Mit seinem handlichen Format von 10 × 14 cm passt der Pocket-Sprachkurs in nahezu jede Tasche und erfüllt damit genau den Zweck, für den er konzipiert wurde: Japanisch in kleinen Lerneinheiten – schnell, unkompliziert und ganz nebenbei – zu erlernen. Wie gut dieses Konzept in der Praxis funktioniert und welche Alternativen es zum Pocket-Sprachkurs von PONS gibt, beleuchtet diese Rezension ausführlich.
1. Zielgruppe
Der Pocket-Sprachkurs ist klein, handlich und konsequent auf das Lernen zwischendurch sowie unterwegs ausgelegt. Mit seinen alltagsnahen Themenfeldern eignet er sich besonders für alle, die sich vor einer Reise nach Japan noch schnell die wichtigsten Wörter und Redewendungen für typische Alltagssituationen und den Urlaub aneignen möchten.
Zehn farbig hervorgehobene „Mitreden“-Seiten fassen die Inhalte der einzelnen Lektionen zusätzlich in kompakter Form zusammen. So können sich auch Leserinnen und Leser mit wenig Zeit einen schnellen Überblick verschaffen oder die wichtigsten Ausdrücke kurz vor einer konkreten Situation noch einmal auffrischen.
Die Zielgruppe ist damit klar definiert: Menschen, die im Alltag nur wenig Zeit zum Lernen haben, sich aber dennoch für die japanische Sprache interessieren und in kurzen, unkomplizierten Lerneinheiten erste praktische Sprachkenntnisse erwerben möchten.
Eine verlagsseitige Einordnung des Sprachniveaus des Pocket-Kurses gibt es nicht. Da jedoch ausschließlich die Grundlagen vermittelt werden, dürfte das Niveau nicht über A1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) hinausgehen. Eine direkte Vergleichbarkeit mit dem Japanese-Language Proficiency Test (JLPT) ist zwar nur eingeschränkt möglich, der behandelte Stoff lässt sich jedoch grob der Stufe N5, der niedrigsten JLPT-Stufe, zuordnen.
2. Japanische Schrift
Das japanische Schriftsystem, das gleich drei verschiedene Schriften (Kanji, Hiragana und Katakana) verwendet, ist für Einsteiger kompliziert. Ein Schnellsprachkurs für den Urlaub tut deshalb gut daran, bis auf eine Übersicht der Hiragana und Katakana am Anfang die japanischen Schriften weitgehend außen vor zu lassen. Das gesamte Buch ist in lateinischer Schrift verfasst. Die komplexen, aus dem Chinesischen übernommenen Schriftzeichen, die Kanji, werden dementsprechend vollständig weggelassen.
3. Grammatik
Die Grammatikerklärungen finden sich direkt in den jeweiligen Lektionen, sobald neue Themen eingeführt werden. Ergänzend gibt es Verweise auf die entsprechenden Abschnitte der systematischen Grammatik im Anhang. Zusätzlich enthält das Buch eine sehr kompakte und in ihrer übersichtlichen Darstellung äußerst gelungene systematische Grammatik. Dass diese so gelungen ist, überrascht nicht: PONS veröffentlicht seit Jahren mit Grammatik kurz und bündig ein Standardwerk, das ebenfalls durch eine besonders übersichtlich aufgebaute Grammatik überzeugt. Der Pocketkurs deckt davon allerdings nur einen Teil ab.
Die grammatischen Erklärungen sind darauf ausgelegt, möglichst einfach und intuitiv verständlich zu sein. Dazu wird, sofern möglich, von Strukturen des Deutschen ausgegangen, um japanische Grammatikphänomene zu erklären. So werden die Partikeln wa (は) und no (の) mit dem Nominativ beziehungsweise Genitiv in Beziehung gesetzt. Verben wie taberu, die in der Japanologie üblicherweise als Wörterbuchform bezeichnet werden, nennt der Pocket-Kurs hingegen „Infinitiv“, da dies dem entsprechenden Konzept im Deutschen am nächsten kommt.
4. Wortschatz
Der Wortschatz umfasst einfache Alltagsthemen sowie für Urlauber relevante Begriffe. Die zehn „Mitreden“-Seiten veranschaulichen dies besonders gut. Behandelt werden unter anderem die Themen Vorstellen und Kennenlernen, Smalltalk, Wohnen, Kleidung und Einkaufen, Familie und Beziehungen, Essen und Trinken, unterwegs sein, Uhrzeiten und Verabredungen, Hobbys und Aktivitäten sowie Körper und Gesundheit.
Im Anhang des Buches sind die verwendeten Vokabeln für jede Lektion übersichtlich in einem Lektionswortschatz zusammengefasst. Ergänzend gibt es ein Japanisch-Deutsch-Glossar mit insgesamt 431 Einträgen. Vom Umfang des vermittelten Wortschatzes her ist der Pocket-Kurs damit ungefähr mit dem Einstiegskurs Japanisch von Hueber vergleichbar.
5. Landeskunde und Kultur
Der Pocketkurs konzentriert sich vor allem auf die Vermittlung sprachlicher Kenntnisse. Diese stehen jedoch an vielen Stellen in engem Zusammenhang mit der japanischen Kultur. Wo es für das Verständnis erforderlich ist, werden deshalb kurze kulturelle Erläuterungen gegeben.
6. Übungen
Der einfachen Konzeption des Kurses und seinem Selbstlerncharakter entsprechend gibt es kaum frei zu bearbeitende Aufgaben. Die Lektionen enthalten stattdessen – in abwechslungsreicher Reihenfolge – unter anderem folgende Aufgabentypen:
- Dialoge lesen und anschließend per Multiple Choice auswählen, worum es geht
- Einfache Lückentexte
- Sätze in die richtige Reihenfolge bringen
Trainiert werden dabei vor allem das einfache Hörverstehen sowie der Gebrauch typischer Ausdrücke und Redewendungen.
Lösungen zu den einfacheren Aufgaben gibt es nicht. Bei komplexeren Aufgaben ist die Lösung auf derselben Seite klein und auf dem Kopf stehend am unteren Seitenrand abgedruckt.
7. Layout und Gestaltung
Klein, kompakt und übersichtlich gestaltet unterstützt auch das Layout einen schnellen Überblick. Trotz des handlichen Formats ist die Schrift ausreichend groß, und immer wieder lockern Schwarz-Weiß-Abbildungen das Seitenbild auf. Aufgrund des Zweifarbendrucks gibt es keine farbigen Abbildungen. Trotz oder vielleicht auch gerade deshalb wirken die bereits mehrfach erwähnten „Mitreden“-Seiten klar und übersichtlich strukturiert, wie das folgende Beispiel zeigt:
8. Zusatzmaterialien
Der Pocketkurs enthält alles, was man zum Lernen benötigt: Neben den eigentlichen Lektionen bietet das Buch einen Anhang mit einer systematischen Grammatik sowie einem Lektionswortschatz.
Ergänzend zum Buch können kostenfrei Audiodateien heruntergeladen werden. Darin wird der Wortschatz der einzelnen Lektionen vorgesprochen – allerdings ausschließlich auf Japanisch und ohne die deutsche Übersetzung. Das ist etwas schade, denn so lassen sich Vokabeln und ihre Bedeutungen nicht gleichzeitig hörend lernen. Gerade für kurze Lerneinheiten zwischendurch wäre dies eine sinnvolle Ergänzung gewesen.
Zudem stehen die Audiodateien der Lektionen in insgesamt 130 Einzeldateien zum Download bereit. Auch hier werden ausschließlich die japanischen Ausdrücke vorgelesen – unabhängig davon, ob im Buch zusätzlich eine deutsche Übersetzung angegeben ist. Werden beispielsweise die Ausdrücke einer „Mitreden“-Seite abgespielt, muss man im Buch ständig nachverfolgen, welcher Ausdruck gerade vorgelesen wird.
Die Audiodateien dienen damit im Wesentlichen dazu, die korrekte Aussprache der Wörter kennenzulernen. Eine systematische Einführung in die japanische Aussprache, wie sie der PONS Power-Sprachkurs bietet, enthält der Pocket-Kurs hingegen nicht. Dies lässt sich von einem Lehrwerk dieses Umfangs allerdings auch kaum erwarten.
9. Schwierigkeitsgrad und Progression
Der Lernstoff baut gut aufeinander auf. Ganz nach dem Motto „Weniger ist mehr“ zeigt der Pocketkurs, dass sich auch mit wenigen Grammatikkenntnissen bereits vieles auf Japanisch ausdrücken lässt. Dazu konzentriert er sich auf einfache Satzkonstruktionen und häufig gebrauchte Redewendungen. Der Schwierigkeitsgrad steigt daher nur langsam an. Einen guten Eindruck vom erreichten Niveau vermittelt die letzte, 25. Lektion. Dort finden sich beispielsweise Sätze wie: Ich trinke mit dem Lehrer zusammen Bier, Ich gehe zum Karaoke oder Ich habe Sushi gegessen.
10. Autodidaktisch lernen vs. Lernen im Kurs
Der Pocketkurs ist ausschließlich für Selbstlerner konzipiert und konzentriert sich auf Fähigkeiten, die sich gut im Selbststudium erwerben lassen: Hörverstehen, Wortschatz und typische Redewendungen. Für das gemeinsame Lernen eignet er sich hingegen nur bedingt. Wer gemeinsam lernen oder im Unterricht arbeiten möchte, sollte zu Lehrwerken greifen, die interaktivere Übungsformate bieten, da der Pocketkurs in diesem Rahmen unnötig einschränkend wirkt.
11. Fazit
Der PONS Pocket-Sprachkurs beschränkt sich auf die Grundlagen und vermittelt sprachliches Wissen für den Alltag sowie für den Urlaub in Japan. Damit eignet er sich gut zur Vorbereitung für alle, die wenig Zeit haben und sich nicht intensiver mit einem Lehrbuch beschäftigen möchten, sich vor der Reise aber dennoch einen ersten Einblick in die japanische Sprache verschaffen wollen.
Sprachniveau
A1 A2 B1 B2 C1 C2
JLPT
N5 N4 N3 N2 N1
Lernformen
Vorteile:
– sehr übersichtliche, zugängliche Grammatik
– einfache und kompakte Präsentation der wichtigsten Grundlagen
– sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Nachteile:
– Audio-Vokabeln werden nur auf Japanisch vorgesprochen



























