Mein Sohn Takiji

Mein Sohn Takiji



Originalausgabe:
Kadokawa Corporation 1996

Iudicium
155 Seiten
ISBN: 9783862053919

Ähnliche Bücher

Ausgestoßen
Ausgestoßen
Tôson Shimazaki
Tokutomi Roka: Der Einsiedler von Kasuya
Tokutomi Roka: Der Einsiedler von Kasuya
Lidija L'vovna Gromkovskaja

Wenn eine japanische Schriftstellerin über das Leben eines in Deutschland weitgehend unbekannten japanischen Schriftstellers schreibt, muss das nicht unbedingt für deutsche Leser interessant sein. Wenn dieser Schriftsteller für seine Zeit aber eher untytpisch und dazu noch unter grausamen Umständen zu Tode gekommen ist, bekommt die Geschichte aber eine ganz andere Relevanz.

Leben eines Sozialisten im faschistischen Japan

Takiji Kobayashi war in Japan zu seiner Lebzeit ein durchaus bekannter Schriftsteller. Aufgewachsen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte er nicht nur die schwierige wirtschaftliche Lage hautnah mit, sondern auch die Expansionspolitik des langsam immer nationalistischer werdenden Japans. Takiji wächst selbst in einer armen Familie auf, die trotz ihrer prekären Lage viel Wert auf Bildung legt. So kann als einer der ältesten Söhne eine höhere Schule besuchen und schafft es schließlich bis zum Bankangestellten. Er setzt sich aber weiterhin für die ärmeren ein, ist immer hilfsbereit und opfert seine lukrative Arbeit schließlich zugunsten einer Schriftstellerkarriere. Mit seinen sozialistisch und kommunistisch beeinflussten Romanen gerät er schnell in die Schusslinie der Nationalisten, wird verfolgt und schließlich zu Tode gefoltert.

Takijis Mutter erzählt

Spannend wird die Geschichte durch die Erzählperspektive: Ayako Miura erzählt Takijis Lebensgeschichte aus der Perspektive seiner Mutter, einer Analphabetin, die mit 13 Jahren an einen deutlich älteren Mann verheiratet wurde. Takijis Gedankengänge kann sie nur beschränkt nachvollziehen, seine Bücher hat sie nie gelesen, aber sie kann ihren Sohn aus ihrer einfachen Sichtweise bewerten. Aus ihrer naiven Sichtweise heraus befindet sie, dass Takiji ein guter Junge war. Für sie bleibt es absolut unverständlich, warum er sterben musste, nur weil er ein paar Bücher geschrieben hat.

Die einseitige Sichtweise lässt Zweifel daran aufkommen, ob Takiji tatsächlich immer der gute Junge war, für den sie ihn hält. Andererseits wirft ihre naive Erzählweise auch ganz deutlich die Frage auf, wieso ein Mensch nur wegen seiner Anschauung so grausam verfolgt werden muss.

Mit Charme erzählt

Die naive Sichtweise von Takijis Mutter hat durchaus ihren Charme. Zudem erzählt sie aus einer sehr spannenden Zeit und beleuchtet die Perspektive einfacher Leute vom Land, ähnlich wie sie zum Beispiel auch Ichiyo Higuchi in ihren kurzen Erzählungen beschreibt. Mein Sohn Takiji ist damit eine interessante Erzählung über diese Zeit, auch wenn sie weitgehend sachlich bleibt und auf Ausschmückungen und Dramatisierungen der wirklich interessanten Stellen von Takijis Leben verzichtet.

Fazit

Die bewegte Lebensgeschichte eines Kommunisten in Japan kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Verfasst am 27. August 2014 von

Tags: , ,

Neue Artikel im Blog

Zufällig ausgewählt: In Büchern stöbern

ランダムに選択しました

Mein Körper weiß alles
Unter der Mitternachtssonne
Hiroshige
Vierundzwanzig Augen
Japanischer Alltag
1 Beben – 11 Perspektiven

Die neuesten Rezensionen

Die Französin, die Geisha werden wollte
Die Französin, die Geisha werden wollte 7. Juni 2020
50
50 5. Juni 2020
Die Tochter des Samurai
Die Tochter des Samurai 3. Juni 2020
Yume
Yume 1. Juni 2020
Paradies im Meer der Qualen
Paradies im Meer der Qualen 10. April 2020
The Ruined Map
The Ruined Map 28. März 2020
Literatur direkt aus Japan Literatur direkt aus Japan

Hier erfährst du mehr über Bücher, die es bisher nur in Japan gibt.

Bücher kaufen Wo kann ich japanische Bücher kaufen?

Ein kleiner Guide für Einsteiger

Zeitstrahl Zeitleiste

Suche dir Bücher aus nach der Zeit, in der sie spielen.

Neuerscheinungen Neuerscheinungen

Alle Neuerscheinungen für im Überblick.