Eigenwetter

Eigenwetter

ひとり日和
Rezension vom: 29. August 2015 von // Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019

„Jahreszeiten einer jungen Frau“ könnte das Romandebüt von Aoyama Nanae, für das sie den Akutagawa-Preis gewonnen hat, ebenso gut heißen.

Die fünf Kapitel sind mit „Frühling“, „Sommer“, „Herbst“, „Winter“ und „Vor dem Frühling“ überschrieben. In diesem Jahr, ihrem einundzwanzigsten, wird die anfangs noch unentschlossene und wenig selbstbewusste Chizu erwachsen. Während gewöhnlich die Kinder nach Ende der Schulzeit das elterliche Heim verlassen und ihr eigenes Leben zu leben beginnen, ist es hier die Mutter, die als Lehrerin nach China geht und das gemeinsame Leben mit ihrer Tochter aufkündigt.

Chizu sieht das durchaus kritisch, empfindet es als Verrat und fühlt sich verlassen. Ihre Mutter hat ihr ein Obdach in Tokyo bei der 71jährigen Ginko, einer entfernten Verwandten, organisiert. Im Vollbesitz jugendlicher Arroganz nimmt Chizu an, „die Oma“ warte in ihrem kleinen Häuschen mit dem verwilderten Minigarten an der Bahnlinie nur noch auf den Tod. Doch weit gefehlt: „Die Oma“ hat einen annähernd gleichaltrigen Freund, mit dem sie tanzen geht, für den sie sich „aufbrezelt“ und gelegentlich kocht.

Chizu lernt, dass „Alter“ nicht gleichbedeutend mit „Einsamkeit“ oder „Tod“ ist, sondern durchaus erfüllte Zeit bedeutet. Sie selbst hat in diesem Jahr so viele Jobs wie Liebhaber. Anfangs arbeitet sie als Hostess, dann als Verkäuferin in einem Kiosk am nahe gelegenen Bahnhof und schließlich in einem Unternehmen, wo ihr „vor dem Frühling“ in Verbindung mit einer Festanstellung auch ein Platz im firmeneigenen Wohnheim angeboten wird. Damit endet ihre Zeit bei „der Oma“. Eine etwas anders geartete „Festanstellung“ ist ihre Beziehung zu einem verheirateten Mann, dessen Geliebte sie wird, nachdem ihre beiden früheren Beziehungen zerbrochen sind. Aus der reichlich plan- und orientierungslos durchs Leben schleichenden Schulabsolventin, die nur weiß, dass sie nicht studieren will, wird eine „Office lady“, deren Leben einstweilen an Struktur gewonnen hat.

Ginko mit ihrer Lebenserfahrung und –weisheit ist daran nicht unschuldig. Zwar hütet sie sich davor, Chizu Vorschriften zu machen, wie sie zu leben habe, gibt aber durch ihre Lebensweise und die Art, Dinge anzupacken und zu regeln, eine Möglichkeit der Orientierung. Und Chizu nutzt diese Chance.

Ein Wort noch zum Einband. Der Verlag hat den hinteren Buchdeckel um fast das Doppelte verlängert. Im geschlossenen Zustand schützt dieser überstehende Teil den Vorderschnitt und eignet sich während der Lektüre zugleich als Lesezeichen. Eine eigenwillige, aber funktionelle Buchgestaltung, für die der Cass Verlag bisher eher nicht bekannt war.

Fazit
Einer dieser stillen, scheinbar ereignislosen Romane, die mit der Kraft ihrer Bilder fesseln.

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