Marugoto Lehrbuch A1 (Beginner): Rikai

Marugoto Lehrbuch A1 (Beginner): Rikai



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Verfasst am: 9. September 2026 von // Zuletzt aktualisiert: 22. September 2026

Neben Genki und Minna no Nihongo ist Marugoto eine der bekanntesten japanischen Lehrbuchreihen, die in Japan herausgegeben wird. Seit 2013 sind diverse Bände erschienen, mit denen man Japanisch bis zum Sprachniveau B1 lernen kann. In dieser Rezension betrachte ich den Einstiegsband Marugoto Starter A1: Rikai genauer an und vergleiche seine Stärken und Schwächen mit denen vergleichbarer Lehrwerke.

1. Überblick über die Produktreihe

Alle Marugoto-Lehrbücher im Überblick

Bei Marugoto ist es anfangs nicht leicht, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Produkte man benötigt. Hat man die Reihe jedoch einmal systematisiert, wird die Struktur schnell verständlich.

Für Anfänger gibt es in den ersten drei Stufen jeweils zwei Bücher, die Katsudoo und Rikai heißen. Kurz gesagt, lassen sich die beiden wie folgt unterscheiden: Mit Katsudoo wird das Hören und Sprechen in interaktiven Übungen trainiert. Rikai hingegen soll die dafür notwendigen Kompetenzen vermitteln. Das heißt jedoch keineswegs, dass Rikai die entsprechenden grammatikalischen Erklärungen und Systematisierungen enthält. Auch hier verfolgt Marugoto einen sehr intuitiven Ansatz und vermittelt das Wissen ausschließlich durch praktische Übungen; grammatikalische Erklärungen enthält das Buch nicht. Wie dies genau funktioniert, erkläre ich weiter unten noch ausführlich.

Beide Bücher enthalten ansonsten identische Lektionen mit identischen Themen. Man kann sie daher parallel durcharbeiten und beispielsweise bei einer Lektion zunächst die Sprachübungen aus Katsudoo machen und anschließend zu den weiteren Übungen in Rikai übergehen.

Für den Einstieg ist daher wichtig zu wissen: Marugoto ist in den ersten zwei Schwierigkeitsstufen (A1 bis A2) jeweils in zwei Bücher aufgeteilt, die es Lernenden ermöglichen, ihre Materialien je nach Bedarf auszuwählen. Rikai kann dabei – gerade auch im Selbststudium – eigenständig und ohne Katsudoo verwendet werden, jedoch nicht umgekehrt.

Wer sich also unsicher ist, macht mit dem Kauf von zunächst nur Rikai nichts falsch.

2. Zielgruppe

Obwohl Marugoto von der Japan Foundation, die auch den JLPT (Japanese-Language Proficiency Test) durchführt, herausgegeben wird, orientiert sich das Lernniveau nicht an den Stufen des JLPT (N5 bis N1), sondern am JF Standard for Japanese Language, der den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen adaptiert. Die Lehrbücher werden dementsprechend in das hier geläufige Raster (A1, A2, B1, B2, C1, C2) eingeordnet. Marugoto ist aktuell für die Stufen A1, A2 und B1 erhältlich. Das vorliegende Buch deckt die Stufe A1 ab.

Inhaltlich versucht die Marugoto-Reihe, eine möglichst breite Palette der japanischen Kultur und des japanischen Alltags abzudecken. Sie konzentriert sich also weder eindeutig auf jüngere Lernende noch auf Studierende oder Geschäftsleute, sondern ist so allgemein gehalten, dass sie sich für unterschiedliche Lernsituationen eignet. Primär richtet sie sich laut der Japan Foundation an Personen, die Japanisch als Hobby lernen und sich möglichst schnell in einfachen, authentischen Situationen verständigen wollen. Die Einsteigerbücher auf den Niveaus A1 und A2 sind deshalb entsprechend niedrigschwellig aufgebaut und vermitteln zunächst das Wissen, das man benötigt, um sich in einfachen Situationen verständigen zu können.

Beispielseite aus Marugoto die zeigt, dass fast ausschließlich Japanisch verwendet wird

Sprachlich ist Marugoto so gestaltet, dass alle Inhalte auf Japanisch präsentiert werden. Einzelne Arbeitsanweisungen sind zudem auf Englisch übersetzt. Längere Texte, grammatikalische Erklärungen oder kulturelle Erläuterungen gibt es weder auf Japanisch noch auf Englisch. Dazu stellt die Japan Foundation eine kostenlose deutsche Begleitversion bereit, die das Hauptbuch sinnvoll ergänzt.

3. Japanische Schrift

Lernt man Japanisch, gibt es hinsichtlich der japanischen Schrift drei Optionen: Man lässt die Schrift komplett weg und greift auf ein Lehrbuch zurück, das ausschließlich lateinische Buchstaben (sogenannte Romaji) verwendet. Über das Anfängerlevel kommt man damit allerdings nicht hinaus, weshalb einige Lehrbücher dazu tendieren, die japanischen Silbenschriften Hiragana und Katakana Schritt für Schritt einzuführen. Auch dies macht es nicht immer einfach, denn das Gehirn muss sich zweimal gewöhnen: zunächst an die neuen japanischen Wörter in Romaji, anschließend an dieselben Wörter in Hiragana und Katakana. Deshalb befürworte ich persönlich den Ansatz, Hiragana und Katakana gleich zu Beginn zu lernen.

Marugoto setzt dieses Konzept um: Die ersten beiden Lektionen beschäftigen sich zunächst nur mit Hiragana und Katakana, danach sollte man beide Silbenalphabete lesen und schreiben können. Bis zur zehnten von insgesamt 18 Lektion wird jedoch Unterstützung in Form von Lesehilfen in Romaji angeboten. Dies macht den Einstieg besonders niedrigschwellig, reduziert zugleich aber auch das Lernniveau. Hier zeigt sich, dass sich das Buch eher an Hobbylernende als an Studierende richtet.

Entsprechend diesem Lernniveau spielen Kanji (die komplexen japanischen Schriftzeichen) zunächst auch nur eine untergeordnete Rolle. Bereits ab Lektion 3 kommen einfache, häufig gebräuchliche Kanji hinzu. Von diesem Zeitpunkt an werden sie ohne Lesehilfen mit den Hiragana und Katakana kombiniert, sodass man sie beherrschen muss. Da es aber nur wenige und häufig gebräuchliche Kanji sind, ist dies gut machbar, und das Schwierigkeitsniveau bleibt angemessen.

Wie Kanji eingeführt und geübt werden

Die kostenlosen Zusatzmaterialien zum Download auf Deutsch enthalten zudem ein PDF mit diesen Kanji, geordnet nach den Lektionen, in denen sie eingeführt werden. Neben der Lesung und Beispielsätzen enthält das PDF genügend Platz für eigene Schreibübungen. So lernt man mit Marugoto Rikai 1 insgesamt 59 Kanji.

4. Grammatik

Themenseite mit Satzmustern

Die Lektionen beginnen mit einer Themenseite, die Satzmuster enthält. Die Satzstrukturen und die damit zusammenhängenden grammatischen Phänomene werden jeweils ausführlich in der kostenlos herunterladbaren deutschen Grammatik erläutert. Die Erläuterungen sind klar und einfach formuliert und richten sich an Hobbylerner, die keine sprachwissenschaftlichen Erläuterungen benötigen.

Neben diesen grammatikalischen Erläuterungen enthalt das kostenlose PDF zu jeder Lektion auch die Kolumne „Sprache und Kultur“, die beispielsweise im Kapitel zum Thema Essen erläutert, wie ein japanisches Frühstück aussieht oder dass man im Japanischen lediglich „Trinken Sie Kaffee?“ statt „Möchten Sie einen Kaffee trinken?“ fragt.

5. Wortschatz

Screenshot aus dem kostenlosen word book

Die Rikai-Ausgabe selbst enthält keine Vokabellisten oder eine Übersicht über den Wortschatz. Beides kann man sich aber in deutscher Sprache als PDF kostenfrei auf der offiziellen japanischen Website von Marugoto herunterladen. Bemerkenswert ist, dass die Vokabeln jeweils mit Bildern illustriert sind und so gestalterisch eher ein kleines Bildwörterbuch darstellen als eine bloße Liste.

Spielerische Einführung von neuen Vokabeln

Sehr angenehm ist, dass das Hauptbuch dementsprechend entschlackt wird – gleichzeitig werden neue Begriffe stets auf sehr spielerische Weise präsentiert. So werden die ersten Wörter der Lektion mit Bildern und den zugehörigen japanischen Begriffen eingeführt. Daneben gibt es Übungen, in denen man neue Wörter durch Zuordnungen, Hörübungen oder sonstige kleine Aufgaben, die Spaß machen, erarbeitet. Marugoto verfolgt damit ein sehr innovatives Lernkonzept, das sich sowohl für den Unterricht als auch für ein abwechslungsreiches Selbststudium eignet: Wer möchte, kann die Vokabellisten nutzen und damit lernen, während man sich die Bedeutungen aber auch selbst erschließen und für sich notieren kann, so wie man sie sich am besten merken kann.

Der Wortschatz bezieht sich stark auf Dinge des Alltags und thematisiert weniger abstrakte als vielmehr konkrete und greifbare Dinge. Zunächst lernt man so, sich in einfachen Alltagssituationen zu bewegen.

6. Landeskunde und Kultur

Marugoto enthält viele Bilder und vermittelt auf jeder Seite gemeinsam mit Vokabeln und Grammatik die Besonderheiten des japanischen Alltagslebens. Wie bereits erwähnt erläutert zudem das Grammatikbeiheft in der Kolumne „Sprache und Kultur“ landestypische Besonderheiten.

7. Übungen

Die Lektionen sind grundsätzlich immer in dieser Reihenfolge aufgebaut:

Marugoto lädt dazu ein, den Lernstoff aktiv zu bearbeiten. Da die grammatikalischen Erklärungen ausgelagert sind, besteht das Buch im Grunde ausschließlich aus Übungen. Diese motivieren dazu, zu schreiben, zu markieren und Wörter zu verbinden. Darüber hinaus ist Marugoto aber auch so angelegt, dass man einen eigenen Ordner oder ein eigenes Buch führt, in dem man sich die Themen, Wörter und Grammatik selbst erarbeitet. So muss man sich die Beispielsätze und deren Strukturen mithilfe der Grammatik (oder im Unterricht) selbst erarbeiten, die Strukturen für sich selbst sinnvoll notieren und aus den neu präsentierten Wörtern eine Wortliste zusammenstellen.

Musterseite für Übungen

Die Übungen sind ansonsten abwechslungsreich, wenn möglich optisch ansprechend und umfangreich bebildert und stets auf einem angenehmen, nicht überfordernden Niveau. Sie lassen sich ebenfalls gut in kleine Lernhäppchen unterteilen.

Die Aufgabentypen wechseln sich zudem ab und umfassen Sprechen (dies lässt sich natürlich besser im Unterricht als im Selbststudium realisieren), Lesen, Schreiben und Hören. Für die Hörübungen stehen online Audiodownloads bereit, die man sich nach der Anlage eines Kontos kostenlos herunterladen kann.

Für Selbstlerner enthält der Anhang die Lösungen zu den Übungen.

8. Layout und Gestaltung

Die Gestaltung von Marugoto ist neben dem Layout der Lehrbuchreihe Genki aktuell eine der modernsten und besten auf dem Markt. Die Gestaltung im kompletten Farbdruck wirkt frisch und modern. Das Layout bleibt klar und konzentriert sich auf die wesentlichen Dinge. Dies schafft Marugoto insbesondere, indem alle Erläuterungen auf das kostenfreie Grammatik-PDF ausgelagert werden.

Durch das A4-Format fühlt sich das Buch zudem wie ein „Arbeitsheft“ an, das genug Platz bietet, um nicht nur die Aufgaben zu bearbeiten, sondern auch noch zusätzliche Notizen zu machen. Kurzum: Wenn man das Buch sieht, bekommt man Lust, Japanisch zu lesen und zu schreiben.

9. Zusatzmaterialien

Marugoto ist insgesamt sehr kostengünstig, wenn man sich auf die vorliegend rezensierte Ausgabe Rikai beschränkt und auf das Buch Katsudoo verzichtet. Alle weiteren relevanten Inhalte können nämlich wie bereits oben erwähnt kostenfrei auf der japanischen Website bzw. der Website des Kulturinstituts Köln heruntergeladen werden.

Zu diesen Downloads gehören:

Es gibt zudem noch eine Reihe an E-Learning-Angeboten, die ich aber für diese Rezension nicht weiter getestet habe.

10. Schwierigkeitsgrad und Progression

Marugoto wird von der Japan Foundation (国際交流基金), dem quasi japanischen Pendant zum Goethe-Institut, herausgegeben. Sie ist Organisatorin des JLPT (Japanese-Language Proficiency Test) und fördert die Übersetzung von Büchern, unter anderem natürlich auch ins Deutsche.

Die Institution hinter Marugoto kann also auf eine breite Erfahrung in der Vermittlung von Sprache und Kultur zurückgreifen, was man der Lehrbuchreihe deutlich anmerkt.

Hat man die Hürde gemeistert, Hiragana und Katakana lesen und schreiben zu können, bietet Marugoto einen einfachen, sehr praxisbezogenen Einstieg in die japanische Sprache. Der Stoff ist sinnvoll aufgebaut und greift ineinander, die gelernten Satzstrukturen bauen zudem aufeinander auf. Wer beim Lernen etwas langsamer ist, den lädt Marugoto ein, die Themen Stück für Stück zu entdecken, wer schneller ist, wird die Lektionen in einem höheren Tempo durcharbeiten und dann einfach schneller mit dem nächsten Buch beginnen. Das Lernniveau und der Schwierigkeitsgrad sind also angemessen und gut ausbalanciert für verschiedene Lerntypen.

11. Autodidaktisch lernen vs. Lernen im Kurs

Marugoto eignet sich sowohl für das Lernen im Kurs als auch für Autodidakten. Ein guter Lehrer kann den Unterricht allein anhand des Rikai-Buchs führen und die Inhalte gemeinsam mit den Lernenden erarbeiten.

Autodidakten erhalten einfach und kostenlos alle Zusatzmaterialien, die sie benötigen, um sich den Stoff selbst zu erarbeiten. Jedoch sollten sie selbst wissen, wie sie lernen und wie sie sich und den Lernstoff organisieren, denn Marugoto ist konzeptionell zu offen, als dass es ein strenges Lernschema vorgibt.

Für Autodidakten sind die Gruppen- bzw. Konversationsübungen natürlich weniger geeignet, da eine Korrektur durch den Lehrer fehlt. Dieses Problem des Selbststudiums kann aber kein Lehrbuch lösen.

12. Fazit

Marugoto verfolgt nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich ein modernes Lernkonzept, das niedrigschwellig und mit viel Spaß die japanische Sprache vermitteln möchte. Durch die vielen kostenlosen Online-Materialien ist das Preis-Leistungsverhältnis exzellent.

Rezension: Marugoto A1 Rikai

Für Neueinsteiger
Sprachniveau
A1 A2 B1 B2 C1 C2

JLPT
N5 N4 N3 N2 N1

Hören

Sprechen

Lesen

Schreiben

Lernformen

Selbstlernen
Gemeinsames Lernen im Unterricht

Vorteile:
– modernes Lernkonzept
– modernes Layout
– abwechslungsreiche Übungen
– viele kostenlose Zusatzmaterialien

Nachteile:
– einfaches bis mittleres Lernniveau
– für einen Intensivkurs eventuell zu einfach

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