Grotesk

Grotesk

グロテスク
Rezension vom: 28. Juni 2014 von // Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019

Was passiert, wenn es Mensch so schön ist, dass es fast schon unheimlich ist? Yuriko, die Tochter eines Schweizers und einer Japanerin, ist so schön, dass sie alles in den Schatten stellt. Doch dies rächt sich später an ihr.

Ist ein Mensch so unglaublich schön wie Yuriko, leidet das Umfeld darunter. Besonders ihre ältere Schwester, die, obwohl sie intelligent ist, zeitlebens in Yurikos Schatten steht. Geschrieben ist der Roman aus Perspektive dieser Schwester, die namenlos bleibt.

Die Schwester beginnt die Erzählung zunächst mit ihrer eigenen Geschichte. Um gegen Yuriko anzukommen, lernt sie fleißig und geht auf eine Eliteschule. Dort ist sie als „Mischling“ und Emporkömmling aber eine Außenseiterin. Die einzigen Freunde, die sie hat, sind die Mädchen, die genau wie sie aus einfachen Verhältnissen kommen. Im Gegensatz zur namenlosen Protagonistin tun diese Mädchen aber alles dafür, den Anschein zu erwecken, als hätten sie Geld.

Das Streben nach Materiellem, besonders von Menschen der unteren Mittelschicht, sie sich verschulden und ein Gerüst von Lügen um sich aufbauen, nur um mit den anderen mithalten zu können, ist öfters Thema in Kirinos Romanen. Grotesk geht in dieser Thematik aber noch einen Schritt weiter und zeigt ein gnadenloses Klassensystem, eine oberflächliche Leistungsgesellschaft voll von Konventionen. Wer mithalten will, muss sich hier so verstellen, dass er krank wird.

Ihr Roman ist nicht nur Unterhaltung, sondern auch Kritik an diesem ständig steigenden Druck:

„Ist diese Intensivierung der Individuation – dieses vergrößerte Bewusstsein des Selbst – nicht ein Resultat des erstickenden Eingesperrtseins in der immer gleichen sozialen Gemeinschaft?“ (426)

Während die namenlose Protagonistin und ihre Mitschülerinnen kämpfen, hat die junge Yuriko es durch ihre Schönheit einfacher. Sie wird nur wegen ihrem Aussehen an der Eliteschule aufgenommen, sie kommt sofort in den begehrten Cheerleader-Club. Das Geld für teure Kleidung verdient sie sich mit Schulmädchen-Prostitution.

Bergab geht es schließlich stetig für alle Beteiligten, doch bis dahin bietet Kirino spannende Unterhaltung mit einem Gemisch aus Familiengeschichte, Schulmädchen-Streit, Prostitution und zwielichtigen, bitterbösen Charakteren.

Fazit
Kirino legt - mal wieder erzählerisch brilliant - die Wunden der modernen Gesellschaft offen.

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