Mit Die Kamelieninsel startete Tabea Bach eine Familientrilogie über eine Gärtnerei beziehungsweise spätere Kosmetikfirma in der Bretagne. Das Kamelienhaus bildet den Auftakt zu einer neuen Trilogie, deren räumlicher Schwerpunkt in Japan liegt.
Die Protagonistin ist nun die 26-jährige Lucy, die die Kosmetikfirma von ihrer Mutter übernehmen soll, damit diese in den Ruhestand gehen kann. Zuvor möchte ihre Mutter jedoch noch nach Japan fliegen, denn ein wichtiger Lieferant für Kamelienöl hat seine Lieferungen überraschend eingestellt.
Lucy, die bereits ein Jahr in Tokio gelebt hat und Japanisch spricht, übernimmt kurzerhand diese Geschäftsreise nach Japan. Bis zu diesem Punkt sind bereits 90 Buchseiten vergangen, auf denen nichts Nennenswertes geschieht. Zwar mag es für alle, die Die Kamelieninsel gelesen haben, eventuell interessant sein, zuvor die bekannten Charaktere wiederzutreffen. Für die eigentliche Handlung hat dieses Vorgeplänkel jedoch keine wirkliche Bedeutung.
Auch als Lucy in Japan eintrifft, setzt sich dieser Erzählstil fort. Die Geschichte zieht sich und enthält zahlreiche Passagen, die mir beim Lesen für den Fortgang der Handlung insgesamt vollkommen irrelevant erschienen. Dieser wirkt im Übrigen auch recht konstruiert: Schon im Flugzeug lernt Lucy den attraktiven Finn kennen, mit dem sie unmittelbar nach Ankunft eine gemeinsame Nacht in Tokio verbringt. Später stellt sich allerdings heraus, dass Finn geschäftlich zu Lucys größten Konkurrenten gehört.
Als Lucy die Produzenten des Kamelienöls besucht, muss sie feststellen, dass der plötzliche Tod des Direktors dazu geführt hat, dass das Kamelienöl nur noch unzuverlässig geliefert wird. Zugleich steht die Kamelienöl-Kooperative unter wirtschaftlichem Druck – unter anderem durch Finn und dessen Firma. Lucy versucht unter Zeitdruck, für die kleine Kooperative in Verhandlungen zu treten. Gleichzeitig gerät aber auch die Kosmetikfirma in der Bretagne unter Druck.
Nebenbei lebt Lucys beste Freundin aus Kindertagen ebenfalls in Tokio, arbeitet dort als Model und ist unglücklich mit einem japanischen Popstar liiert. Als Finn Lucy als Werbegesicht für seine Firma engagieren möchte, wird auch die Freundschaft der beiden Frauen auf die Probe gestellt.
All dies spielt sich auf 400 Seiten ab, ließe sich jedoch gefühlt auch auf 100 Seiten erzählen. Für Fans von Die Kamelieninsel könnte die Fortsetzung durchaus spannend sein; wer sich jedoch literarisch auf eine Japanreise begeben möchte, sollte eher zu einem anderen Roman greifen.




















