Der Duft des Sake

Der Duft des Sake



Aus dem Amerikanischen von Ursula Gräfe:
Insel
420 Seiten
ISBN: 978-3-458-35728-5

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Historische Romane, die im Japan der Edo-Zeit, also in einer Periode, wo das Land vollkommen von der Außenwelt abgeschottet war, spielen, gibt es viele. Dieser Roman sticht aber heraus, denn er erzählt nicht wie die anderen immer nur von Samurai, sondern vom Leben einer Händlerfamilie in Kobe um 1825.

Die Händlerfamilie der Omura hat – wie viele Familien in Kobe – eine Sakebrauerei. Sie macht damit viel Geld, aber trotzdem genießt sie nur ein begrenztes Ansehen. Händler stehen in der Gesellschaftsordnung zu dieser Zeit nämlich ganz unten, da sie als Parasiten gelten. Innerhalb ihrer Sakebrauergilde gelten sie aber als ehrbare Familie und so ist es kein Problem, für die einzige Tochter Rie einen Mann zu adoptieren, der das Familienunternehmen einmal übernehmen soll.

Natürlich gefällt Rie, aus deren Perspektive die Familiengeschichte über insgesamt 4 Generationen erzählt wird, die arrangierte Heirat nicht. Sie fügt sich pflichtbewusst den Vorgaben ihrer Eltern, aber ihr Mann entpuppt sich als Taugenichts und bekommt ein Kind mit einer Geisha. Weil das Kind ein Junge ist und zudem der Erstgeborene von Ries Mann, steht sie nun vor dem Problem, dass das uneheliche Kind Nachfolger ihrer Firma werden könnte. Rie setzt alles daran, ein eigenes Kind zu bekommen und trifft sich dafür heimlich mit ihrer großen Liebe, um sich schwängern zu lassen.

Die Familiengeschichte beginnt mit Ries Verheiratung und endet damit, dass einer ihrer Enkel die Brauerei übernimmt. Dazwischen gibt es innerhalb der Brauerei viele Veränderungen und Umbauten und natürlich vor allem viele Geburten. Alles scheint sich nur um den Fortbestand des Hauses Omura und das Kinderkriegen zu drehen. Vom Sakebrauen selbst wird nur wenig erzählt, denn Rie hat als Frau dazu keinen Zutritt.

Rie ist wie viele Frauen in historischen Romanen aufgeweckt und selbstbewusst. Es handelt sich aber zum Glück nicht um einen Roman, der Figuren und Handlungen über die geschichtlichen Verhältnisse stellt: Rie bricht nicht aus ihrer Familie oder Ehe aus, sondern handelt immer im Interesse dieser. Sie sträubt sich zwar selbst gegen eine Verheiratung, verheiratet ihre Kinder dann aber auch wieder, obbwohl ihre eigene arrangierte Ehe so unglücklich verläuft.

Reines „Blut“ ist für sie besonders wichtig und so zieht sich ihr Bemühen, das „Geishablut“ der fremden Kinder wieder aus der Familie herauszubekommen wie ein roter Faden durch ihre Lebensgeschichte. Gerade zum Schluss war mir ein bisschen zu viel von gutem und schlechtem „Blut“ die Rede.

Insgesamt muss man dem Roman aber zugute halten, dass eine andere Sichtweise – nämlich die der Händler – wiederspiegelt. Der Fokus liegt stark auf familiären Banden und zwischenmenschlichen Beziehungen und so liest er sich stellenweise wie eine Aneinanderreihung von wirtschaftlichen Machtspielen, Hochzeiten und Geburten. In diesem Roman verwirklicht sich keine Einzelperson, sondern sondern jede ist Teil eines Ganzen.

Fazit

Japan, Sake und eine starke Frau. Wer historische Romane mag, kann bei diesem Buch auf jeden Fall zugreifen.

Verfasst am 24. Juni 2011 von

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Kommentare

  1. Der Roman ist an sich unterhaltsam und solide geschrieben, wenn auch mit wenig Tiefen.
    Was dem Ganzen jedoch erheblichen Abbruch tut und sich nicht nachvollziehen lässt, insbesondere wenn man bedenkt, dass es sich bei der Autorin um eine Asienwissenschaftlerin, Dozentin für japanische Geschichte und Expertin für asiatische Frauenkultur handelt, ist folgende Tatsache: das eigentlich längst überholte, undifferenzierte Klischee, bei Geishas handle es sich um Kurtisanen/Prostituierte, wird in diesem Werk auf schrecklich naive Art und Weise weitergeführt.
    Die US-Autorin hat es offenbar nicht geschafft, sich der erst während der US-Okkupation aufkommenden Meinung zu entziehen, jede japanische Frau in einem Kimono, die erotische Dienste anbot, sei eine Geisha gewesen.
    Wirklich schade!
    Hinzu kommt, dass die Autorin auch Buddhismus und Shintoismus miteinander vermischt. Eklatant ist die Beschreibung auf S. 175: „Als sie den Tempel betrat, verbannte Rie ihre Gedanken an Saburô, klatschte in die Hände, um die Aufmerksamkeit der Götter zu erregen,…“
    In die Hände geklatscht wird in shintoistischen Schreinen, nicht aber in buddhistischen Tempeln!

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