Sayonara, Bulle

Sayonara, Bulle

Rezension vom: 10. Februar 2015 von // Zuletzt aktualisiert: 2. März 2026

Als Polizeiermittler im niedersächsischen Peine – das ist alles andere als sexy. Erst recht nicht, wenn man ein erfolgloser Ermittler ist wie der Mittfünfziger Bernie Ahlweg. Sein Chef möchte nur eins: Bernie loswerden – und schickt ihn deshalb zu einem Polizeiaustausch nach Tokio.

Der Beginn des Buches liest sich zunächst etwas hölzern. Abgesehen vom Humor, mit dem Carsten Germis, der selbst aus der niedersächsischen Provinz kommt, seine ehemalige Heimat treffend karikiert, ist der Anfang nicht ganz einfach, denn irgendwie – so fühlt es sich zumindest an – muss ein Grund gefunden werden, Bernie Ahlweg nach Tokyo zu bekommen: Bernie ist ein Alleingänger, der mit seinen Methoden aneckt, also schiebt sein Chef ihn nach Tokio ab. Ehe Bernie in seinem ersten Fall ermitteln kann, muss er also erstmal nach Japan reisen und dort vorgestellt werden. Damit vergehen die ersten knapp 50 Seiten.

Schließlich kommt es doch zum ersten Mord. Dieser verläuft so unspektakulär, dass die japanische Polizei ihn fast gar nicht als solchen registriert hätte, wenn Bernie Ahlweg nicht noch einmal genauer nachgehakt hätte. Mit seinen unorthodoxen Methoden und seinen direkten Nachfragen eckt er gleich am ersten Tag überall an, denn offenbar soll der Mordfall gar nicht gelöst und am besten so schnell wie möglich zu den Akten gelegt werden.

Als ausländischer Ermittler aber hat Bernie Ahlweg unter seinen japanischen Kollegen Narrenfreiheit. So kommt er in Japan mit Ermittlungsmethoden durch, mit denen er sich in Deutschland ins Abseits geschossen hat. Manchmal scheint es etwas einfach, wie ihm Zeugen und Beweismaterial förmlich zufliegen; der Mordfall ist aber keinesfalls eindeutig, und auch Bernie Ahlweg verrennt sich mehrmals, ehe er schließlich die Lösung findet.

Verglichen mit der Ausgangslage ist das Ende des Romans dann etwas zu positiv: Schon auf dem absteigenden Ast wird Bernie nun fast zum gefeierten Star – sowohl in Peine als auch in Tokio.

Carsten Germis, der als Ostasienkorrespondent in Tokio lebt, erzählt einen intelligenten, soliden Krimi. Alle Elemente, die einen Krimi über Japan auszumachen scheinen, kommen vor: Schulmädchenprostitution, korrupte Behörden, Vergnügungsviertel und natürlich die Yakuza. Auch wenn der Roman anfangs nicht ganz so schnell in Fahrt kommt, ist der Einsatz eines deutschen Ermittlers ein geschickter Schachzug: So kann Germis die japanische Kultur von außen beschreiben – und zeigt in diesen Schilderungen eine feine Beobachtungsgabe. Dies unterscheidet seinen Krimi von anderen Romanen, die bei der Beschreibung der japanischen Kultur oft nur Stereotype einsetzen.

Fazit
Ein intelligenter, solider Krimi von einem Japankenner.

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