Als Chris Broad 2012 als Englischlehrer nach Japan zog, konnte er nicht ahnen, dass er auch ein Jahrzehnt später immer noch dort wohnen und einen YouTube-Kanal mit über 3 Millionen Followern betreiben würde.
Seine große Followerschaft wird nicht ganz unbeteiligt daran sein, dass Japan Abroad in Großbritannien ein Bestseller wurde. In einer Mischung aus Reisebericht und Biografie schildert Broad seine Jahre in Japan von seiner Ankunft im Jahr 2012 bis zum März 2022.
Ohne jegliche Japanischkenntnisse oder gar Kenntnisse der japanischen Kultur wird er nach Yamagata, knapp 400 Kilometer nördlich von Tokyo, geschickt, um dort an einer Schule als Sprachassistent zu arbeiten. Er unterstützt dabei die japanischen Englischlehrer bei ihrem Unterricht und soll den Schülern ermöglichen, mit einem Muttersprachler ihr Englisch zu üben.
Doch Broad macht die Erfahrung, dass selbst die Englischlehrer nicht zwingend flüssig Englisch sprechen. Hierdurch kommt es zu einigen durchaus witzigen Momenten. Doch Broad wäre nicht eine solch lange Zeit in Japan geblieben, wenn er sich nicht konsequent Japanisch beigebracht und mit der Kultur vertraut gemacht hätte. So erweitert er nach den ersten Monaten der Irritationen seinen Blick auf Land und Kultur mehr und mehr.
Ein Ergebnis dieser kulturellen Auseinandersetzung ist sein YouTube-Kanal, in dem er Japan von einer humoristischen Seite betrachtet. Der Kanal läuft so gut, dass er nach drei Jahren seinen Sprachassistentenjob aufgibt und in die Nähe von Sendai zieht, um sich dort ganz seinem Kanal und dem Dreh von Dokumentationen zu widmen.
Broads Beobachtungen über das Leben in Japan sind feinfühlig, mit Humor versehen, ziehen die Situationen jedoch nie ins Lächerliche. Was Japan Abroad zudem von vielen Reiseberichten unterscheidet, ist die langfristige Perspektive, die Broad in seine Beobachtungen von Land und seine Kultur einschließt. So geht es beispielsweise auch um die Auswirkungen des Großen Ostjapanischen Erdbebens im Jahr 2011, die bis in die Gegenwart nachhallen.
Wer bereits in Japan war, wird an vielen Stellen schmunzeln oder Lust bekommen, das Land erneut zu bereisen. Viele Aspekte, die Chris Broad schildert, sind zwar nichts Neues, die Art und Weise, wie er aber darüber schreibt und seine eigene Lebensgeschichte mit einbindet, machen dieses Buch durchaus lesenswert und nie langweilig.
Fazit
Eine unterhaltsame Mischung aus Biografie und Reisebericht eines inzwischen bekannten YouTubers und Japankenners.Verfasst am 16. November 2025 von Friederike Krempin


















