Der Garten des Samurai

Der Garten des Samurai

Rezension vom: 28. Juni 2011 von // Zuletzt aktualisiert: 18. August 2019

Einmal vorweg für alle, die gerne so wenig wie möglich von der Handlung im Voraus lesen müssen: Wer historische Romane mag und gerne eine ruhigere Geschichte, die in Japan zwischen 1937 und 1938 spielt, lesen möchte, dem empfehle ich diesen Roman uneingeschränkt.

Von Anfang an hat mich die Geschichte begeistert, denn sie hat nichts von dem, was man sich typischerweise unter einem historischen Roman vorstellt. Sie erzählt ruhig und zurückhaltend, vermeidet Stereotypisierungen, blickt in die Tiefe, statt nur an der Oberfläche zu verweilen.

Die Geschichte wird in Tagebuchform vom Chinesen Stephen erzählt. Sein Vater ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der sich viel in China aufhält und seinen Kindern allen christliche Namen gegeben hat, um ihnen ein erfolgreicheres Leben zu ermöglichen. Stephen hat Tuberkulose und wird deshalb im jahr 1937 – als die japanischen Truppen schon auf dem Vormarsch nach China sind – ins Feindesland geschickt, um sich im Ferienhaus der Familiem im Küstenort Tarumi zu erholen.

In Tarumi bleibt er abgeschottet von den aktuellen Geschehnissen. Er wohnt zusammen mit dem wortkargen Diener Matsu, der sein ganzes Leben in diesem Dorf verbracht und wie sein Vater schon Stephens Familie gedient hat. Ganz langsam lernt er die Lebensgeschichte Matsus, der am liebsten allein für sich im Garten arbeitet, kennen.

In einer turbulenten Zeit lebt Stephen in einer unnatürlichen Ruhe und Abgeschiedenheit. Trotz randständigen Berichten vom Massker in Nanking, trotz der agressiven Politik der Japaner, bleibt Stephen zunächst in Japan, denn er fühlt sich wohl in Tarumi. Er macht dort wesentliche Erkenntnisfortschritte, ein Leitmotiv ist unter anderem, dass sich gerade im Hässlichen oft auch das Schöne verbirgt.

Der Roman bietet nicht nur eine interessante Handlungskonstellation, sondern auch verschiedene, spannende Lebensgeschichten, ein wenig aktuellen Zeitbezug und eine ruhige, eher handlungsarme Erzählweise, die man sonst bei historischen Romanen – zumal wenn sie von einem Nicht-Japanischen Autor verfasst sind – nur selten antrifft.

Fazit
Ein historischer Roman, der durch seine Erzählweise, Themenwahl und Handlungsentfaltung überrascht!

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