fast jeden Satz mit „und überhaupt …” beginnt und nie einen Aschenbecher benutzt.

Über Hitomi selbst erfährt man jedoch nur wenig, außer dass sie allein lebt. Warum sie bei Herrn Nakano zu arbeiten begonnen hat und was sie in ihrer Freizeit macht, wird nicht erwähnt.

In klarer Sprache und kurzen Sätzen beschreibt Hiromi Kawakami das Leben im Trödelladen. Die gesamte Geschichte besteht dabei eigentlich nur aus einer Aneinanderreihung einzelner, alltäglicher Episoden. Einen roten Faden bildet die Liebesbeziehung zwischen Hitomi und Takeo, die jedoch in den Episoden immer nur einen kleinen Raum einnimmt und dadurch etwas an den Rand rückt.

Zum Ende hin wird deutlich, dass das entspannte Leben in Herrn Nakanos Laden nicht für immer so weitergehen kann. Langsam und subtil schleichen sich Veränderungen in Herrn Nakanos Leben ein: Herr Nakano beginnt, Trödel im Internet zu verkaufen, und Hitomi bemerkt, dass er die Buchführung ordentlicher führt als früher.

Fazit
Ein Roman - perfekt zum Entspannen und Abtauchen in die anachronistische Welt des Haruo Nakano.

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