Tokyo days and Tokyo nights

Tokyo days and Tokyo nights



Books on Demand
192 Seiten
ISBN: 978-3842343382

Wie viele andere, die dort waren, ist auch Nik S. Tun fasziniert von Tokyo. Und wie inzwischen auch viele andere möchte er uns seine Faszination über diese zugleich beeindruckende aber auch oft sehr unverständliche Welt mit seinem Buch mit viel Humor vermitteln. Ein besseres Verständnis für Japan bzw. Tokyo erreicht er damit aber nicht, im Gegenteil.

Zu Beginn hat mir der Bericht sehr gut gefallen: Tun beschreibt ziemlich viele, auffällige Dinge, die man bemerkt, wenn man zum ersten Mal in Japan ist, wie etwa die Besonderheiten des U-Bahnfahrens, die Mülltrennung und die Vorliebe der Tokyoter für Getränkeautomaten an jeder Ecke.

Sobald aber die oberflächlichen Eigenheiten, die in vielen Japanreiseberichten abgehakt werden, beschrieben sind, kommt das Buch an seine Grenzen. Der lockere Schreibstil, der den Bericht flüssig zu lesen macht und der Witz und Humor können da einfach nicht mehr weiterhelfen: Statt Erklärungen für bestimmtes Verhalten werden nur Klischees geliefert und vieles verallgemeinert. Eigenheiten der Japaner werden – gepaart eben mit dem Humor und einer extrem eurozentristischen Sicht – eher als Verrücktheiten oder einfach nur Ulkigkeit abgetan.

Stellenweise wird der Humor sogar beleidigend, wenn von den Japanern als „unsere[n] bonsaizüchtenden Freunde[n]“ (101) und von ihren Kindern als „kleinen Schlitzaugen“ (ebd.) die Rede ist. Man hat hier das Gefühl, dass auf Kosten der Japaner Witze gemacht werden. Anstatt die japanischen Andersartigkeiten zu akzeptieren, werden sie einfach als Marotten abgetan.

Wie einseitig der Blick ist, möchte ich an einem Beispiel kurz illustrieren: Als es kurz um das japanische Sprach- und Schriftsystem geht, erklärt Tun uns natürlich – wie könnte es anders sein – wie kompliziert doch die japanische Sprache ist: Dass es beim Zahlensystem zum Beispiel ein paar Eigenheiten gibt. Dazu zählen die japanischen Zählsuffixe. Für verschiedene Gegenstände gibt es im Japanischen unterschiedliche Suffixe. Dies ist natürlich eine Schwierigkeit für jeden Japanischlerner, aber verdeutlicht sehr gut den einseitigen Blick. Eine Schwierigkeit im japanischen Sprachsystem wird hier zum Exotismus gemacht. Dass es bei uns nicht anders ist, dass beispielsweise unser deutsches Pluralsystem sogar so kompliziert ist, dass zum Nomen in der Regel der Plural mit dazugelernt werden muss, solche Vergleiche werden natürlich nicht gezogen (und sind auch von einem Nicht-Linguisten nicht zu erwarten). Aber Akzeptanz für etwas, das eben anders ist als zu Hause, die würde ich mir schon wünschen.

Sorgfältig recherchiert wirkt das Buch nicht nur nicht wegen der ständigen Allgemeinplätze, sondern auch wegen vieler Kleinigkeitent. Quelle für Zahlenangaben ist meist Wikipedia. Das ist im Onlinezeitalter natürlich in Ordnung, Wikipedia sollte aber nicht zur alleinigen Quelle werden, sieht man mal von den subjektiven Berichten von Feunden, die für einen Bericht aus Tokyo durchaus angemessen sind, ab. Auch japanische Wörter sind teilweise nicht in korrekter Umschrift wiedergegeben, wie zum Beispiel „arigatogosaimashta“. Solche Fehler in der Umschrift sind natürlich nur Kleinigkeiten, tragen aber zum negativen Gesamtbild bei.

Tuns Erlebnisse sind die eines europäischen Touristen, der im Grunde aus seiner europäischen Umgebung nicht herauskommt. So enthält das Buch nur wenige wirklich persönliche Begegnungen mit Japaner und meist handeln diese Berichte auch nur davon, wie sich der Autor wundert, dass Japaner ja betrunken ganz anders sein können. Der richtige kulturelle Austausch – wohl auch bedingt durch die Sprachbarriere – fehlt leider.

Dass dieses fehlende Verständnis beziehungsweise die fehlende Bereitschaft, von der eigenen europäischen Position einfach mal abzurücken, dazu führt, dass permanent Witze auf Kosten der Japaner gemacht werden, ist bedenklich. Wem aber schon Darum nerven Japaner von Christoph Neumann gefallen hat, der wird sich mit diesem Buch sicher wohlfühlen.

Fazit

Aufwärmen von japanischen Klischees kombiniert mit einem persönlichen Erlebnisbericht. Berichte dieser Art findet man zu hauf in Blogs und Foren.

Verfasst am 4. Mai 2011 von

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