Leider hat es etwas länger gedauert, bis ich dieses Buch entdeckt habe, da man den Japanbezug erst erkennen muss. Zu abstrakt ist das Cover mit dem Tiger, zu offen der Klappentext auf dem Buchrücken, der von einer universellen Geschichte „anhand einer Epoche der japanischen Historie“ spricht.
Ganz konkret erzählt Großes Spiel vom Leben des linken Aktivisten Sakae Ōsugi und von der Taishō-Zeit (1912 bis 1926). Auch wenn das Buch nicht dokumentarisch, sondern zu großen Teilen fiktional angelegt ist, vermittelt es damit einen Einblick in eine spannende Epoche, zu der es noch nicht allzu viele Publikationen gibt.
Die Erzählperspektive und der Aufbau der Geschichte sind allerdings etwas verschachtelt, sodass der Einstieg zunächst nicht ganz leichtfällt. Hat man die verschiedenen Zusammenhänge einmal verstanden, macht es jedoch Spaß, der Geschichte zu folgen.
Aus der Perspektive des Militäroffiziers Masahiko Amakasu, der 1945 nach der Verkündung des Kriegsendes kurz vor seinem Selbstmord steht, blickt der Roman auf jenen Vorfall zurück, der Amakasus Leben seit September 1923 geprägt hat: Nach dem Großen Erdbeben, das Tōkyō erschütterte und zehntausende Menschen das Leben kostete, entsteht ein Machtvakuum. Amakasu, der als Militäroffizier mit der Beschattung Ōsugis beauftragt ist, lässt Ōsugi, seine Frau Īto und seinen sechsjährigen Neffen festnehmen. Unter seiner Verantwortung werden die drei misshandelt und schließlich getötet.
Wirklich spannend wird die Geschichte dadurch, wie Platzgumer den erzählerischen Faden bis zu dieser Katastrophe führt. Zunächst schildert er die Taishō-Zeit als eine Epoche der Unruhe und Wirren, als einen „Ort der Unordnung“, in dem Japan erst noch seinen Weg finden muss. Er erzählt vom Kaiser Yoshihito, der zwar die besten Absichten hat, aufgrund seiner Schwäche und seiner Distanz zur Realität jedoch mehr damit beschäftigt ist, Blumen zu arrangieren und Gedichte zu schreiben, während sich die Welt um ihn herum rasant verändert.
Schließlich rückt auch Ōsugis Geschichte in den Mittelpunkt. Dabei erzählt Platzgumer nicht nur von dessen politischer Radikalisierung, sondern auch von einem leidenschaftlichen und verhängnisvollen Dreiecksverhältnis.
In seinem Erzählton wirkt der Roman wie eine Mischung aus historischem Roman, Tatsachenbericht und Dokufiktion. Mal ist die Erzählung nüchtern und sachlich, mal durchaus stimmungsvoll. In eine eindeutige Schublade lässt sich der Roman jedenfalls nicht stecken.
Empfehlen würde ich ihn allerdings weniger wegen der im Klappentext behaupteten Universalität seiner Geschichte, sondern gerade wegen seiner konkreten historischen Aspekte. Besonders interessant ist Großes Spiel daher für alle, die sich gerne mit Japan und seiner Geschichte beschäftigen.



















