Nach Rin Usamis Deutschlanddebüt Idol in Flammen erscheint ein weiterer Roman über das nicht einfache Leben eines jungen Mädchens, das mit häuslicher Gewalt und Depressionen konfrontiert ist.
Nüchtern und lakonisch schildert Rin Usami Kankos familiäre Situation, als wäre sie nichts Ungewöhnliches: Kanko leidet unter ihrem gewalttätigen Vater und steht zugleich in einer ambivalenten Beziehung zu ihrer Mutter, die nach einem Schlaganfall körperlich eingeschränkt ist und zudem Alkohol konsumiert. Ihre Brüder haben dieser Situation bereits den Rücken gekehrt; nur die 17-jährige Kanko ist geblieben.
Die belastenden familiären Umstände wirken sich deutlich auf Kanko aus. In der Schule kann sie nicht mehr mithalten, und es fällt ihr zunehmend schwer, sich zu etwas aufzuraffen. Anders als ihre Brüder bleibt sie jedoch in der familiären Konstellation gefangen.
Eine Zuspitzung erfährt die Situation, als die Familie gemeinsam zur Beerdigung des Großvaters reist. Aus Kostengründen übernachten sie unterwegs im Auto; am Ziel angekommen wird die Entfremdung zu allen weiteren Familienmitgliedern besonders deutlich.
Auffällig ist, dass sich Kankos Reise nahezu ausschließlich innerhalb des familiären Rahmens vollzieht. Im Mittelpunkt stehen weniger äußere Ereignisse als vielmehr innere Dynamiken, denen nur schwer zu entkommen ist, solange man in gewohnten familiären Strukturen verharrt.
Kankos Reise umfasst lediglich 80 Druckseiten. Rin Usami erzählt durchgehend in einem schnörkellosen und nüchternen Ton. Kankos Verhalten wird weder kommentiert noch von ihr selbst reflektiert. Dadurch besteht die Möglichkeit, über das Erlebte hinwegzulesen – ähnlich wie Außenstehende sich nicht in fremde Angelegenheiten einmischen. Ebenso lässt sich jedoch bei genauerer Lektüre das ganze Ausmaß ihrer Situation erkennen. So oder so bleibt Kankos Reise aber in jeder Hinsicht ein bedrückender Roman.
Fazit
Ein knapper, nüchterner Roman über die bedrückende Enge einer dysfunktionalen Familie.Verfasst am 10. Januar 2026 von Friederike Krempin
Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 13. Januar 2026



















