Das japanische Desaster. Fukushima und die Folgen

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Herder
160 Seiten
ISBN: 978-3451305443

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Das Erdbeben vom 11. März 2011 wurde gleich zu einem dreifachen Unglück: Erdbeben – Tsunami – Atomunfall. Johannes Hano, Leiter des ZDF-Studios Ostasien, hielt sich zu diesem Zeitpunkt zufällig in Japan auf und schildert nun seiner Erlebnisse.

Das Buch enthält eine Chronologie der Ereignisse, kombiniert mit persönlichen Tagebuchaufzeichnungen vom 11. bis 18. März. Der Schwerpunkt liegt dabei – Hano bedauert selbst, dass er sich nicht um alles kümmern konnte – auf dem Atomunfall in Fukushima. Während Japan noch von den Opfer durch den Tsunami gelähmt ist, ist Hano konzentriert auf das Atomkraftwerk, werden Informationen zu Tepco, Millisievert und radioaktiven Substanzen gecheckt.

Hanos Chronologie spiegelt die Ereignisse der Tage direkt nach dem Erdbeben gut wieder und zeigt noch einmal, was eigentlich alles passiert ist und wie schlimm es deshalb auch jetzt noch um das Atomkraftwerk steht. Daneben zeigt sie aber vor allem die Arbeit eines Auslandskorrespondenten in einer Krisensituation: Was soll man berichten, wenn die Meldungen sich widersprechen? Wie viel wird verschwiegen und was lässt sich zwischen den Zeilen herauslesen? Ist es für die Mitarbeiter noch sicher, in Tokyo weiterzuarbeiten? Hano muss sich bei seinen Entscheidungen oft auf ein Bauchgefühl verlassen, ist aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse angewiesen auf die japanische Mitarbeiterin Fuyuko, die mit ihrer Tochter die Nachrichten screent.

Wer die ZDF-Nachrichten zu jener Zeit mitverfolgt hat, hat aber das Gefühl, bis auf die Einblicke hinter die Kulissen nichts Neues zu lesen. Logisch, denn schließlich hat Hano die Berichterstattung des ZDF wesentlich geprägt. Die dramatisierende Perspektive auf das Unglück, für die die deutsche Berichterstattung Kritik erntete, ist immer noch dieselbe. So wird zum Beispiel von der Grenze zum 20km-Radius um das Kernkraftwerk als Tor zur Hölle geredet.

Auch wenn der teilweise dramatisierende Ton etwas stört und die Perspektive – im Gegensatz zu zum Beispiel der aktuellen Publikation von Reinhard Zöllner – doch sehr einseitig bleibt, zeigt Hanos Buch aber eines deutlich: Im Ernstfall sollte man sich nicht auf Beschwichtigungen verlassen.

Fazit

Persönlicher Erlebnisbericht der Ereignisse bis in den Juni 2011 aus dem Blick eines ZDF-Reporters mit Blick hinter die journalistischen Kulissen.

Verfasst am 27. August 2011 von

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Kommentare

  1. Lesen werde ich das Buch wahrscheinlich nicht. Aus zwei Gründen. Zum einen ist mir Hanos Berichterstattung noch sehr gut in Erinnerung. Ich brauche das alles nicht noch einmal gedruckt zu wiederholen. Zum anderen ist der Untertitel meiner Meinung nach treffend. Kann er gar nicht sein, denn die Gesamtheit der Folgen kann man doch jetzt noch längst nicht absehen. Gerade jetzt, wo die Berichterstattung über Fukushima nachgelassen hat, bekommt man einige Informationen gar nicht oder nur am Rande mit. Viel interessanter (und vor allem lehrreicher) wird es sein, in fünf Jahren ein Buch über Fukushima zu lesen. Was hat sich in dieser Zeit getan? Welche Langzeitschäden gibt es? Wie geht Japan jetzt mit Atomkraft um? Und so weiter. Wichtig ist, dass die Welt weiterhin Fukushima im Auge und vor allem im Gedächtnis behält.

  2. Das lese ich bestimmt nicht. Die deutsche Berichterstattung war sowieso das Allerletzte. Wieviele Menschen sind denn bitte durch den vom Erdbeben ausgelösten Tsunami gestorben und wie viele durch die Kernschmelze in Fukushima? 20.000:0 oder so, richtig?

    Deutschland hat sich mal wieder durch eine vollkommen hysterische, mediale Berichterstattung und politischen Opportunismus international lächerlich gemacht und sich als illoyal und nicht verlässlich erwiesen. Man erinnere sich nur an die Abreise des THW aus Japan nach gerade mal 24 Stunden und die dazugehörige, fadenscheinige und heuchlerische Begründung, es sei sowieso nicht mehr mit Überlebenden zu rechnen. Einem Land, das traditionell zu den engsten Verbündeten Deutschlands gehört, verhält man sich gegenüber nicht in dieser ehr- und schamlosen Art und Weise.

    Niemals zuvor habe ich mich geschämt Deutscher zu sein, nicht einmal in Anbetracht der dunkleren Kapitel unserer Geschichte, jedoch kann man diese Serenade nur als beschämendes Schauspiel bezeichnen, dass für jeden in diesem Land lebenden Menschen mit Integrität einen Schandfleck darstellt.

  3. Sorry, dass ich dieses alte Thema noch einmal wiederbelebe aber nach Daniels Eintrag musste ich kommentieren.

    > Wieviele Menschen sind denn bitte durch den vom Erdbeben ausgelösten Tsunami gestorben und wie viele durch die Kernschmelze in Fukushima? 20.000:0 oder so, richtig?

    Nach einem Reaktorunfall stirbt man normalerweise auch nicht sofort sondern wird langsam durch in die Umwelt ausgetretenes radioaktives Material vergiftet. Neustes Beispiel von bisher dutzenden ist die von Meiji hergestellte mit Cäsium belastete Instant-Babymilch

    > Deutschland hat sich mal wieder durch eine vollkommen hysterische, mediale Berichterstattung und politischen Opportunismus international lächerlich gemacht und sich als illoyal und nicht verlässlich erwiesen.

    Es ist die Aufgabe der Medien zu berichten. Deine Aufgabe ist es zwischen hysterischer und angemessener Berichterstattung zu differenzieren. Das Journalisten und Redakteure nicht immer den Überblick haben ist klar, aber da hilft meistens querlesen was gerade in Zeiten des Internets kein Problem ist. Wie „hysterisch“ die Berichterstattung wirklich war ist ohnehin fraglich. Bis heute dringen ständig bisher verschwiegene Daten und Fakten zum Fukushima-Unglück an die Öffentlichkeit. Hier darf man den schwarzen Peter deshalb gerne an die japanische Regierung sowie an den Betreiber weiterreichen.

    > Man erinnere sich nur an die Abreise des THW aus Japan nach gerade mal 24 Stunden und die dazugehörige, fadenscheinige und heuchlerische Begründung, es sei sowieso nicht mehr mit Überlebenden zu rechnen.

    Soweit mir bekannt wurde o.g. so nicht in berichtet. Wie dem auch sei, ich hatte vor einer Woche (Ende Nov. 2011) das Vergnügen auf einem Kongress mit zwei Damen des Deutschen und Internationalen Roten Kreuzes zu sprechen. Wir kamen u.a. auf das Fukushima-Unglück zu sprechen und auf meine Nachfrage hin, ob denn das DRK / IRK ebenfalls einen Japaneinsatz hat(te) wurde mir mitgeteilt (ich zitiere a.d. Gedächtnis):

    „Das war und ist nicht möglich da die japanische Regierung keine Hilfe von ausserhalb angefordert hat. Was passiert wenn man trotzdem hinfliegt um zu helfen sehen Sie am Beispiel des THW. Die sind angekommen durften aber nicht in die Katasstrophenregion und wurden von der japanischen Regierung wieder nach Hause geschickt“

    So viel also zu deiner wirren Verschwörungstheorie rund um das THW.

    > Einem Land, das traditionell zu den engsten Verbündeten Deutschlands gehört, verhält man sich gegenüber nicht in dieser ehr- und schamlosen Art und Weise.

    Seit wann gehört Japan zu den „engsten Verbündeten Deutschlands“ Selbst während des 2. Weltkriegs waren beide Staaten nur bedingt verbündet. Für Japan dürften, insbesondere aus wirtschaftlicher Sicht, die transpazifischen Beziehungen zu den USA und zu China eine _wesentlich_ wichtigere Rolle spielen als die Beziehung zu Deutschland. Selbst Frankreich pflegt, u.a. wegen des eigenen Atomprogramms, engere Beziehungen zum Land der aufgehende Sonne als wir.

    Beim nächsten Mal zunächst Fakten recherchieren und _dann_ kommentieren. Merci!

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