Ohan. Die Liebe einer Frau

Ohan. Die Liebe einer Frau

おはん
Rezension vom: 8. April 2011 von // Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2026

Chiyo Uno ist in Deutschland bisher vor allem für ihren Roman Die Geschichte einer gewissen Frau bekannt, in der sie von einer selbstbewussten jungen Frau erzählt, die sich gesellschaftlichen Konventionen nicht fügen will. Mit Ohan ist nun eine Novelle erschienen, in der auf den ersten Blick aus ganz anderer Perspektive erzählt wird: Ein Mann kann sich zwischen zwei Frauen nicht entscheiden und führt eine Dreiecksbeziehung.

Auf den ersten Blick scheint die Geschichte von einem Mann dominiert. Er hat seine Ehefrau Ohan verlassen, um mit seiner Geliebten, der ehemaligen Geisha Okayo, zusammenzuleben. Er lässt seine Frau zurück, obwohl sie gerade ein Kind von ihm erwartet.

Sieben Jahre später trifft er Ohan auf der Straße wieder. Es ist nur eine Laune, die ihn dazu bewegt sie zu sich einzuladen, aber bald schon beginnt er mit Ohan erneut ein Verhältnis – diesmal muss er dieses geheim halten. Infolgedessen lernt er auch seinen Sohn kennen, der inzwischen 7 Jahre als ist. Anfangs interessiert er sich nicht für ihn, doch er entwickelt immer mehr eine Beziehung zum Kind, sodass er schließlich beschließt, wieder mit seiner Frau zusammenzuziehen.

Doch so einfach läuft es für Kanôya nicht. Er ist hin- und hergerissen zwischen beiden Frauen und verspricht jeder etwas anderes. Noch am Morgen, an dem er mit seiner Frau wieder zusammenziehen will, wacht er bei Okayo auf und kann sich nicht zum Gehen entschließen.

Kanôya ist lange nicht so mächtig wie es scheint. Vielmehr zeigt sich immer wieder seine Ohnmacht gegenüber den Frauen. Auch ökonomisch ist er von ihnen abhängig. Und schließlich ist er auch abhängig von seinen Gefühlen, die ihn beherrschen. Kanôya ist unfähig, Entscheidungen zu treffen und so ist es schließlich das Schicksal, das für ihn entscheidet. Und schließlich sind es doch wieder die Frauen, die stark sind und ihre Entscheidungen selbst treffen.

Ohan liest sich sehr flüssig und durch seinen geringen Umfang auch sehr schnell. Auch wenn man vermutet, dass es bei so einer Situation – ein Mann muss sich zwischen zwei Frauen entscheiden – ein quälendes Hin- und Her gibt – Uno gestaltet es zwar für den Mann als quälend, nicht für den Leser. Ohne unnötige Längen erzählt sie das wichtigste, auch Kanôyas Gedankengänge, schafft dies aber gebündelt. Die kleine Novelle steigert sich und verdichtet sich immer mehr bis zur Katastrophe. Ein Lesevergnügen für zwischendurch!

Fazit
Spannende Novelle über ein Dreiecksverhältnis, die trotz ihrer Kürze alle wichtigen Zutaten enthält: Tiefe, Reflexionen, eine dynamische Geschichte, ein überraschendes Ende.

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