Yôjôkun. Worte eines Samurai
von Ekiken Kaibara
“Einer, dessen Herz nicht gegenwärtig ist, sieht und sieht doch nicht.” Dieser Satz erinnert an das bekannte Zitat des kleinen Prinzen von Saint-Exupéry (“Man sieht nur mit dem Herzen gut…”), ist aber um die 250 Jahre älter und kommt vom bedeutendsten japanischen Neo-Konfuzianer Kaibara Ekiken.
Ekiken Kaibara, der in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts lebte, hat eine Philosophie verfasst, die auch heute noch erstaunlich aktuell, auf den Alltag ausgerichtet und leicht verständlich ist.
Die Philosophie des Zufriedenseins ist eine seiner zentralsten Lehren, in die sich auch obiges Zitat einordnen lässt. Zum Zufriedenseins gehört nach Kaibara vor allem eine innere Ausgeglichenheit und ein soziales Verhalten gegenüber anderen Menschen. Wie universal und aktuell zugleich Kaibaras benannte Probleme sind, zeigt sich darin, dass er in diesem Zuge auch beschreibt, wie man zwischen Armen und Reichen vermitteln, Neid und Missgunst minimieren kann.
Kaibara gibt aber auch ganz einfache und praktische Ratschläge zu alltäglichen Problemen. Im Kapitel über das Sprechen rät er zum Beispiel: “Wenn ihr einen Fehler gemacht hab, bekennt ihn” oder “Andere zu beleidigen, bedeutet, uns selbst zu beleidigen”.
Interessant ist Kaibaras Philosophie auch unter kulturellen und geschichtlichen Aspekten: In einer Zeit, in der in Europa gerade der Dreißigjährige Krieg zu Ende gegangen ist und eine strenge Gottesgläubigkeit vorherrscht, rät Kaibara in Japan nicht an Wundergeschichten und Märchen über Götter zu glauben. Unvorstellbar wäre in Europa auch Kaibaras Einsicht, dass Geisteskrankheiten demnach ebenfalls nichts mit Teufeln und Dämonen zu tun haben, sondern auf Fehlern im Geist beruhen.
Kaibara Worte sind oft sehr schlicht, aber einfach zu verstehen. Auch im Original hat sich Kaibara extra verständlich ausgedrückt, sollten seine Unterweisungen doch als Lehre für das gemeine Volk dienen. Vor allem seine Philosophie des Zufriedenseins bildet eine gute Grundlage, im heute immer mehr werdenden Alltagsstress zur Ruhe zu kommen: “Man sollte sich mit dem begnügen, was die eigentlichen Bedürfnisse zufrieden stellt. Es muss nicht alles perfekt sein. Sich daran zu erinnern ist wichtig, um gesund zu bleiben.”
Kaibara hatte mit diesem Ratschlag übrigens Erfolg. Er erreichte das für damalige Verhältnisse hohe Alter von 84 Jahren.
Die Zitate wurden abgedruckt mit freundlicher Genehmigung des Angkor Verlages.











