Der Kirschblütenmord

Der Kirschblütenmord


Verfasst am: 18. Oktober 2010 von // Zuletzt aktualisiert: 18. August 2019

Japan 1689. Durch die guten Beziehungen seines Vaters wird Sano Ichirô vom Lehrer zum Ermittler am Hof des Shogun befördert. Sein erster Mordfall ist auf den ersten Blick ganz klar ein Doppelselbstmord eines Liebespaares – ein junges Mädchen und ein Maler haben sich im Fluss ertränkt.

Doch der Fall lässt Sano stutzig werden, denn das Mädchen gehört einem hohen Samurai-Clan. Das macht es unwahrscheinlich, dass sie ein Verhältnis mit einem einfachen Maler hatte. Sano nimmt die Ermittlungen auf, wird aber schnell gebremst. Anscheinend will jemand von ganz oben den Mordfall vertuschen. Sano steht nun im Zwiespalt: soll er der Gerechtigkeit nachforschen oder seine Pflicht als Samurai erfüllen, den Mordfall vertuschen und so seinen Vorgesetzten gehorchen?

Es scheint, als wolle Rowland ein Panorama der Zeit zeichnen. Dazu benutzt sie zahlreiche stereotype Bilder, die einem sofort in den Kopf kommen, wenn man an die Edo-Zeit denkt: Sano ermittelt bei einem Künstler, der die für typisch japanischen Holzschnitte anfertigt, bei einem Sumoringer, im Kabuki und bereist schließlich noch die wichtige Handelsstraße, die Tokaidô. Neben den vielen Bildern aus dem historischen Japan ist der Roman auch voll mit historischen Informationen.

Vieles wirkt aber auch gekünstelt: Die feine, indirekte Sprechweise der Figuren, die wohl „typisch japanisch“ sein soll, ist sperrig und verrätselt. Schwerfällig werden die Dialoge durch die Ausschweifungen der Figuren und durch den Autorenkommentar, der ja immer wieder die indirekte Sprechweise in normale Bedeutung übersetzten muss. Etwas unrealistisch wirkt auch Sanos Einsatz für die Wahrheit und sein ständiges Weiterkommen, obwohl es für seine Gegner leicht wäre, ihn zu töten.

Die Handlung des Romans zieht sich insgesamt ein bisschen zu sehr in die Länge und könnte mehr Tempo vertragen. Auf die Mordmotive wird man regelrecht gestoßen, sodass man sich vieles, bevor es aufgelöst wird, auch selbst schon denken kann. Ein bisschen Bewegung kommt auf den letzten Seiten auf. Hier gestaltet Rowland die Geschichte handlungsreich, fast wie in einem Actionfilm. Wer bis zu diesem Punkt also durchhält, wird zum Schluss nochmal belohnt.

Fazit
Ein durchwachsener Roman, der etwas Zeit braucht, um warm zu laufen. Dafür vermittelt er aber viele schöne, nur bedingt authentische Bilder der Edo-Zeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere Bücher von Laura Joh Rowland

Alle 10 Bücher

Artikel im Blog

Zufällig ausgewählt: In Büchern stöbern

ランダムに選択しました

Zehn
Die Kanji lernen und behalten 1
Die rätselhaften Honjin-Morde: Kriminalroman
Ausmalen & Entspannen. Japan
Tokio Kill
Japanischer Alltag

Die neuesten Rezensionen

PONS Schreiben üben! Japanisch
PONS Schreiben üben! Japanisch 31. Juli 2026
Das Postamt der verlorenen Briefe
Das Postamt der verlorenen Briefe 30. Juli 2026
Japanisch für Dummies
Japanisch für Dummies 29. Juli 2026
Acht Millionen Wege zum Glück: Eine faszinierende Reise zu Japans spirituellem Erbe
Acht Millionen Wege zum Glück: Eine faszinierende Reise zu Japans spirituellem Erbe 27. Juli 2026
Japanisch schreiben lernen für Dummies
Japanisch schreiben lernen für Dummies 26. Juli 2026
Das kleine Café der zweiten Chancen
Das kleine Café der zweiten Chancen 25. Juli 2026
Literatur direkt aus Japan Literatur direkt aus Japan

Hier erfährst du mehr über Bücher, die es bisher nur in Japan gibt.

Bücher kaufen Wo kann ich japanische Bücher kaufen?

Ein kleiner Guide für Einsteiger

Zeitstrahl Zeitleiste

Suche dir Bücher aus nach der Zeit, in der sie spielen.

Neuerscheinungen Neuerscheinungen

Alle Neuerscheinungen für im Überblick.