Der weiße Buddha

Der weiße Buddha

白仏
Rezension vom: 20. Juni 2010 von // Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019

Japan um 1905: Minoru Eguchi, Sohn eines Büchsenmachers, lebt auf der ruhigen Insel Ono im Süden Japans. Trotz des dörflich behüteten Lebens kommt er schon früh mit den rauen Seiten des Lebens in Kontakt: was der Tod bedeutet, erfährt er als 5-jähriger, als sein Bruder ertrinkt. Seitdem lässt ihn der Tod und die Frage, wie man damit umgeht, nicht mehr los.

Es sind viele Menschen, die Minoru im Laufe seines Lebens verliert: seine Jugendliebe, seinen besten Freund, seinen Sohn. Der Roman erzählt aber nicht nur von diesen Verlusten, sondern hauptsächlich von Minorus Lebensgeschichte: über das Nachspielen des russisch-japanischen Krieges als Kind, hin zu seinem Einsatz 1919 als Soldat in Sibirien bis zu dem Aufstieg seiner kleinen Werkstatt nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Tod nimmt nicht die Hauptrolle ein, sondern die Todesfälle ereignen sich quasi immer wieder nebenbei. Je älter Minoru wird, desto mehr Menschen hat er verloren. Anfänglich verschreckt vom Tod, lernt er, sich mit ihm auseinanderzusetzen und ihn als etwas zu akzeptieren, was mit dem Leben untrennbar verknüpft ist. Leben bedeutet für Minoru vergessen, und so ist es sein Ziel, aller Toten durch die Errichtung eines großen weißen Buddhas aus Knochen zu gedenken.

Vorlage für diesen Roman war für den Autor sein eigener Großvater, der auf seiner Heimatinsel einen solchen Buddha errichten ließ. Das Leben des Großvaters ist also grobe Vorlage für den Roman, wird von Hitonari Tsuji aber großzügig ausgeschmückt. So gibt es während des Romans immer wieder mystisch-spirituelle Szenen, in denen Minoru ein weißer Buddha begegnet oder indem ihm Geister seiner toten Freunde erscheinen.

Hitonari Tsujis Stil, in kurzen Sätzen und klarer Sprache zu schreiben, macht den Roman einfach und schnell lesbar. Gleichzeitig bleibt dadurch aber auch eine gewisse Distanz zwischen Leser und Erzähler bestehen. Das ist vielleicht aber auch ganz gut, da so die vielen Tode und traurigen Situationen im Buch nicht so stark berühren. Dadurch bleibt die emotionale Distanz gewahrt, die man braucht, um über den Tod zu reflektieren.

Der weiße Buddha ist nach Warten auf die Sonne das zweite Werk des Autors in deutscher Übersetzung. Wie aber zum Beispiel bei Hiromi Kawakamis Literatur, deren Romane und Inhalte sich gleichen, sind Tsujis Werke sowohl von der Grundstimmung als auch von der Thematik vollkommen unterschiedlich. Leser, die Warten auf die Sonne gelesen haben, werden von dem linearen Handlungsablauf und dem sehr geringen Spannungsbogen deshalb vielleicht enttäuscht sein.

Fazit
Die Lebensgeschichte eines Menschen, für den der Tod - anders als bei uns heute - zum Leben dazugehört, und der deshalb lernt, ihn zu akzeptieren.

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