Bittere Mandelblüten

Bittere Mandelblüten

Rezension vom: 25. April 2013 von // Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019

In einer Ikebana-Schule, dort, wo eigentlich nur reiche und wohlerzogene japanische Frauen die Kunst des Blumensteckens lernen, spielt sich ein grausamer Mord ab: Eine Ikebana-Lehrerin wird mit einer Blumenschere im Rücken tot aufgefunden.

Auch die Amerikanerin Rei, die ihre Wurzeln in Japan hat und seit kurzem in Tokyo als Antiquitätenhändlerin arbeitet, wird in den Mordfall verwickelt. Auf Wunsch ihrer Tante, die ihr die japanische Kultur näherbringen will, nimmt Rei an einem Ikebana-Kurs teil und ist auch prompt zugegen, als der Mord geschieht. Anders als in ihren anderen Fällen ermittelt Rei zunächst aber gar nicht als Detektivin, sondern wird mehr und mehr als beteiligte in den Fall verwickelt, denn auch auf sie ist ein Anschlag geplant.

Der Reiz dieses Romans ist so auch eigentlich gar nicht der Mordfall selbst, sondern spannend ist, was darum herum passiert. Rei lernt der Sohn des Inhabers der Ikebana-Schule kennen, der sich auch gleich in sie verliebt. Sie spricht mit den anderen Frauen des Ikebana-Kurses, die alle für sich interessante Persönlichkeiten mit ganz eigenen Geheimnissen sind. Und schließlich löst sie dann doch zuletzt ganz nebenbei den Mordfall.

Insgesamt verläuft die Romanhandlung aber relativ ruhig und es gibt viel Geplänkel um Rei herum, insbesondere um ihren Beziehungsstatus. Es empfiehlt sich deshalb unbedingt auch die zwei Vorgängerromane zu lesen, da der Roman dann schon dadurch interessant wird, dass man Reis Entwicklung über die Romane hinweg mitverfolgt. Auf den letzten 20 Seiten gibt es schließlich aber doch noch ein spannendes und actionreiches Finale, für das Sujata Masseys Kriminalromane ja auch eigentlich bekannt sind.

Massey streut in den Roman immer wieder kleine Informationen über japanische Sitten und Bräuche ein. Gerade die Umgebung der Ikebana-Schule gibt ihr die Möglichkeit, wieder einmal einen Aspekt japanischer Kulturtradition genauer zu erläutern. Interessant ist, dass Massey trotz dieser Informationen über Japan und die japanische Kultur in diesem Roman wenig belehrend oder stereotypisierend wirkt. Sie schafft es immer wieder, der Norm auch ein Gegenbeispiel entgegenzustellen wie etwa den Sohn des Leiters der Ikebana-Schule, der sich anstatt für teure und schöne Blumen für den Umweltschutz einsetzt.

Insgesamt ins Masseys Roman unterhaltend, teilweise aber auch etwas trivial. Gerade die Einleitung klingt – auch rückblickend vom Romanende aus – etwas übertrieben und kitschig:

„Die zweiwöchige Zeit der Kirschblüte sollte einen Sturm der Vernichtung und der Offenbarungen bringen, die keiner von uns – nicht meine kluge Tante, nicht der in puncto Lebensweisheiten so bewanderte Fernsehsprecher und am allerwenigsten ich selbst – vorhersehen konnte.“ (7)

Weniger wäre an manchen Stellen sicher mehr gewesen, denn grundsätzlich kann man dem Roman zwei Dinge nicht absprechen: Er ist unterhaltend und absolut kurzweilig – und er bringt uns Japan ein Stück weit näher.

Fazit
Massey unterhält auf gewohntem Niveau.

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