Wovon wir träumten

Wovon wir träumten



Aus dem Amerikanischen von Katja Scholz:
mare
160 Seiten
ISBN: 978-3866481794

Ähnliche Bücher

Das Lager in der Wüste
Das Lager in der Wüste
Yoshiko Uchida

Die Geschichte, die erzählt wird, ist eigentlich ganz einfach: Junge Japanerinnen machen sich auf nach Amerika, um dort einen japanischen Ehemann zu heiraten. Aber die Art und Weise, wie Julie Otsuka diese Geschichte ausgestaltet, ist eine ganz besondere.

Otsuka erzählt die Geschichte einer ganzen Generation. In dieser Geschichte gibt es zwar vereinzelt Namen und Figuren, aber keine sticht als Individuum hervor. Kein Lebensfaden lässt sich durch das Buch mitverfolgen. Es sind kollektive Erlebnisse, die Otsuka in der Wir-Perspektive beschreibt. Mehrere Frauenschicksale werden so gleichzeitig beschrieben. Es sind vor allem Formulierungen wie einige von uns… und einige … oder eine von uns, die immer wieder auftauchen.

Ein gutes Beispiel für diesen Kollektiv-Erzählstil ist besonders folgendes Beispiel:

„Unser Zuhause war ein Feldbett in einer ihrer Schlafbaracken auf der Fair Ranch in Yolo. Zuhause war ein langes Zelt unter einem belaubten Pflaumenbaum bei Kettleman´s. Zuhause war ein Holzschuppen in Camp Nr. 7 im Barnhart Tract draußen in Lodi. Nichts als Zwiebelreihen, soweit das Auge reicht. Zuhause war ein Bett aus Stroh in John Lymans Scheine, Seite an Seiten mit seinen Siegerpferden und Kühen.“ (34)

Zugegeben, ein wenig befremdlich ist diese Erzählweise, zumal es nicht möglich wird, mit den Figuren mitzufühlen. Eine Frau hat Glück mit ihrem Mann, die andere ist unzufrieden. Eine hat eine Affäre, die andere bringt sich um. Otsuka gibt immer die Vielzahl an Möglichkeiten wieder.

Trotzdem schafft sie es – und das ist so faszinierend an diesem Roman – die Einzelschicksale in einem Strang zu bündeln. Die Frauen vereint letztlich alle, dass sie es nicht schaffen, richtig in Amerika anzukommen. Dazu setzt der Zweite Weltkrieg ihrer Integration ein Ende: Die japanischen Familien werden der Kriegsspionage bezichtigt und in Lager deportiert. Zurück bleibt Leere, als hätte es die Japaner in Amerika nie gegeben.

Wen übrigens gerade der Aspekt interessiert, wie es Japanern während des Zweiten Weltkrieges in Amerika ging, für den dürfe auch der Roman Keiko interessant sein, der das Einzelschicksal einer deportierten japanischen Familie genauer beleuchtet.

Fazit

Nicht unbedingt der Inhalt, sondern wie die Autorin mit Erzählperspektiven experimentiert, macht den Reiz dieses Romans aus.

Verfasst am 10. Juli 2012 von

Tags: ,

Weitere Bücher von Julie Otsuka

Neue Artikel im Blog

Zufällig ausgewählt: In Büchern stöbern

ランダムに選択しました

Liebe und Sinnlichkeit
Zehn
Das Casting
Der Brautkimono
Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden
Eine Klinik in Tokyo

Die neuesten Rezensionen

Das Seidenraupenzimmer
Das Seidenraupenzimmer 18. August 2020
Die Französin, die Geisha werden wollte
Die Französin, die Geisha werden wollte 7. Juni 2020
50
50 5. Juni 2020
Die Tochter des Samurai
Die Tochter des Samurai 3. Juni 2020
Yume
Yume 1. Juni 2020
Paradies im Meer der Qualen
Paradies im Meer der Qualen 10. April 2020
Literatur direkt aus Japan Literatur direkt aus Japan

Hier erfährst du mehr über Bücher, die es bisher nur in Japan gibt.

Bücher kaufen Wo kann ich japanische Bücher kaufen?

Ein kleiner Guide für Einsteiger

Zeitstrahl Zeitleiste

Suche dir Bücher aus nach der Zeit, in der sie spielen.

Neuerscheinungen Neuerscheinungen

Alle Neuerscheinungen für im Überblick.