Die letzte Konkubine

BTB Verlag , 656 Seiten, ISBN:978-3-442-74037-6

Aus dem Englischen von Susanne Aeckerle

Die letzte Konkubine

Um 1850 sieht in Japan noch keiner die Meiji-Restaurant von 1868 mit ihren tiefgreifenden Veränderungen kommen. Im Land herrscht innere Stabilität unter dem mittlerweile 14. Shogun des Tokugawa-Clans, dem die junge Sachi als Konkubine geschenkt wird. Sie verbringt nur eine Nacht mit ihm, der junge Shogun stirbt kurze Zeit später bei einem Anschlag. Damit beginnt ein Bürgerkrieg, durch den das Shogunat gestürzt – und Sachi zur „letzten Konkubine“ wird.

Eigentlich ist es eine märchenhafte Geschichte: die 11-jährige Sachi lebt in einem kleinen Dorf in den Bergen. Um ihre Herkunft ranken sich Gerüchte, denn sie wurde von ihren Eltern nur adoptiert und hat als einzige im Dorf eine weiße Haut und ein aristokratisches Aussehen. Deshalb wird wohl auch eine Prozession des Shoguns auf sie aufmerksam. Sachi wird mit nach Edo gebracht und muss sich dort in der fremden, luxuriösen, aber streng reglementierten Welt des Hofes des Shogun zurechtfinden.

Wegen ihrer Schönheit und Natürlichkeit, wegen der sie von den gekünstelten Frauen am Hof oft aufgezogen wird, zieht Sachi die Aufmerksamkeit des Shoguns auf sich. Sie darf mit ihm eine Nacht verbringen, kurze Zeit später stirbt er aber an einer Vergiftung. Verschwörer aus dem südlichen Japan tauchen auf, die die Abdankung des Shoguns und die Einsetzung des alten Kaisers fordern. Für Sachi und die anderen Hofdamen wird es gefährlich, denn als Mitglieder des Tokugawa-Clans bedeutet der Untergang des Regimes für sie alle den Tod.

Sachi wird mit einem Täuschungsmanöver beauftragt und flieht mit ihrer Dienerin aus dem Palast. Für sie beginnt nun eine abenteuerliche Reise, auf der sie in ihr altes Heimatdorf kommen, sich verlieben und zudem noch herausfinden wird, wer ihre wirklichen Eltern sind.

Lesley Downer, die selbst lange Zeit in Japan gelebt hat, präsentiert hier einen historischen Roman, der sich durch gute Recherche auszeichnet. Das Leben der Hofdamen, die Umgangsweise, die gesellschaftlichen Konventionen und auch die Umgebungen werden genau und bildlich beschrieben, was dem Leser sofort das Gefühl gibt, in das alte Japan eintauchen zu können.

Durch den geschickten Aufbau werden gleich Handlungen miteinander verknüpft, gibt es immer wieder neue Geheimnisse, die aufgelöst werden. Zum Schluss scheint der Roman dadurch aber künstlich in die Länge gezogen zu werden: Sachi verliebt sich zum Beispiel nicht nur auf ihrer Flucht in einen Ronin, sondern kurz vor dem “Happy End” in einen weiteren Mann, sodass mit ihrer Entscheidung für einen der beiden wieder einige Seiten gefüllt werden können.

Obwohl der Roman so vielversprechend beginnt, wandelt er sich im Laufe der Geschichte doch immer mehr zu einem – leider – banalen historischen Roman. Besonders gegen Ende scheinen auf einmal alle gesellschaftlichen Einschränkungen aufgebrochen, um der Erzählung ein positives Ende verleihen zu können: die Figuren sind auf einmal verständnisvoll und weltoffen, sodass Sachi eine unstandesgemäße Hochzeit erlaubt wird. Gerade das letzte Kapitel ist in einem kitschigen Stil geschrieben, der dem gelungenen Anfang einfach nicht gerecht werden kann.

Trotz dieser Authentizitätsprobleme gegen Ende ist die Grundanlage der Handlung sehr spannend. Downer beschreibt nicht nur eine an sich schon aufregende, sondern auch wichtige Phase japanischer Geschichte, die Anstoß für die rasanten Erneuerungsprozesse bis ins 20. Jahrhundert war.

Verfasst am 21. Juli 2010 von

Die letzte Konkubine
BTB Verlag 2010, 656 Seiten, 10 € ISBN: 978-3-442-74037-6
Fazit
Authentischer, ins Detail gehender historischer Roman mit breit gefächerten Figuren und spannender Handlung, der perfekt wäre, wenn er nicht ein so unrealistisches Ende hätte.

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