Im Deutschen Kaiserreich, noch dazu im Jahr 1871, kurz nach der Öffnung Japans, dürfte es wohl kaum Gelegenheiten für eine deutsch-japanische Liebesbeziehung gegeben haben. Wie solch eine Beziehung hätte aussehen können, erzählt eine zweiteilige Romanserie von Rosalie Schmidt.
Während der zweite Teil (Im Land der Kirschblüten) tatsächlich in Japan spielt, wird im ersten Teil (Der Duft der Kirschblüten) zunächst die Liebesgeschichte zwischen Clara und Akeno vorbereitet: Clara arbeitet als unverheiratete älteste Tochter im elterlichen Teekontor Winterfeld. Hier begegnet sie auch dem japanischen Teehändler Akeno, der sie nicht nur mit seinem neuartigen grünen Tee, sondern auch als Mensch fasziniert.
Obwohl Clara sich in Akeno verliebt, stimmt sie einer Heirat mit ihrem Jugendfreund Franz zu, um das elterliche Teekontor finanziell abzusichern. Schnell merkt sie aber, dass sie nicht über Akeno hinwegkommt. Zudem benimmt sich Franz als Ehemann zusehends unsympathisch. Doch eine Scheidung würde bedeuten, dass Clara alle Kredite an Franz Familie zurückzahlen müsste und damit ruiniert wäre.
Die Haupthandlung des Romans dreht sich um Claras unglückliche Ehe, ihre Sehnsucht nach Akeno und das Geschäft ihrer Eltern. Wie der Roman ausgeht, kann man sich schon denken, da es sonst wohl keinen zweiten Teil geben würde.
Für das Jahr 1871 sind die Lösungen, die der Roman bietet, doch etwas unglaubwürdig und wären wahrscheinlich in konservativen Kreisen selbst 100 Jahre später reichlich unkonventionell. Wenn man dies aber übersieht und einfach der Geschichte folgt, so bietet der Roman eine starke Frau, die sich entgegen aller Konventionen durchsetzt und dem Weg ihres Herzens folgt.
Dafür muss man jedoch – gerade zu Beginn – eine sehr langatmige Erzählung in Kauf nehmen. Ein Beispiel hierfür sind sich wiederholende, in die Länge gezogene Gedankengänge von Clara darüber, ob sie heiraten soll oder nicht. Einige Dialoge könnten auch pointierter sein. Die Beschreibungen der Teesorten hingegen sind in ihrer Ausführlichkeit angemessen, da dies ja eines der Hauptthemen des Romans ist.
Während der Teewissen-Anteil im Roman also im Umfang angemessen ist, erfährt man (noch) wenig über das historische Japan.
Einige andere Elemente der Handlung wirken seltsam konstruiert. Da ich hierzu einige Punkte aus der Handlung spoilern muss, sollte jetzt nur weiterlesen, wer den Roman nicht mehr unbedingt lesen möchte.
Eines der größten Geheimnisse des Romans ist, dass Claras Mutter einen vorehelichen Sohn hat, der mit seiner Erzieherin durch einen Schiffbruch an die Küste des (damals noch abgeschotteten) Japans angespült wurde und dort gelebt hat. Von ihm hat Akeno seine perfekten Deutschkenntnisse und wohl auch deshalb keine Probleme, im Jahr 1871, kurz nach der Öffnung Japans, wie ein Kosmopolit durch die Welt zu reisen. Ein wenig merkwürdig erscheint mir auch, dass dieser uneheliche Sohn schließlich ist nach Akenos Besuch erfährt, wer seine Mutter ist, daraufhin nach Deutschland reist und schließlich sogar das Teekontor übernimmt.
Fazit
Ein solider historischer Unterhaltungsroman, der von einer romantischen Liebe und Teesorten erzählt und hierfür Kompromisse in der historischen Genauigkeit macht.Verfasst am 25. März 2025 von Friederike Krempin