Das Graskissen-Buch

Das Graskissen-Buch

草枕
Rezension vom: 6. März 2010 von // Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2026

Vielleicht ist gerade die Zeit für Klassiker? Nach Neuübersetzungen von Mishima Yukio sind auch mehr und mehr Titel von Japans wohl genau berühmtem Autor Sôseki Natsume wieder erhältlich. Daneben nun auch nach 24 Jahren endlich wieder das äußerst ästhetische Graskissen-Buch.

Ein junger Kunstmaler begibt sich auf die Reise in ein idyllisches Bergdorf, um Motive für seine Malerei zu finden. Das Bergdorf ist fast verlassen, da in Zeiten des russisch-japanischen Krieges niemand Urlaub machen kann. So lernt der Maler schnell die Einwohner des Dorfes kennen, darunter die undurchschaubare, aber schöne Tochter seines Gastwirtes, die sein Motiv werden soll.

Mit diesen paar Zeilen ist die Handlung des Romans im Grunde schon komplett zusammengefasst. Das eigentliche Hauptthema des Romans sind nämlich die ästhetischen Eindrücke, die der Maler in der Natur erlangt: Schon die kleinsten Naturschauspiele wie Wassertropfen, die von Blüten fallen, werden zu visuellen Erlebnissen, die mit einer ausgefeilten stilistischen, aber nicht umständlichen Sprache wiedergegeben werden. Auch die Beschreibungen der Eindrücke der Tochter des Gastwirtes nehmen einen wichtigen Platz ein – sie sind nicht erotisch, sondern rein ästhetisch.

Sôseki selbst betonte, dass der einzige Zweck dieses Romans sei, im Leser ein schönes Gefühl zu erzeugen, damit er der harten Alltagswelt entfliehen kann. Auch wenn Sôsekis Roman ein kunstvoller Roman ist, so ist er doch nicht abgehoben von jeglicher Realität: als der junge Kyu`ichi zum russisch-japanischen Krieg eingezogen wird, merkt der Maler, dass er sich auch im idyllischen Bergdorf nicht ganz der Realität entziehen kann.

Das Graskissen-Buch wäre aber noch kein typischer Sôseki-Roman, wenn nicht auch die Thematik des Gegensatz zwischen westlicher und östlicher Kultur auftauchen würde. Dieser zeigt sich in den reflektierenden Passagen des Malers, der beide Kulturen vergleicht, die östliche Kultur aber als die überlegenere ansieht.

Paradox ist dabei, dass er trotz dieser Ansicht im westlichen Stil malt und sein Ziel, in die reine Ästhetik zu entfliehen, der westlichen l`art pour l`art-Strömung gar nicht so unähnlich ist. Doch Paradoxien sind in Sôsekis Romanen völlig natürlich, scheinen sie sich doch zwangsläufig aus der Zeit zu ergeben, in der die japanische Kultur zwischen Übernahme der westlichen Werte und Traditionsbewahrung steht.

Fazit
Ein Roman, der die ästhetischen Sinne mit einer stilistisch ausgefeilten Sprache, wundervollen Naturbildern und Poesie anspricht.

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