Japanisch lesen lernen in 5 Schritten



Japanisch lesen lernen in 5 Schritten

Das japanische Schriftsystem ist für Japanischlernende eine große Herausforderung: Es gibt nicht nur die zwei Silbenschriften Hiragana und Katakana, sondern auch die chinesischen Schriftzeichen Kanji, von denen rund 2.000 beherrscht werden müssen, um flüssig Texte lesen zu können. Wie ihr trotzdem in 5 Schritten flüssig Japanisch lesen lernen könnt, erklärt dieser Artikel.

Schritt 1: Zunächst keine Kanji, sondern Vokabeln lernen

Lernt ihr Japanisch privat und nicht im Rahmen eines Vollzeitstudiums, solltet ihr euch im ersten (halben) Jahr darauf konzentrieren, zunächst nur neue Vokabeln und die japanischen Silbenalphabete Hiragana und Katakana zu lernen, ehe ihr euch tatsächlich ans Lesenlernen machen könnt. Grammatik, Vokabeln und Redewendungen sind am Anfang einfacher zu lernen, wenn ihr die Kanji weglasst – und es erfordert schon genug Mühe, die Hiragana und Katakana lesen und schreiben zu lernen. Wichtig ist es, sich zunächst die Aussprache der Wörter einzuprägen und ein Grundvokabular sicher zu beherrschen.

Schritt 2: Die Systematik der Kanji verstehen und erste Kanji lernen

Zugegeben, das hört sich nun bisher nicht gerade an, als wäre es möglich, schnell die Kanji und damit Japanisch lesen zu lernen. Und schnell geht es sicher auch nicht, ihr werdet aber doch schneller mit Kanji konfrontiert als gedacht: Auch die Lehrbücher für Einsteiger enthalten einfache Kanji wie 日 (Tag), 一 (eins) oder 本 (Buch, Ursprung) (und einige wie Genki erklären diese auch). Wenn die Lehrbücher euch also nicht selbst darauf stoßen, wird es nun Zeit, sich mit der Systematik der Kanji vertraut zu machen. Eine gute Einführung bieten die Kanji-Lexika von Buske oder Langenscheidt, zur Einführung ungeschlagen ist aber nach wie vor der Expresskurs japanische Schriftzeichen (nur noch gebraucht erhältlich).

Schritt 3: Erste Leseversuche und kontinuierliches Lernen

Nun wisst ihr, wie die Kanji aufgebaut sind, kennt Grundkanji wie 大, 男und 田 und könnt beginnen, eurer Kanjirepertoire zu erweitern. Neben den Wörtern, die ihr im Lehrbuch lernt und die ziemlich häufig vorkommen wie gehen, sehen, aufstehen usw. solltet ihr nun schon zu echtem Lesestoff greifen. Dieser Lesestoff sollte auf einem niedrigen Niveau und für Japanischlernende entwickelt sein. Was ihr in diesem Stadium unbedingt vermeiden solltet, sind bilinguale Bücher wie Breaking into Japanese Literature. Diese bieten zwar „echte“ literarische Geschichten, haben aber eigentlich einen viel zu hohen Schwierigkeitsgrad, zu viele neue Kanji und enttäuschen so mehr als dass sie motivieren. Hilfreich dagegen sind die Lesehefte der Japanese Graded Readers Reihe. Wenn ihr das erste Lehrbuch durchgearbeitet habt, könnt ihr hier mit Level 2 einsteigen.

die Japanese Graded Readers Reihe in Nahaufname
Erste längere Leseversuche mit der Japanese Graded Readers Reihe

Schritt 4: Den Schwierigkeitsgrad erhöhen

Nachdem ihr Lesetexte wie die Japanese Graded Readers Reihe durchgearbeitet habt, wird es irgendwann zu langweilig mit Übungstexten. Problematisch ist aber weiterhin das hohe Frustpotenzial bei „echten“ Texten: Mal lesen sich einige Sätze ganz flüssig, dann dauert es wieder minutenlang, ein einzelnes Kanji nachzuschlagen. Zögert also nicht, bei Lesestoff auf Texte mit Kanji-Lesehilfen, den sogenannten Furigana, zurückzugreifen. So könnt ihr flüssig lesen und euch neue Kanji dabei herausschreiben und sie einüben.

Hierzu eignen sich besonders gut Kinderbücher für Grund- und Mittelschüler (Auswahl bisher auf japanliteratur.net vorgestellter japanischer Kinderbücher) oder auch die bilinguale Zeitschrift Hiragana Times. Diese enthält zwar englische Texte und verleitet damit auch dazu, sich den Text doch mal auf Englisch durchzulesen, bietet aber mit ihren Reportagen und Sachartikeln eine gute Gelegenheit, gezielt einen Wortschatz zu aktuellen Themen oder bestimmten Themenfeldern aufzubauen.

Gut für den Einstieg eignen sich für Murakami-Fans übrigens auch die illustrierten Geschichten Fuwa Fuwa oder Weihnachten mit dem Schafsmann.

Übrigens: Wo ihr japanischen Lesestoff bestellen oder kaufen könnt, erklärt dieser Artikel.

Regal mit japanischen Büchern

Schritt 5: Japanische Literatur lesen

Nun wird es Zeit für japanische Literatur. Noch mehr Kanji, noch mehr neue Vokabeln. Das Tempo bestimmt ihr selbst. Nehmt euch für den Anfang aber auf jeden Fall ein motivierendes Buch: Welches Buch gibt es auch nicht auf Deutsch, was ihr unbedingt lesen möchtet? Welches Buch ist in Japan gerade heiß diskutiert, wird aber wohl nicht nach Deutschland kommen? Versucht euch beim Lesen auf die Handlung und Geschichte zu konzentrieren und überspringt auch mal einzelne Kanji und Wörter, wenn es nicht die bedeutungstragenden Elemente im Satz sind.

Verfasst am 18. Oktober 2014 von

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Kommentare

  1. Danke für den tollen Artikel, ich habe mich mal an die beiden Schriftarten getraut sind soweit ich weiß 96 neue Zeichen/Buchstaben die meisten davon lernt man ganz leicht wenn man sich zu jedem Zeichen ein Bild im Kopf speichert.Naja nun kann ich einige Texte auch übersetzen doch mir fehlen noch die Vokabeln um etwas mit den Wörtern anfangen zu können :-).

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