Fans japanischer Rätselkrimis, insbesondere der Werke von Seishi Yokomizo, erhalten mit der Reihe der bizarren Häuser Yukito Ayatsuji eine neue klassische Rätselkrimiserie aus Japan. Den Auftakt bildet der erstmals 1987 in Japan erschienene Roman Die Morde im Dekagon-Haus.
Ausgehend von grausamen Morden auf einer abgelegenen Insel beschließt ein studentischer Mystery Club, dort ein Schreibwochenende zu verbringen. Sieben junge Leute, die sich die Pseudonyme berühmter Schriftsteller gegeben haben und sich ausschließlich mit diesen ansprechen, wollen die Abgeschiedenheit nutzen, um an eigenen Kriminalgeschichten für die Clubzeitschrift zu arbeiten. Doch noch bevor sie mit dem Schreiben beginnen können, geraten sie selbst in eine mysteriöse Mordserie, der nach und nach die einzelnen Clubmitglieder zum Opfer fallen. Eine zentrale Rolle spielen dabei sowohl die isolierte Insel, auf der es weder Kommunikationsmöglichkeiten noch eine Fluchtmöglichkeit gibt, als auch das bizarr geformte Dekagon-Haus mit seinen zehn Ecken, in dem die Gruppe untergebracht ist.
Mit diesem Setting – Insel ohne Außenkontakt, klar begrenzter Personenkreis sowie ein Haus mit ungewöhnlicher Architektur und Geheimgängen – gehört der Roman zu den klassischen Locked-Room-Krimis. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass eine überschaubare Gruppe von Personen an einem Ort eingeschlossen ist und – während die Morde geschehen – die Auflösung am Ende ein raffiniertes Rätsel offenbart, wer wie diese Morde begangen hat.
Für Leser, die gerne miträtseln, bietet der Roman daher zweifellos ein überzeugendes Leseerlebnis. Gleichzeitig wirkt das Szenario stellenweise etwas konstruiert: Selbst in den 1980er-Jahren erscheint es fraglich, warum man sich ohne jede Absicherung und Kommunikation so vollständig auf einer Insel isolieren sollte. Zudem erscheint es seltsam, dass der Schauplatz grausamer Morde bereits nach sechs Monaten für eine studentische Freizeitgruppe wieder freigegeben wird.
Nichtsdestotrotz ist das Setting spannend aufgebaut. Der 80er-Jahre Charme einer Welt, die noch weitgehend analog abläuft und Studenten, die noch an einer Zeitschrift aus Papier arbeiten, ist aber zugleich unverkennbar. Wer gerne miträtselt und diese Atmosphäre liebt, für den bietet der Roman – vielleicht nicht trotz, sondern gerade wegen seines Alters – eine willkommene Abwechslung zu den derzeit gängigen Kriminalromanen.
Fazit
Ein klassischer japanischer Rätselkrimi mit cleverem Aufbau und hohem Mitratefaktor.Verfasst am 10. Januar 2026 von Friederike Krempin



















