Das Restaurant der verlorenen Rezepte

Das Restaurant der verlorenen Rezepte

鴨川食堂
Rezension vom: 1. September 2024 von

Kaum etwas kann alte Erinnerungen so gut heraufbeschwören wie der Geschmack des Lieblingsgerichts aus der Kindheit. Auch wenn man sich nach Jahren noch immer genau an diesen bestimmen Geschmack erinnern kann, ist es kaum möglich, das Gericht genau so nachzukochen, wie man es in Erinnerung hat.

Das Kamogawa Shokudô ist ein ganz besonderes Restaurant, das genau diesen Service anbietet: Wer ein ganz bestimmtes Gericht essen möchte, für den kochen Nagara und seine Tochter Koishi dieses Gericht nach. Das Restaurant liegt in Kyoto in der Nähe des Kamogawa-Flusses, doch kein Schild weist darauf hin, dass es überhaupt existiert. Wer den Service von Nagara und Koishi benötigt, der wird das Restaurant auf magische Weise finden. Es gibt keine festen Preise, sondern der Gast bezahlt am Ende, was ihm der Service wert ist.

Nagare und Koishi kochen das Essen nicht einfach nur nach, sondern recherchieren wie Detektive ganz genau, was das Gericht jeweils so besonders für den Gast macht. Dazu lassen sie sich zunächst die Geschichte des Kunden erzählen: Wer hat das Gericht für ihn gekocht? Was waren die Bestandteile? Was hat ihm besonders gut daran geschmeckt? Manchmal ist auch ein wenig detektivisches Gespür notwendig, etwa, wenn Nagare und Koishi auf der Suche nach einem bestimmen Rindereintopf sind, den ihre Kundin Nobuko 1957 in einem Restaurant irgendwo in Kyoto gegessen hat.

Das Zubereiten der besonderen, verlorenen Gerichte ist mehr als bloßes Nachkochen. Es geht vielmehr darum, mit dem Essen einen verloren geglaubten Moment einzufangen und dem Gast so zu helfen, sich mit einem bestimmten Gedanken oder Problem auseinanderzusetzen. So kochen Nagare und Koishi für ihren Gast Kuboyama beispielsweise ein Nabeyaki Udon, wie es ihm seine verstorbene Frau zubereitet hat. Kuboyama steht kurz davor, sich neu zu verheiraten und kann so noch einmal Abschied nehmen und zugleich auch akzeptieren, dass seine neue Frau ihm das Gericht künftig anders kochen wird.

So erzählt der Roman in sechs episodenhaften Kapiteln sechs Geschichten von Gästen des Restaurants. Gekocht werden Nabeyaki Udon, Rindereintopf, Makrelen-Sushi, Tonkatsu, Spaghetti napolitan und Nikujaga.

Alle Gerichte werden so ausführlich beschrieben, dass man sich wirklich für Essen interessieren sollte, damit man Freude an den Geschichten hat. Zudem sind die einzelnen Geschichten alle nach einem ähnlichen Muster aufgebaut. Man muss diese ruhige Erzählweise, die kleinen Geschichten, die leise Suche nach den verlorenen Gerichten und Erinnerungen mögen, um wirklich Freude an diesem Roman zu haben. Für alle, die etwas mehr Unterhaltung oder Spannung suchen, könnte der Roman jedoch thematisch zu speziell und in seinem Aufbau etwas zu langweilig gestaltet sein.

Fazit
Ein Roman für Gourmets und Nostalgiker.

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