Die letzte Geisha

Die letzte Geisha

芸者苦闘の半生涯
Rezension vom: 20. Juli 2012 von // Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2026

Sayo Masuda, die schon in den 50er Jahren aus dem Geisha-Gewerbe ausstieg, ist eigentlich noch lange nicht die letzte Geisha Japans – aber sie ist 1957 die erste, die ihre Erlebnisse in einer Autobiografie veröffentlicht.

Masuda wird schon als Kind an ein Geisha-Haus verkauft. In die Schule geht sie nie, sie lernt lediglich die Verführungskünste der Geishas. Entsprechend einfach ist auch ihre Erzählweise.

Unglaublich erscheint, wie Masuda ihr Leben erträgt. Schon bevor sie an das Geisha-Haus verkauft wird, arbeitet sie in einer Familie als Hausmädchen. Sie wird Kranich genannt, da sie im Winter immer versucht, einen ihrer Füße am Bein zu wärmen, da sie noch nicht einmal Socken besitzt. Auch im Geisha-Haus gehen die Schikanen weiter. Wäre das, was Masuda erzählt nicht die Wahrheit, man könnte denken, ihre Erzählung sei ein billiger Roman, der versucht, die Leser mit Grausamkeiten zu unterhalten.

Masuda lebt in Suwa, abseits der großen und berühmten Geisha-Viertel. Ihr Geisha-Leben hat nur wenig Gemeinsamkeiten mit dem prunkvollen, glamourösen Leben der Maikos aus Kyôtô.

„Ob eine hübsch ist oder häßlich, alle tünchen sich das Gesicht fingerdick mit weißer Schminke, und solange eine nicht ausgesprochen mißgestaltet ist, werden alle gleich schön.“ (56)

In Masudas Autobiografie ist das Leben als Geisha zwar ein Hauptthema, macht aber nicht die komplette Erzählung aus. Es gibt wenige rein informative, beschreibende Texte. Masuda erzählt kleinere Episoden und setzt manchmal auch Wissen voraus. Neben ihrem Leben als Geisha erzählt sie auch noch von dem Leben danach, das bestimmt ist durch ihre Vergangenheit. Gebrandmarkt als Geisha und Mätresse kann sie nicht heiraten, reist getrieben von einem Ort zum anderen.

Interessant an Masudas Bericht ist vor allem ihre Erzählweise, mit der sie so viel über sie selbst verrät. Die Erzählweise ist schlicht, wenig ausschmückend und teilweise etwas ungelenk. Masuda unternimmt mit der Autobiografie zwar auch den Versuch, ihr Leben zu reflektieren, diese Reflexionen bleiben aber auf sehr niedrigem Niveau. Auch wenn dies alles natürlich den ästhetischen Lesegenuss schmälert, war es doch eine richtige Entscheidung des japanischen Verlages, das Manuskript im Originalzustand zu behalten, spiegelt es doch wieder, was Masuda verwehrt blieb: Bildung und ein Zeit, in der sie sich mit den schönen Dingen des Lebens befassen konnte.

Fazit
Wie Masudas traurige Autobiografie bezeugt, ist das Leben einer einfachen Geisha keinesfalls glanzvoll.

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