Als der Roman Die Geisha von Arthur Golden erschien, wurde er schnell zu einem weltweiten Bestseller. Obwohl die Geschichte der Geisha Sayuri Nitta, die zur beliebtesten Geisha Kyōtos aufsteigt, nach wie vor viele Leser begeistert, steht der Roman gleichzeitig inhaltlich in der Kritik.
Die Handlung bietet alles, was einen guten historischen Unterhaltungsroman ausmacht. Während ihre Mutter im Sterben liegt, wird die hübsche und kluge Sayuri an ein Geisha-Haus in Kyōto verkauft. Unter entbehrungsreichen Umständen erlernt sie zunächst das Handwerk der Geishas, arbeitet sich anschließend Stück für Stück nach oben, gewinnt Verehrer und reiche Unterstützer und behauptet sich schließlich gegen intrigante Konkurrentinnen. All dies spielt sich in einer spannenden Epoche von den 1930er-Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zur Nachkriegszeit ab.
Mit fast 600 Seiten ist der Roman recht umfangreich, der Erzählstil ist jedoch äußerst atmosphärisch und sticht gegenüber ähnlichen Romanen seines Genres positiv hervor.
Trotz seines unbestrittenen Unterhaltungswerts gibt es Kritik an der Authentizität des Romans. Besonders wird beanstandet, dass Golden Geishas durch seinen Roman als Edelprostituierte darstellt. Eine zentrale Szene hierfür ist die Versteigerung von Sayuris Jungfräulichkeit an den Meistbietenden.
Die schärfste Kritikerin des Romans ist die ehemalige Geisha Mineko Iwasaki, die Golden für sein Buch zahlreiche Interviews gab und von der schriftstellerischen Umsetzung letztlich enttäuscht war. Hinzu kam ein Rechtsstreit zwischen beiden, da Golden sich nicht an die Abmachung hielt, Mineko Iwasaki als Quelle bis zu ihrem Ableben geheim zu halten.
Der besondere Anspruch an Golden, seine Geschichte authentisch zu halten, könnte auch auf einem erzählerisch sehr geschickten Kniff beruhen: Der Roman beginnt mit Anmerkungen des Übersetzers, bei denen zunächst unklar bleibt, ob sie authentisch oder fiktiv sind. In diesen Anmerkungen beschreibt ein Professor für japanische Geschichte, wie er eine ehemalige Geisha interviewt hat, um ihre Geschichte aufzuschreiben. Der eigentlich fiktive Roman wirkt auf diese Weise wie das tatsächliche Vermächtnis einer Geisha.
Dass Goldens Roman als authentisches Zeitzeugnis gelesen wird, gehört sicher zu den größten Missverständnissen, die den Roman in der Kritik stehen lassen. Liest man Die Geisha hingegen als reinen Unterhaltungsroman, der eigene Elemente frei hinzufügt, um die Szenerie exotischer und die Handlung dramatischer zu gestalten, ist es ein gelungener Roman für spannende Lesestunden.
Wer dagegen tatsächliche Erlebnisberichte sucht, wird etwa in den Beobachtungen der Ethnologin Liza Dalby fündig. Auch Mineko Iwasaki hat nach dem Streit mit Arthur Golden mit Die wahre Geschichte der Geisha einen eigenen Roman verfasst, um ihre Version der Geschichte zu erzählen.


















