Die Ladenhüterin

Die Ladenhüterin

Rezension vom: 17. März 2018 von // Zuletzt aktualisiert: 3. Dezember 2022

Japan ist das Land der Höflichkeit und das Land des perfekten Service am Kunden. Wer schon einmal in einem der zahlreichen, 24 Stunden geöffneten sogenannten Conbinis (von „Convenience Store“) war, weiß das. Nun bringt der Aufbau-Verlag einen Roman heraus, der für alle Japan-Fans sicher eine wahre Perle sein wird – für alle anderen aber vielleicht etwas zu speziell ist.

Beim Morgenappell werden noch einmal die wichtigsten Floskeln im Umgang mit dem Kunden geübt: „Guten Tag!“, „Vielen Dank“, „Bitte entschuldigen Sie, dass Sie warten mussten“, „Bitte kommen Sie bald wieder“. Der Service muss perfekt sein, die Regale immer aufgeräumt und voll. Der Laden wird mehrmals täglich gewischt, nichts soll dem Kunden unangenehmen auffallen. Die Mitarbeiter des Conbini tragen Uniform, behandeln jeden Kunden gleich höflich.

In dieser genormten Welt, in der jeder weiß, was er zu tun hat, arbeitet Keiko. Keiko fühlt sich hier wohl, denn sie hat ein Problem im Umgang mit Menschen. Und da der Conbini ihr vorschreibt, was sie zu tun hat, ist dies der einzige Raum, in dem sie sich in Gesellschaft bewegen kann, ohne unangenehmen aufzufallen.

„Nägel, die herausragen, müssen eingeschlagen werden“

Keiko ist zugleich aber auch ein Frau, die vollkommen aus dem Raster fällt. Obwohl sie studiert hat, ist sie auf der Stufe eines Aushilfsjobs stehen geblieben. Obwohl sie schon zu alt ist, um noch zu arbeiten, hat sie noch nicht geheiratet. Gut, dass sie im Conbini einen weiteren Außenseiter kennenlernt, der ihr die Chance gibt, auch diese gesellschaftliche Erwartung zu erfüllen.

Die Einsamkeit vieler Japaner, aber auch die Unfähigkeit, sich in die starre Gesellschaftliche Ordnung einzufügen, wenn man anders ist, sind das dominierende Thema des Romans. Zunehmend werden sowohl die Handlung als auch die Stimmung immer abstruser. und schließlich auch düsterer. Ähnlich wie Han Kang mit der Vegetarierin zeichnet auch Murata das deprimierende Bild einer Lebenssituation, in der es ab einem gewissen Punkt kein Zurück mehr gibt.

Eine Satire über Conbinis

Trotz allem enthält die Ladenhüterin viele liebevolle, aber auch humoritische bis hin zu satirischen Beobachtungen zum Conbini-Alltag. Diese feinen Schilderungen, vom Alltag der Angestellten bis hin zu den Tönen im Conbini, machen aus diesem Buch eine wirkliche Perle. Für jemanden, der Japan noch nicht kennt, werden die beschriebenen Ereignisse wahrscheinlich zunächst schwer einzuordnen sein, für alle anderen ist dieses Buch mit seinen 145 Seiten wahrlich wie eine kleine Reise nach Japan!

Fazit
Murata gibt einen ganz außergewöhnlichen Einblick in die japanische Gesellschaft und das Alltagsleben.

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