Bericht: Media Contents und Katastrophen – Japan Symposium in Bonn

Bericht: Media Contents und Katastrophen – Japan Symposium in Bonn

Verfasst am 10. November 2012

Am 6. und 7. November fand in Bonn ein Symposium zum Thema „Media Contents und Katastrophen“ statt. Die Berichterstattung über und das Verhalten der japanischen Medien zu Fukushima war dabei ein Hauptthema, daneben ging es aber auch allgemein um Katastrophendarstellungen in Medien.

Über die Vorträge, die ich am 6. November gehört habe, möchte ich euch einen kleinen Überblick geben.

Die Tennô-Berichterstattung im Vergleich – Das japanische Kaiserhaus in der inländischen und westlichen Presse nach dem 11. März 2011

Daniela Simon untersuchte die auflagenstärksten japanischen Zeitungen Asahi Shinbun und Yomiuri Shinbun. Spannend im Vergleich der beiden Zeitungen ist hier vor allem, dass sie teilweise über ganz unterschiedliche Themen berichten und so in jeder Zeitung ein eigenes Bild des Tennô entsteht. Das Gesamtbild ist aber immer positiv, der Tenno wird als vorbildlich dargestellt und wenn überhaupt Kritik geäußert wird, dann nur sehr verhalten.

In westlichen Zeitungen (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden, USA) variiert die Berichterstattung nach Simon je nach Land. Die Berichterstattung über den Tennô erfordert bei den Journalisten Hintergrundwissen, das aber nicht immer vorhanden ist.

Dies zeige sich zum Beispiel bei der öffentlichen Rede des Kaisers, bei der sich die Zeitungen über Zeitpunkt und Dauer der Rede nicht einig waren. In den westlichen Zeitungen wurde die Rede des aktuellen Kaiser Akihito oft mit Kaiser Hirohitos Rede am Ende des 2. Weltkrieges verglichen, in den Berichten japanischer Zeitungen gab es diesen Vergleich nicht.

Nach Simons Einschätzungen war unter den deutschen Zeitungen die Welt als einzige Zeitung bestens informiert was die Thematik angeht. Die Berichterstattung in den anderen Zeitungen schwankte zwischen „opulent, karg, beeindruckend und lächerlich“.

Die printmediale Präsentation des Reaktorunfalls von Tschernobyl in Deutschland und Frankreich und die Debatte um seine Auswirkungen

Matthias Koch analysierte die Berichterstattung zu Tschernobyl, die als Beispiel für eine Katastrophenberichterstattung auch Vergleiche mit der Fukushima-Berichterstattung zulässt.

Das Fazit von Prof. Harald Meyer zu diesem Vortrag: „Je mehr man sich informiert, desto weniger weiß man, was richtig ist.“ Genau wie damals bei Tschernobyl sei auch dieser Umstand bei der Berichterstattung zu Fukushima eingetreten.

Die Aufgaben des Mediensystems und der japanischen Gesellschaft über den 3.11-GAU

Mit seiner Kritik bezog sich Mamoru Itô vor allem auf das japanische Fernsehen. Dieses habe genau wie die staatlichen Einrichtungen dabei versagt, Informationen zu beschaffen, zu verbreiten und Bewertungen oder Handlungsanweisungen zu geben.

Die Folge sei eine Vertrauenskrise: in die Massenmedien, aber auch in Regierung und Wissenschaft. Als Reaktion auf diesen Vertrauensverlust werden Informationen, die das Fernsehen nicht aufgreift, im Internet veröffentlicht.

Itô sieht darin eine Chance für die moderne japanische Informationsgesellschaft: Das Wissen, das im Internet von ganz unterschiedlichen Menschen wie Wissenschaftlern, Fachleuten, Betroffenen und so weiter gesammelt wird, schafft ein Archiv an kollektivem, gemeinschaftlichem Wissen, was den Einzelnen befähigen soll, sich selbst Urteile zu bilden. Dies setzt allerdings einen kompetenten, kritischen Mediennutzer voraus.

‚Social Media‘ nach der Großen Ostjapanischen Erdbebenkatastrophe

In Anlehnung an den Medienwissenschaftler Nakamura Isao beschrieb Takahiro Nishiyama die Lage kurz nach einer Katastrophe als Informationsknappheit. Social Media könnten diese Knappheit teilweise überwinden, wie zum Beispiel die Sonderseiten von Yahoo und Google kurz nach dem Erdbeben zeigen. Google richtete beispielsweise schon 2 Stunden nach dem Beben einen Seite ein, auf der man sich über das Wohlergehen der Angehörigen informieren konnte.

Nishiyama schlüsselte anhand von Statistiken und Befragungen genau auf, welche Medien für welche Teile der Bevölkerung kurz nach dem Beben überhaupt nutzbar waren. Dabei waren es zunächst vor allem Radionachrichten, zu denen die meisten Zugang hatten.

Unter den Social Media Kanälen waren es vor allem die Sonderseite von Yahoo, über die sich die meisten informierten. Auch Youtube, Twitter und Mixi (japanisches Facebook) spielten eine Rolle.

Auf Nachfrage kündigte Nishiyama eine Publikation seines Vortrages für die erste Jahreshälfte 2013 an.

Kommentare

  1. Vielen Dank für den Bericht. Für mich als Student der Japanologie und Medienwissenschaften äusserst interessant zu lesen. Besonders die Rolle von Social Media während und nach der Katastrophe und die Frage ob Fukushima einen Medienwandel bewirken könnte sind finde ich sehr spannend.
    lg

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