Japanische Jahreszeiten

Japanische Jahreszeiten

Rezension vom: 1. April 2015 von // Zuletzt aktualisiert: 18. August 2019

Nach der Neuauflage der Geschichte vom Prinzen Genji im letzten Jahr bringt Manesse nun einen weiteren Klassiker für Liebhaber japanischer Kultur in Neuauflage heraus: Eine Gedichtsammlung,

Tanka und Haiku stehen stellvertretend für das, was im Westen viele an der japanischen Kultur fasziniert: Auf engstem Raum, in nur einer Strophe, bündeln diese beiden japanische Kurzgedichtformen besondere ästhetische Momente: Sie scheinen schlicht, einfach und nicht im mer sofort zugänglich, sind aber dafür auf das Wesentliche reduziert:

Wie die Frühlingssee
durch den ganzen langen Tag
ruhig wogt und wogt-
Buson (47)

Angeordnet sind die Tanka und Haiku in Japanische Jahreszeiten nach den vier Jahreszeiten – Neujahr kommt außerdem als besonderer Anlass hinzu. Eine sinnvolle Anordnung, dreht sich doch in den meisten Haiku und Tanka alles um die Natur oder ist die Natur Motiv für Gefühle:

Gartendämmerung –
Abendneigen – Alles schweigt –
Die Päonien blühen.
Shirao (216)

Zwar gibt es am Ende der Gedichtsammlung eine 14-seitige Erläuterung zu Tanka und Haiku im Allgemeinen, die Gedichte bleiben aber unkommentiert und werden nur in deutscher Übersetzung präsentiert. Das macht es nicht immer leicht, sie tatsächlich nachzuvollziehen. Woher kommt zum Beispiel das Wort „Abendneigen“? Gibt es dafür eine bestimmte Entsprechung im Japanischen und wie kommt es zur Übersetzung mit gerade diesem Wort? Manche Verse lassen sich auch erst mit dem Nachschlagen einiger Wörter verstehen:

Morgenkühle weht.
Munter sing der Akolith
seine Matutin.
Shiki (184)

Der Übersetzer Gerolf Coudenhove hat die Haiku und Tanka direkt aus dem Japanischen. Die Übersetzung lehnt sich dabei nach Coudenhove so nah wie möglich an die japanischen Versform an. Die Auswahl der
Tanka und Haiku orientiert sich pragmatisch auch daran, wie übertragbar die Tanka und Haiku sind – so wurden nur diejenigen Gedichte ausgewählt, die keines längeren Kommentars bedürfen. Aber trotz dieser Vorauswahl bleibt doch oft das Gefühl, dass die kurzen Verse – so schlicht sie auch sind – noch mehr in sich tragen, als man sich selbst beim einfachen Lesen erschließen kann:

Lange, bange Nacht.
Was mir mein Gemüt bewegt,
spricht das Wasser aus –
Gochiku (325)

Japanische Jahreszeiten ist eine Neuauflage der seit 1963 bei Manesse erschienen Ausgabe.

Fazit
Eine schöne Sammlung zum Einlesen und Entdecken für alle, die nicht zu detailliert und wissenschaftlich an die japanischen Kurzgedichte herangehen möchten.

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