Mond überm Dachfirst

Mond überm Dachfirst


Rezension vom: 1. März 2010 von // Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019

Ichiyô Higuchi, die oft als erste Schriftstellerin der japanischen Moderne bezeichnet wird, war nur eine kurze Schaffenszeit vergönnt, bevor sie im Alter von 24 Jahren an Tuberkulose starb. Sie verfasste vor allem Erzählungen, von denen nun sieben in einem Sammelband bei Manesse veröffentlicht wurden.

Alle sieben Erzählungen spielen im Tokyo Ende des 19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen Frauen – in zwei Geschichten auch Männer – die sich verlieben, abgewiesen werden oder den Geliebten abweisen. Auch wenn sich die Erzählungen in Ort, Handlung und Charakteren unterscheiden, haben sie doch immer gemeinsam, dass ihre Liebesbeziehungen unglücklich ausgehen.

In der Erzählung Kirschblüten in der Finsternis beispielsweise verliebt sich Chiyo in einen Mann, der sie aber nur als eine kleine Schwester ansieht. Chiyo trauert so sehr um ihre unerfüllte Liebe, dass sie schließlich vor Kummer stirbt.

Chiyos Tod aus Trauer wird auf etwa die Handlung der jungen Cho in der Erzählung Meister Bitter, die sich für ihren Geliebten, der sich als Krimineller entpuppt, aus Liebe tötet, wirken für uns heute überzogen und melodramatisch. Higuchi aber bedient sich nicht der Melodramatik, sondern zeichnet mit ihrn Geschichten ein Protrait der japanischen Denkweise zu dieser Zeit.

Insgesamt spiegeln ihre Geschichten das traditionelle Leben in Japan wieder, auch wenn sich die Erzählungen meist nur auf einen engen Personenkreis beschränken, in dem es um nicht wahrgenommene Liebeschancen, den Freitod eines Geliebten oder die eigene Aufopferung für den Geliebten geht.

Eine Ausnahme bildet hier Solange sie ein Kind war, die längste Erzählung, in der es zwar auch um eine unglückliche Liebe geht, die daneben aber das Leben im Vergnügungsviertel Yoshiwara mit seinen Bewohnern, Tee- und Kurtisanenhäusern sehr lebendig beschreibt.

Inhalt

Kirschblüten in der Finsternis (闇桜, 1892), Mond überm Dachfirst‘ (軒もる月, 1895), Solange sie noch ein Kind war (たけくらべ, 1895/6), Eine leere Zikadenhülle (うつせみ, 1895), Am Scheideweg (わかれ道, 1896), Meister Bitter (うもれ木, 1892), Ein Schneetag (È雪の日, 1896)

Fazit
Higuchis tragische Liebesgeschichten beschreiben die Lebens- und Denkweise junger japanischer Frauen um 1900.

Weitere Bücher von Ichiyô Higuchi

Artikel im Blog

Zufällig ausgewählt: In Büchern stöbern

ランダムに選択しました

83 Tage. Der langsame Strahlentod des Atomarbeiters Hisashi Ouchi
Erfrorene Träume
Die Magnolienkatzen
Von Männern, die keine Frauen haben
Die Spur des Verräters
Phantastik aus Japan

Die neuesten Rezensionen

Dictionary of Advanced Japanese Grammar
Dictionary of Advanced Japanese Grammar 10. Juni 2026
Wiedersehen im Kamelienhaus
Wiedersehen im Kamelienhaus 19. Mai 2026
Erste Person Singular
Erste Person Singular 16. Mai 2026
Die Weisheit des Tees
Die Weisheit des Tees 15. Mai 2026
Das gelbe Haus
Das gelbe Haus 14. Mai 2026
Die Katze, die unsere Bücher rettete
Die Katze, die unsere Bücher rettete 12. Mai 2026
Literatur direkt aus Japan Literatur direkt aus Japan

Hier erfährst du mehr über Bücher, die es bisher nur in Japan gibt.

Bücher kaufen Wo kann ich japanische Bücher kaufen?

Ein kleiner Guide für Einsteiger

Zeitstrahl Zeitleiste

Suche dir Bücher aus nach der Zeit, in der sie spielen.

Neuerscheinungen Neuerscheinungen

Alle Neuerscheinungen für im Überblick.