Breaking into Japanese Literature
Verfasst am 15. September 2009
Japanische Literatur im Original zu lesen, ist ohne umfangreiche Kanjikenntnisse nahezu unmöglich. Breaking into Japanese Literature ist neben Read Real Japanese eine der wenigen bilingualen Ausgaben, die erste Leseversuche mithilfe von Kanjilesehilfen und Vokabelangaben erleichtern wollen.
Aufbau
Besonders für Japanischlernende, die mit der Motivation beginnen, authentische japanische Texte lesen zu können, ist es frustrierend, wenn sie auch nach ein bis zwei Jahren Unterricht noch immer nicht flüssig lesen können, weil ihnen Kanjikenntnisse fehlen. Giles Murray bietet deshalb ein Komplettpaket, das es ermöglichen soll, literarische Klassiker ohne zusätzliche Hilfsmittel im Original zu lesen. Dazu gehören:
- der japanische Originaltext
- eine englische Übersetzung
- Vokabelangaben auf jeder Seite
Die englische Übersetzung variiert je nach Schwierigkeitsgrad von einer Version, die sich sehr nah am Text bewegt, bis hin zu einer freien Übersetzung. Die Vokabelangaben beziehen sich stets auf den jeweiligen Seiteninhalt. Taucht ein Wort also beispielsweise auf unterschiedlichen Seiten auf, wird es auf jeder Seite erneut aufgeführt und erläutert.

Textauswahl
Die Textauswahl ist grundsätzlich reizvoll: Das Buch enthält vier Kapitel aus Sôseki Natsumes Ten Nights of Dreams (夢十夜). Von Ryûnosuke Akutagawa sind außerdem seine drei wohl mit bekanntesten Kurzgeschichten In a Grove, The Nose und Rashōmon enthalten. Zugleich sind all dies aber keine Geschichten, die nicht schon in deutscher oder zumindest englischer Übersetzung vorliegen. Zudem sind die japanischen Originaltexte inzwischen gemeinfrei bei Aozora Bunko verfügbar.
Was Breaking into Japanese Literature also tatsächlich als Mehrwert bietet, ist eine Übersetzung, die versucht, so nah wie möglich am japanischen Text zu bleiben, sowie Vokabel- und Kanjiangaben. Vokabeln, die häufiger vorkommen, sind mit einem Totenkopfsymbol gekennzeichnet. Außerdem gibt es bei jeder Vokabel mit Kanji einen Hinweis auf die Nummer des jeweiligen Eintrags im Kodansha Kanji Learner`s Dictionary. Ob es didaktisch sinnvoll ist, sowohl eine vollständig ausgearbeitete Übersetzung als auch sämtliche Vokabeln zu präsentieren, ist jedoch fraglich, denn oft entsteht ein Lerneffekt auch dadurch, dass man sich mit einem neuen Wort oder Kanji auseinandersetzt.


Für wen ist das Buch geeignet?
Damit stellt sich schließlich die Frage, an wen sich Breaking into Japanese Literature tatsächlich richtet. Anfänger werden mit der Übersetzung nur wenig anfangen können, da sie diese wegen fehlender Grammatikkenntnisse nicht nachvollziehen können. Wer dagegen fortgeschrittener ist, benötigt eigentlich keine Übersetzung – oder zumindest die Angaben zu gängigen Vokabeln wie 来る und 死ぬ nicht mehr.
Ein etwas ausgewogeneres Konzept bietet hier Read Real Japanese Fiction, das nicht nur grammatikalische Erklärungen beinhaltet, sondern auch Texte liefert, die noch nicht gemeinfrei im Internet verfügbar sind. Einen guten Ansatz für absolute Einsteiger bietet zudem Japanese Graded Readers.



