Die Reise nach Amanon

Die Reise nach Amanon

アマノン国往還記
Rezension vom: 26. März 2010 von // Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019

Die ganze Erde wird vom Monokamismus, einer monotheistischen, Religion beherrscht. Nur die kleine Insel Amanon hat sich vollkommen abgeschottet. Der Missionar P. wird deshalb auf eine Missionsreise nach Amanon geschickt, um die Amanonier ins monokamische Reich einzugliedern.

Da schon seit mehreren Jahrhunderten kein Kontakt mehr zwischen Amanon und Monokamien besteht, ist P.´s Wissen über die amanonische Kultur vollkommen veraltet. Erst nach einiger Zeit merkt er, dass Amanon ausschlie√ülich von Frauen bewohnt zu sein scheint – Männer treten nur als Kastraten auf oder wohnen in sogenannten staatlichen Samenbanken als Samenspender.

In Amanon scheint die Welt auf den Kopf gestellt: Frauen übernehmen nicht nur die Ämter der Männer, sie verzichten ganz auf sie. Heterosexueller Geschlechtsverkehr gilt als pervers, stattdessen vergnügen sich reiche Amanonierinnen mit jungen Mädchen. Auch bei der Ausdruckweise scheint einiges vertauscht: Während es in der Oberschicht zum guten Ton gehört, schnodderig und unverbindlich zu sprechen, gibt es eine höfliche und gewählte Ausdrucksweise nur noch in der Unterschicht.

Je länger P. sich in Amanon aufhält, desto unwichtiger wird ihm sein eigentliches Missionsziel. Unkontrolliert und fern von seiner Heimat beschließt er, eine „He-Rovolution“ zu starten und das sexuelle Verlangen der amanonischen Frauen wiederzuerwecken.

Die erotischen Szenen, die nun folgen – P. ist nun fast jede Nacht zu Gast bei einer anderen Frau – sind wie aus einem billigen Erotikroman abgeschrieben. Sie demaskieren und karrikieren P.`s egostisches Ziel (mit so vielen Frauen wie möglich zu schlafen) das er unter dem Deckmantel der Religion erreicht.

In ihrem Roman entwirft Yumiko Kurahashi, die in Japan als Feministin gilt, die Utopie einer reinen Frauengesellschaft. Auf ironische Weise zeigt sie am Beispiel von Amanon, das übrigens einige Parallelen zu Japan aufweist (die Hauptstadt heißt Tokiyo, die Amanonier verehren mehrere Religionen, z.B. den Sintoismus und Buddhaismus), dass auch eine rein von Frauen beherrschte Welt nicht perfekt sein kann – gleichzeitig aber auch m√§nnliche Selbstherrlichkeit in einer Katastrophe enden kann.

Fazit
Eine Mischung aus Dystopie und Parodie auf die japanische (Pop-)Kultur. Kann es gutgehen, wenn Frauen die Herrschaft übernehmen?

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