Feuerwagen

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Originalausgabe:
火車 Futabasha 1992

Aus dem Japanischen von Ralph Degen:
be.bra Japanedition
400 Seiten
ISBN: 9783861249122

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Natsuo Kirino

Bei Kriminalfällen gibt es in der Regel eine Leiche. Es gibt eine Ermittlungsarbeit und am Ende ein Verhör, bei dem der Verdächtige von mindestens zwei Personen so weichgekocht wird, bis die Fassade zusammenbricht und er seine Gedanken im Detail vor dem Leser ausbreitet. All dies gibt es in diesem Roman nicht. Aber dafür hält er abseits vom üblichen Schema viele Überraschungen bereit.

Homma ist Polizist, wegen einer Verletzung aber momentan vom Dienst suspendiert. Er nutzt die Zeit um einem Verwandten zu helfen, dessen Verlobte plötzlich verschwunden ist. Alles deutet daraufhin, dass sie ein Schuldenproblem hatte, von dem ihr Verlobter bis dahin nichts wusste. Doch als Homma ermittelt, stößt er auf ganz neue Probleme.

Auch wenn sich die Geschichte bis jetzt vielleicht noch nicht besonders spannend anhört, soll nicht mehr verraten werden. Denn gerade die Überraschungen, auf die Homma bei seiner Ermittlungsarbeit stößt und die Wendungen, die die Geschichte nimmt, machen dessen Reiz aus. Hommas Arbeit besteht in der Suche nach einer Frau und der Rekonstruktion ihrer Vergangenheit. Diese Detektivarbeit, die er als Zivilbürger durchführt, ist eigentliches Thema des Romans. Ein Verhör gibt es nicht und auch die gesuchte Frau bleibt lange Zeit eine hypothetische Figur, die während des gesamten Romans nicht einmal selbst das Wort erhebt.

Miyabes Roman ist deutlich sozialkritisch. Dies merkt man in den zahlreichen Passagen, in denen nicht nur das Kreditsystem erklärt wird, sondern in denen die Figuren auch diskutieren, wie man in eine Schuldensituation gelangen kann, aus der man nicht mehr heraus kommt. Miyabe verurteilt die Schuldner nicht, sondern versucht mit ihrem Roman die Botschaft zu transportieren, dass es jedem so gehen kann.

Insofern leistet der Roman doppelte Aufklärungsarbeit: Das Verschwinden der jungen Frau wird untersucht und das moderne Kreditkartenwesen durchleuchtet.

Fazit

Ein unkonventioneller Kriminalroman, der frischen Wind in ein abgegriffenes Genre bringt!

Verfasst am 16. November 2011 von

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Kommentare

  1. Ein gutes Buch, allerdings leider erst fast 20 Jahre nach Erscheinen ins Deutsche übersetzt worden, und damit nicht mehr so aktuell. Denn die Problematik der sarakin (Konsumentenkredite zu sehr hohen Zinsen) ist seit einer Gesetzesänderung 2006 deutlich entschärft worden. Und 400 Seiten sind recht lang, ich fand es etwa in der Mitte recht zäh, aber im letzten Drittel dann wieder extrem spannend. Mehr von dieser Autorin auf Deutsch ist sehr wünschenswert!

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