Die Kieferninseln

Die Kieferninseln


Rezension vom: 29. Oktober 2017 von // Zuletzt aktualisiert: 17. August 2019

Mit Marion Poschmanns Novelle Die Kieferninseln hat es 2017 erfreulicherweise auch ein Buch, dessen Handlung komplett in Japan spielt, auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis geschafft. Dabei ist die Handlung dieser Novelle eigentlich ziemlich unspektakulär.

Ein versponnener Professor auf Bildungsreise

Der versponnene, rechthaberische Professor Gilbert Silvester hat eine schlimme Vermutung: Seine Frau betrügt ihn. Das ist für ihn Grund genug, spontan nach Japan zu fahren. Und was macht ein alternder Professor in Japan? Natürlich eine Bildungsreise.

Eine richtige Bildungsreise muss geistig und literarisch fundiert sein: Gilbert nimmt sich als Vorbild Matsuo Bashōs Reisebericht „Oku no Hosomichi“ und will genau wie Bashō nach Matsushima zu den Kieferninseln reisen. Noch ehe seine Reise beginnt, hält er allerdings einen jungen Japaner vom Selbstmord ab und nimmt diesen kurzerhand mit auf seine Reise.

Handlung mit viel Humor

Es hat wirklich etwas Komisches, wie Gilbert versucht, den schüchternen, kaum Englisch sprechenden Japaner Yosa zu belehren und zu bekehren. Es hat auch etwas Komisches, als Gilbert für ihn seine Reiseroute umplant und sie einen Selbstmörderwald und den Selbstmördervulkan besuchen. Gilbert hält alle diese Plätze nicht für würdig genug, Selbstmord zu begehen und verbietet es Yosa kurzum.

Haikus und traumhafte Landschaften

Poschmann gibt sich große Mühe, trotz dieser Komik eine gewisse „Japan-Exotik“ einfließen zu lassen. Insbesondere die Naturbeschreibungen nehmen immer mehr zu, werden schließlich fast zu Traumbildern. Gilbert und Yosa verfassen Haikus zu ihren Reisestationen und am Ende ist nicht mehr ganz klar, was Gilbert wirklich erlebt und was er träumt. Dies wiegt die sonst vielleicht etwas dünne Handlung auf.

Marion Poschmann gelingt in die Die Kieferninseln eine feine Balance zwischen Japan-Exotik und Humor. Die Exotik macht die Reise zu den Kieferninseln zu etwas Besonderem, der Humor schafft zugleich aber immer wieder genügend Abstand, dass Buch nicht zu einer bildungsbürgerlichen Lobeshymne werden zu lassen, wie Gilbert sie wohl selbst formulieren würde.

Die Kieferninseln entstand im Rahmen eines Stipendien-Aufenthalts der Autorin in der Villa Kamogawa des Goethe-Instituts in Kyoto. Ein weiteres Buch, das in diesem Rahmen entstand, ist Takeshis Haut von Lucy Fricke.

Fazit
Ein ganz besonderes Japan-Reisetagebuch zwischen Komik und Exotik - mit literarischen Anspruch.

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