Finsternis eines Sommers

Finsternis eines Sommers

夏の闇
Rezension vom: 26. Oktober 2012 von // Zuletzt aktualisiert: 6. Mai 2019

Zwei Japaner, ein Mann und eine Frau, die die 30 schon überschritten haben und die beide weit weg von Japan ein Nomadenleben führen, treffen sich nach 10 Jahren Trennung wieder. In Berlin versuchen sie, ihre Beziehung zu kitten und verbringen einen gemeinsamen, schwermütigen Sommer.

Die beiden bleiben anonym und gesichtslos. Einzig, dass die Frau etwas stämmiger ist, wird aus den Beschreibungen des Mannes, aus dessen Perspektive erzählt wird, deutlich. Die Frau promoviert in Berlin, nachdem sie im japanischen Wissenschaftssystem keinen Fuß fassen konnte. Was der Mann selbst macht, wird nicht ersichtlich. Überhaupt tritt er hinter seine Erzählung zurück. Er kritisiert die heimatlose, ungerichtete Lebensweise der Frau, ohne dabei selbst auf seine Situation zu sprechen zu kommen.

Die Erzählung plätschert dahin. Mal verkriechen sich die beiden in einem dunklen Zimmer, dann liegt der Erzähler wochenlang in Berlin auf einem Sofa und schläft. Kontakt zu anderen Menschen haben die beiden nicht. Der luftleere Raum, in dem sie sich zu befinden scheinen, wird nur einmal für einen ganz kurzen Moment gefüllt, als sie Angeln fahren.

Das Lesen wird allmählich mühevoll, die bedrückte Stimmung der Protagonisten schlägt sich nieder. Es wird anstrengend, das Buch weiterzulesen, das Universum der beiden zu ertragen, in dem sich der Erzähler um sich selbst dreht.

Ein Trost dafür ist die sprachliche Ausgestaltung, die kraftvollen Bilder ganz einfacher Gegenstände. Das abgedunkelte rote Zimmer wird zur Höhle, versetzt die beiden in einen körperlichen Urzustand zurück. Das Ledersofa wird zur zweiten Haut, der Körper der Frau zu einem interessanten Ort. Erotische Bilder sind nicht erotisch, sondern durch die besonderen Bilder vor allem interessant.

Und während man eigentlich das Gefühl hat, der Roman kommt nicht voran, passiert auf den letzten 50 Seiten dann etwas ganz Unerwartetes. Auf einmal wird die Lethargie des Erzählers, zumindest teilweise, verständlich und es bilden sich ungeahnte Verbindungen – zu einem Aufenthalt in Vietnam während des Vietnamkrieges.

Interessant an diesem Buch für deutsche Leser dürfte wahrscheinlich auch die Beschreibung Berlins sein. Diese fällt zwar dürftig aus, da beide in ihrem abgeschlossenen Universum verbringen, die Teilung der Stadt ist aber ein Thema.

Fazit
Eine bedrückende, lethargische Erzählung über zwei Außenseiter, die ihren Platz noch nicht gefunden haben.

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