Das Echo eines langen Tages

Das Echo eines langen Tages

Rezension vom: 21. Januar 2012 von // Zuletzt aktualisiert: 7. Mai 2019

In Ontario, Kanada, leben drei japanischstämmige Familien in unmittelbarer Nachbarschaft. Zwar haben sie einiges gemeinsam, unter anderem die Internierung während des Zweiten Weltkrieges in einem Lager, aber doch will sich ein richtiges Gemeinschaftsgefühl nicht einstellen.

Als eine der Japanerinnen plötzlich tot aufgefunden wird und ihr Mann mit den Kindern spurlos verschwindet, kommt Unruhe in die kleine Gemeinde. Inwiefern trifft die anderen Mitschuld am Tod der Frau, was wussten sie über ihr Verhältnis zu einem Amerikaner?

Ein Krimi ist das Buch aber keinesfalls. Die Ermittlungsarbeiten treten vollkommen in den Hintergrund. Die Atmosphäre wirkt irritierend friedlich. Aber es schwelt unter der Oberfläche. Der Mord ist nur ein winzig kleiner Impuls, der eine ganze Kette von Erinnerungen und Gefühlen in der Protagonistin anstößt.

Die Protagonistin ist eine ältere, ledige Japanerin, die ans Haus gefesselt ist, da sie ihren kranken Vater pflegen muss. Zudem macht sie den Haushalt für ihren Bruder, der scheinbar ein Problem mit Frauen zu haben scheint und deshalb immer noch zu Hause wohnt. Die Zeit, die ihr im Haus bleibt nutzt sie dazu, durch ein Fenster ihre Nachbarn zu beobachten. Dadurch erfährt sie schließlich mehr als ihr lieb ist und wird in den Mordfall selbst verwickelt.

Doch während sie tief in ihrem Inneren eigentlich weiß, was passiert ist, versucht sie alles zu verdrängen. Sie wehrt sich gegen die Erinnerungen, auch, weil diese ein traumatisches Erlebnis aus ihrer Kindheit wieder aufzureißen drohen.

Der Roman liefert also ein psychologisches Innenbild, das vor allem durch Unbestimmtheit und Verdrängung gekennzeichnet ist. Entsprechend uneindeutig gestaltet sich auch die Geschichte, fehlt der rote Faden und ein Spannungsbogen. Erst am Ende wird klar, worauf alles hinausläuft. Es gibt ein kleines Finale, das nun die Fakten enthüllt, die man sich vorher schon vage zurechtreimen konnte.

Fazit
Der Text verweigert sich zunächst einem tieferen Zugang. Man braucht Geduld, um die Protagonistin zu verstehen.

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