Geisha in Rivalry

Geisha in Rivalry

腕くらべ
Rezension vom: 12. August 2013 von // Zuletzt aktualisiert: 1. März 2026

Ähnlich wie Sōseki Natsume gehört Kafū Nagai zu den Schriftstellern, die zwar innerhalb der japanischen Literatur einen hohen Rang einnehmen, deren hohe Bedeutung im Inland jedoch in keinem Verhältnis zur Anzahl der wenigen übersetzten Werke im Ausland steht. Die englische Ausgabe des Klassikers 腕くらべ („Geisha in Rivalry“) ist deshalb ein kleiner Geheimtipp für alle, die in das traditionelle Japan vor dem Zweiten Weltkrieg eintauchen möchten.

Geisha in Rivalry wurde 1918 veröffentlicht und spielt damit in einer ähnlichen Zeit wie die Romane von Sōseki Natsume. Die Zeit um 1900 ist besonders spannend, da Modernisierung und Einflüsse aus dem Westen dem traditionellen Japan gegenüberstehen. Anders als bei Sōseki Natsume ist dieser Konflikt in Geisha in Rivalry aber nur ein Randthema, das sich lediglich beiläufig bemerkbar macht, wenn zum Beispiel erwähnt wird, dass moderne Kinos das Theater verdrängen. Kafū Nagai konzentriert sich stattdessen ganz auf die Darstellung des Lebens im Amüsierviertel Shimbashi, der Welt von Geishas, Schauspielern und Amüsierbetriebe.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht die Geisha Komayo, die schon einmal freigekauft wurde, nach dem Tod ihres Mannes aber wieder an ihre alte Arbeitsstelle zurückkehren muss. Auch wenn Komayo weiß, wie sie die Männer um den Finger wickeln kann, und im Viertel durchaus eine beliebte Geisha ist, ist sie doch nicht wirklich frei, sondern wartet auf den Mann, der sie freikauft und ihr gegenüber ehrliche, konstante Gefühle zeigt.

„I don’t care how ugly a man is. What I want is a person who will be constant and take care of me without getting angry every time I want to have my own way a little bit.“

Kafū Nagai: Geisha in Rivalry, Seite 72

Die Erzählperspektive wechselt immer wieder: Sie ist einmal ganz nah an Komayo dran, um sich im anderen Augenblick wieder auf Randfiguren des Geschehens zu konzentrieren. Durch diesen Perspektivenwechsel gelingt es Nagai, ein rundes Gesamtbild einzufangen – es sind eben nicht nur die Geishas, sondern ebenso die Männer, die ihre Spielchen spielen und den Geishas keinesfalls so blind vertrauen, wie diese vielleicht annehmen.

„But Kyoto Woman can’t be trusted even when they they (sic!) are geisha. Why on earth is it that women are all so stingy and mean? They’re forever making a nuisance about even the most trivial things – always trying to put a man under obilgation, aren’t they?“

Kafū Nagai: Geisha in Rivalry, Seite 124

Da das Werk inzwischen gemeinfrei ist, gibt es den japanischen Originaltext auch als kostenloses E-Book beim Project Gutenberg.

Fazit
Ein Geheimtipp für alle, die gern in die traditionellen Amüsierviertel Tokios vor dem Zweiten Weltkrieg eintauchen möchten.

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