Ichiyô Higuchi erzählt in drei feinfühligen Erzählungen vom Leben junger japanischer Frauen, die – im noch traditionellen, aber schon im Aufbruch zur Moderne begriffenen Japan um 1900 – mit den alten Konventionen ihrer Zeit und ihrer Rolle in der Gesellschaft zu kämpfen haben.
Yumiko ist Journalistin aus Leidenschaft und wird wegen ihrer sorgfältigen Arbeit in die Abteilung der Kolumnisten der „Neuen Nachrichten“ versetzt. Als sie einen Leitartikel über Abtreibung schreibt, bei dem sie sich für die Rechte der Frauen einsetzt, verspielt sie allerdings ihr Ansehen. Sie muss mit ihrem Artikel irgendjemand ganz oben in der Regierung getroffen haben, denn der versucht nun, sie aus ihrer Abteilung entfernen zu lassen.
Botchan ist ein – der Meinung seiner Eltern nach – unbesonnener Hitzkopf, der es zu nichts bringen wird. Immerhin schafft er es aber, ein Physikstudium zu absolvieren und eine Stelle an einer Mittelschule in der Provinz zu bekommen. Doch damit beginnt der Ärger für den starrköpfigen Botchan, der schnell mit seinen Schülern und Lehrerkollegen aneinandergerät.
Japan um 1905: Minoru Eguchi, Sohn eines Büchsenmachers, lebt auf der ruhigen Insel Ono im Süden Japans. Trotz des dörflich behüteten Lebens kommt er schon früh mit den rauen Seiten des Lebens in Kontakt: was der Tod bedeutet, erfährt er als 5-jähriger, als sein Bruder ertrinkt. Seitdem lässt ihn der Tod und die Frage, wie man damit umgeht, nicht mehr los.
Um circa 1000 führte eine Hofdame, die unter dem Rufnamen Sei Shonagon bekannt ist, eine Art Tagebuch, in dem sie ihre Gedanken und Beobachtungen über den kaiserlichen Hof der Heian-Zeit festhielt. Diese Aufzeichnungen haben bis heute überdauert und zählen wegen ihrer inhaltlichen und stilistischen Qualität inzwischen zu den Klassikern japanischer Literatur.
Ichiro Honda führt ein ganz normales Leben als Büroangestellter: Unter der Woche arbeitet er in Tôkyô, am Wochenende pendelt er zu seiner Frau in Ôsaka. Doch seine heimliche Leidenschaft, im nächtlichen Tôkyô auf die Jagd nach einsamen Frauen zu gehen und sie zu verführen, wird ihm zum Verhängnis, als sich eines seiner Opfer plötzlich umbringt.
Der japanischen Ermittler Sano Ichirô, der um 1700 am kaiserlichen Hof in Edo, dem heutigen Tôkyô, lebt, ermittelt mittlerweile schon in seinem 10. Fall. Doch auch nach 9 Fällen werden seine Ermittlungen nicht langweilig, denn diesmal scheint es der Mörder darauf abgesehen zu haben, alle wichtigen kaiserlichen Beamten zu töten.
Baumschatten ist das zweite Buch von Saiichi Maruya, das ins Deutsche übersetzt wurde. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der Journalistin, in dem eine Journalistin in ihren Artikeln ihre Umwelt widerspiegelt, geht es in Baumschatten ausschließlich um die gedankliche Innenwelt des Autors.
Im Herbst 1933 zieht Sato als die Geliebte des Mönches Jikai zu ihm in den buddhistischen Tempel. Satos Beziehung zu Jikai ist sehr harmonisch, doch stört sie der neue Tempelgehilfe Jinen – mit seinen rund 10 Jahren noch ein Kind – dessen düsteres und verschlossenes Wesen einen Schatten auf das ruhige Tempelleben wirft.
Uno erzählt die Geschichte von Kazue, einer um 1900 geborenen Frau, die als eine der ersten aus dem typischen Frauenbild ausbricht und sich gegen Heiraten, Hausfrauendasein und Kinderkriegen wehrt.
In diesem Buch sind sechs Erzählungen gesammelt, die sich alle mit dem Thema Liebe und Entscheidung beschäftigen: Sechs Mal stehen die Protagonisten an einem Punkt in ihrem Leben, an dem sie kurz davor sind, sich auf eine Beziehung voll und ganz einzulassen. Und sechs Mal überwinden sie dafür ihre Vergangenheit und alte Gedanken, die sie bedrücken.
Mit diesem Buch unternimmt die bekannte Japanologin Irmela Hijiya-Kirschnereit den Versuch, einen Überblick über die in Deutschland verfügbare japanische Literatur zu geben. So viel kann gleich vorweggenommen werden: der Versuch ist ihr gelungen!