Wer vor einer Japanreise noch schnell die wichtigsten Vokabeln und Redewendungen lernen und gleichzeitig einen ersten Einblick in die japanische Kultur erhalten möchte, findet im Hueber Einstiegskurs Japanisch ein vielversprechendes Angebot. Wir haben das kompakte Lehrbuch ausführlich getestet und geprüft, ob es seine Versprechen in der Praxis tatsächlich einlöst.
1. Zielgruppe
Als „Einstiegskurs für Kurzentschlossene“ richtet sich dieses kompakte Lehrbuch an alle, die sich in kurzer Zeit auf eine Japanreise vorbereiten möchten. Im Vorwort heißt es:
„Wenn Sie die Lektionen durcharbeiten […] dann können Sie auch nicht mehr viel falsch machen im Umgang mit den Menschen in Nihon.“
Hueber Japanisch Einstiegskurs, 1. Auflage 2024, Seite 5
Ganz so weit dürfte der Stoff des Lehrbuchs allerdings nicht reichen. Er bewegt sich ausschließlich im absoluten Anfängerbereich und deckt lediglich die erste Niveaustufe ab. Dennoch verfolgt das Buch einen ganzheitlichen Ansatz: Neben den sprachlichen Grundlagen sollen auch wichtige kulturelle Besonderheiten vermittelt werden, um den Einstieg in den japanischen Alltag zu erleichtern.
Inhaltlich orientiert sich der Einstiegskurs konsequent an den sprachlichen Bedürfnissen von Japanreisenden. Als roter Faden dient die Journalistin und Lektorin Hanna Blume, die den Leser durch die einzelnen Lektionen begleitet und dabei typische Situationen erlebt, mit denen auch Touristen während ihres Aufenthalts in Japan konfrontiert werden.
Der Verlag ordnet den Einstiegskurs dem Niveau A1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) zu – und über dieses Einstiegsniveau geht das Lehrbuch auch nicht hinaus. Eine direkte Vergleichbarkeit mit dem Japanese-Language Proficiency Test (JLPT) ist zwar nur eingeschränkt möglich, doch in etwa lässt sich der behandelte Stoff der Stufe N5, der niedrigsten JLPT-Stufe, zuordnen.
2. Kanji und japanische Schrift
Das japanische Schriftsystem gilt als eine der größten Hürden für Anfänger. Neben den aus dem Chinesischen übernommenen Schriftzeichen – den Kanji – verwendet das Japanische zwei Silbenschriften: Hiragana und Katakana. Hiragana dienen unter anderem zur Schreibung grammatischer Endungen und von Wörtern, für die keine Kanji verwendet werden. Katakana kommen dagegen vor allem bei Fremdwörtern und ausländischen Namen zum Einsatz.
Ein Einstiegskurs muss daher den Spagat zwischen einer möglichst einfachen und einer dennoch vollständigen Einführung meistern. Der Hueber Einstiegskurs Japanisch entscheidet sich klar für den niedrigschwelligen Ansatz: Auf die beiden Silbenschriften – zusammenfassend als Kana bezeichnet – wird vollständig verzichtet. Im gesamten Buch findet sich kein einziges Wort in Hiragana oder Katakana; stattdessen werden alle japanischen Begriffe ausschließlich in lateinischer Umschrift (Rōmaji) wiedergegeben.
Problematisch ist dieser Ansatz vor allem im Hinblick auf die Aussprache. Man darf nicht vergessen, dass die lateinische Umschrift japanischer Wörter lediglich eine Annäherung an die tatsächliche Schreibung und Aussprache darstellt – eine 1:1-Übertragung ist sie nicht. Wer Wörter korrekt aussprechen und später auch sicher in Hiragana oder Katakana lesen möchte, kommt daher um die japanischen Schriftzeichen nicht herum.
Aus diesem Grund eignet sich der Hueber Einstiegskurs Japanisch in erster Linie als Kurs für Hörverständnis und Aussprache. Wer von Anfang an auch das Lesen und Schreiben erlernen möchte, sollte zu einem Lehrwerk greifen, das die japanischen Silbenschriften von Beginn an einführt.
Eine weitere Besonderheit des Buches ist die Gestaltung der Umschrift. Um Anfängern das Lesen zu erleichtern, werden die einzelnen Wortbestandteile durch Punkte voneinander getrennt. So wird der Satz „Es ist eng, nicht wahr?“ beispielsweise wie folgt geschrieben:
sema.i.deshō
Diese Darstellungsweise sorgt zwar für eine automatische Gliederung der Wörter und kann den Lesefluss zunächst erleichtern. Hat man sich jedoch erst einmal an ein Schriftbild wie sema.i.deshō gewöhnt, erweist sich dieser Vorteil als zweischneidig. Spätestens beim Wechsel zu authentischen japanischen Texten müssen die künstlich getrennten Wortbestandteile wieder als zusammenhängende Einheiten erkannt werden. Der Einstieg ins Lesen wird dadurch langfristig eher erschwert als erleichtert.
Obwohl das Lehrbuch weder Hiragana noch Katakana vermittelt, können die Lernenden im Verlauf des Kurses immerhin 40 häufig verwendete Kanji schreiben lernen. Da diese Schriftzeichen jedoch in den Lektionen selbst kaum beziehungsweise gar nicht eingesetzt werden, dürfte der praktische Lerneffekt überschaubar bleiben. Die Übungen wirken eher wie eine motivierende Ergänzung, die einen ersten Eindruck von der japanischen Schrift vermitteln soll.
3. Grammatik
Für einen Selbstlernkurs nahezu unverzichtbar ist die systematische Grammatik im Anhang, in der sämtliche im Lehrbuch behandelten Themen noch einmal übersichtlich zusammengefasst werden. Die eigentlichen Lektionstexte bleiben hingegen weitgehend frei von ausführlichen Erklärungen. Diese finden sich stattdessen in einer farblich abgesetzten Randspalte, die gewissermaßen die Rolle eines Lehrers übernimmt und den Lernenden durch den Stoff führt.
Die grammatischen Erläuterungen sind bewusst einfach formuliert und kommen weitgehend ohne sprachwissenschaftliche Fachbegriffe aus. Wo es sinnvoll erscheint, werden Besonderheiten des Japanischen durch kurze Vergleiche mit dem Deutschen veranschaulicht. Insgesamt richtet sich die Darstellung damit klar an autodidaktisch Lernende und Einsteiger ohne sprachwissenschaftliche Vorkenntnisse.
4. Wortschatz
Im Vorwort ist von einem Wortschatz von rund 400 Wörtern die Rede. Zählt man jedoch sämtliche Einträge des japanisch-deutschen Wörterverzeichnisses am Ende des Buches, ergibt sich ein Umfang von insgesamt 644 Vokabeln. Der tatsächlich vermittelte Wortschatz bleibt damit insgesamt dennoch überschaubar und auf typische Alltagssituationen beschränkt.
Wie bereits erwähnt, orientiert sich die Auswahl der Vokabeln konsequent an den Bedürfnissen von Japanreisenden. Die 20 Lektionen behandeln vor allem Situationen, mit denen Touristen während ihres Aufenthalts in Japan konfrontiert werden. Inhaltlich lassen sich dabei folgende Schwerpunkte erkennen:
- Begrüßen, Vorstellen und erste Gespräche
- Hotel, öffentliche Verkehrsmittel, Erdbeben und Krankheit
- Verabredungen
- Einkaufen, einschließlich des steuerfreien Einkaufs
- Reisen und Orientierung
Die begleitenden Audiodateien enthalten zu jeder Lektion die neu eingeführten Vokabeln. Diese werden zunächst auf Japanisch vorsprochen; nach einer kurzen Pause folgt jeweils die deutsche Bedeutung. Dadurch eignen sich die Aufnahmen gut zum Einprägen des Wortschatzes und als Wiederholungshilfe.
5. Landeskunde und Kultur
Ein besonderer Schwerpunkt des Einstiegskurses liegt auf der Vermittlung kultureller Hintergründe. Nach Auffassung der Autorinnen sind diese ebenso wichtig wie sprachliche Kenntnisse, um sich in Japan angemessen zu verhalten und erfolgreich zu kommunizieren. Entsprechend nehmen kulturbezogene Inhalte einen festen Platz im Lehrwerk ein. Pro Lektion sind zwei von sechs Seiten ausschließlich kulturellen Aspekten bzw. Hanna Blumes Erlebnissen in Japan gewidmet.
6. Übungen
Alle 20 Lektionen folgen einem einheitlichen Aufbau und umfassen jeweils sechs Seiten, die immer in der folgenden Reihenfolge aufgebaut sind:
- Seite 1: Informationen zu Land und Kultur
- Seite 2: Neue Vokabeln und Dialog
- Seite 3: Übungen
- Seite 4: Vokabeln und Dialog
- Seite 5: Übungen
- Seite 6: Informationen zu Land und Kultur
Lässt man die erste und die letzte Seite jeder Lektion außer Acht, liegt der didaktische Schwerpunkt klar auf dem Erwerb neuer Vokabeln, Redewendungen und einfacher Satzmuster. Mithilfe der kostenlos herunterladbaren Audiodateien sollen diese eingeprägt und durch Nachsprechen gefestigt werden.
Dieser Ansatz passt gut zur Zielgruppe des Lehrbuchs. Wer sich auf eine Japanreise vorbereitet, wird in erster Linie hören und sprechen müssen. Entsprechend legt der Einstiegskurs den Fokus auf die mündliche Kommunikationsfähigkeit und vermittelt genau die sprachlichen Mittel, die in typischen Reisesituationen benötigt werden. Kenntnisse im Lesen und Schreiben treten dagegen bewusst in den Hintergrund.
Die Übungen dienen dazu, den neu eingeführten Wortschatz sowie die behandelten Grammatikstrukturen zu festigen. Naturgemäß sind die Möglichkeiten eines Selbstlernkurses dabei begrenzt, da keine Lehrkraft zur Verfügung steht, die Antworten korrigiert oder individuelles Feedback gibt. Entsprechend setzen die Aufgaben vor allem auf Wiederholung, Zuordnung und kontrollierte Anwendung des Gelernten. Typische Übungsformen sind beispielsweise:
– Sätze eines Dialogs in die richtige Reihenfolge bringen
– Einfache Sätze ins Deutsche oder Japanische übersetzen
– Einer Frage die passende Antwort zuordnen
– Wörtern die richtige Bedeutung zuordnen
Ergänzt werden die Lektionen durch insgesamt fünf Zwischentests, die jeweils nach vier abgeschlossenen Lektionen den bisherigen Lernstand überprüfen. Sie dienen als Wiederholung und helfen dabei, den bereits behandelten Wortschatz sowie die grammatischen Strukturen noch einmal zu festigen.
Der zweite Test, der den Stoff der ersten acht Lektionen umfasst, enthält beispielsweise folgende Aufgaben:
Daijōubu.desu.____?
a) -o
b) -ka
c) -wa
Hueber Japanisch Einstiegskurs, 1. Auflage 2024, Seite 59
Wie heißt das auf Japanisch?
1. Gute Besserung
2. Guten Morgen
[…]
Hueber Japanisch Einstiegskurs, 1. Auflage 2024, Seite 59
Die Übungen fallen insgesamt eher einfach aus und beschränken sich überwiegend auf das Wiederholen und Anwenden des zuvor behandelten Lernstoffs. Für die angestrebte Zielgruppe und das Niveau des Lehrbuchs ist dieser Ansatz jedoch durchaus angemessen.
Positiv hervorzuheben ist, dass der Anhang sämtliche Lösungen zu den Übungen enthält. Dadurch können Selbstlernende ihre Ergebnisse eigenständig kontrollieren und eventuelle Fehler unmittelbar nachvollziehen.
7. Layout und Gestaltung
Mit seinem Format von 14,7 × 20,7 cm fällt der Einstiegskurs angenehm kompakt aus. Trotz der überschaubaren Abmessungen wirkt das Lehrbuch jedoch nicht überladen. Dazu trägt bei, dass die Lerninhalte sinnvoll dosiert sind und jede Doppelseite genügend Freiraum lässt. Auch die Gestaltung mit ihrem ausgewogenen Verhältnis von Text, Bildern und grafischen Elementen hinterlässt insgesamt einen modernen und ansprechenden Eindruck.
Etwas zwiespältig fällt hingegen die Gestaltung der farblich abgesetzten Randspalte aus, in der der sogenannte „Tutor“ grammatische und kulturelle Erläuterungen gibt. Die Grundidee ist überzeugend, da Erklärungen direkt neben dem eigentlichen Lernstoff platziert werden. Gleichzeitig führt dieses Layout jedoch dazu, dass der Blick ständig zwischen Haupttext und Randspalte wechseln muss. Ein durchgängiger, linearer Lesefluss kommt dadurch nur eingeschränkt zustande.
8. Zusatzmaterialien
Der Einstiegskurs kommt vollständig ohne zusätzliche Begleitmaterialien aus. Im Anhang finden sich eine systematische Grammatikübersicht, ein vollständiges japanisch-deutsches Wörterverzeichnis sowie die Lösungen zu sämtlichen Übungen. Damit bringt das Lehrbuch alles mit, was für das selbstständige Lernen erforderlich ist.
Ergänzt wird das Angebot durch kostenlos herunterladbare Audiodateien. An den entsprechenden Stellen im Lehrbuch ist jeweils die Nummer der passenden Audiodatei angegeben, sodass sich die Hörübungen problemlos den einzelnen Lektionen zuordnen und parallel zum Buch bearbeiten lassen.
9. Schwierigkeitsgrad und Progression
Da alle Lektionen in Umfang und Aufbau identisch gestaltet sind, fällt die Orientierung leicht. Lernende wissen bereits nach kurzer Zeit, was sie erwartet, und können ihren Lernaufwand gut einschätzen. Dadurch eignet sich der Einstiegskurs besonders für kurze, regelmäßige Lerneinheiten zwischendurch.
Insgesamt bleibt das Lehrwerk jedoch konsequent auf einem niedrigen Anfängerniveau. Anstatt den Schwierigkeitsgrad kontinuierlich zu steigern und die grammatischen Strukturen schrittweise miteinander zu verknüpfen, werden die einzelnen Themen überwiegend isoliert behandelt. Dadurch wirkt der Kurs eher wie eine Sammlung grundlegender Bausteine für typische Reisesituationen als wie ein systematisch aufeinander aufbauender Sprachkurs.
Dies wird auch im abschließenden Selbsttest nach der 20. Lektion deutlich. Obwohl der gesamte Lernstoff des Buches hier abgefragt werden könnte, bewegen sich die Aufgaben weiterhin auf einem einfachen Niveau. So finden sich dort unter anderem folgende Übungen:
San.man.en sind…
a) 30.000 Yen
b) 30.000 Euro
c) 3.000 Yen
Hueber Japanisch Einstiegskurs, 1. Auflage 2024, Seite 136
Wie sagt man das auf Japanisch?
1. Ich hatte Glück
2. Das ist schnell, nicht wahr.
Hueber Japanisch Einstiegskurs, 1. Auflage 2024, Seite 137
Berücksichtigt man jedoch die Zielsetzung des Lehrbuchs, relativiert sich dieser Eindruck. Der Einstiegskurs möchte in erster Linie grundlegende Sprachkenntnisse und einige nützliche Redewendungen für eine Japanreise vermitteln. Vor diesem Hintergrund erscheint der bewusst niedrig gehaltene Schwierigkeitsgrad durchaus angemessen und entspricht den Erwartungen an einen kompakten Reisekurs.
10. Autodidaktisch lernen vs. Lernen im Kurs
Als Selbstlernkurs erfüllt das Lehrbuch seine Aufgabe überzeugend. Es lässt sich ohne zusätzliche Materialien durcharbeiten und enthält alles, was für das eigenständige Lernen erforderlich ist. Neben einer systematischen Grammatikübersicht, einem umfangreichen Wörterverzeichnis und den Lösungen zu allen Übungen stehen auch kostenlos herunterladbare Audiodateien zur Verfügung.
Naturgemäß stößt ein rein analoger Selbstlernkurs an seine Grenzen. Das freie Formulieren komplexerer Sätze und deren Korrektur durch eine Lehrkraft oder einen Muttersprachler lassen sich auf diesem Weg nicht ersetzen. Entsprechend beschränkt sich das Lehrbuch auf einfache Satzstrukturen und stark gelenkte Übungen, die sich auch ohne individuelles Feedback sinnvoll bearbeiten lassen.
11. Fazit
Dank seines niedrigen Einstiegsniveaus eignet sich der Kurs besonders für alle, die sich erste Japanischkenntnisse im Selbststudium aneignen möchten, ohne dafür einen Sprachkurs etwa an einer Volkshochschule besuchen zu müssen. Das Lehrbuch richtet sich damit vor allem an Einsteiger, die schnell und barrierearm die wichtigsten japanischen Floskeln lernen wollen.
Für Neueinsteiger
GER A1 A2 B1 B2 C1 C2
JLPT N5 N4 N3 N2 N1
Sprechen
Hören
Lesen
Schreiben
Selbstlernen
Lernen im Kurs
Vorteile:
– einfache Erklärungen ohne viele Fachwörter
– schneller, lebensnaher Einstieg für Touristen
– keine Zusatzmaterialien notwendig
– gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Nachteile:
– insgesamt sehr niedriges Niveau
– keine Verwendung japanischer Schrift
– Lese- und Schreibverständnis wird nicht gefördert






















