
Yasunari Kawabata – der erste Japaner, der 1968 den Nobelpreis für Literatur bekam – gilt oft als der Autor, der auch noch im 20. Jahrhundert traditionelle japanische Literatur und ihre Themen pflegte – und das nicht ohne Grund: In seinem Werk spiegelt sich die traditionelle japanische Lebenswelt mit Teezeremonie, Kirschblütenfest und Werten wie Zurückhaltung und rückhaltloser Selbstaufgabe. Sein Werk ist durchzogen von zwei großen Hauptmotiven: Ästhetik und Melancholie.
Die sanfte, schmerzlich süße Melancholie, die nahezu alle Werke durchzieht, wird oft auf Kawabatas frühen Verlust seiner Eltern und Großeltern zurückgeführt. Die Melancholie zeigt sich in seinen Romanen ganz unterschiedlich: da gibt es Männer, die trotz der Zuneigung zahlreicher Frauen ihnen gegenüber einsam bleiben, weil sie sich nach einer nicht erreichbaren Frau sehen (Schneeland, Tausend Kraniche), aber auch solche Männer, die altern und ihrer Jugend hinterhertrauern (Ein Kirschbaum im Winter, Die schlafenden Schönen). Egal, warum die Figuren einsam sind, sie alle eint, dass sie trotz Menschen um sich herum ein Gefühl der Einsamkeit nicht abschütteln können.
Die Figuren in Kawabatas Romanen sind meist intellektuelle Ästheten, Lebemänner, die keiner Arbeit nachgehen müssen und deshalb genug Zeit haben, über Trauriges und Schönes zu sinnieren. Bei Kawabata nimmt die Beschreibung von schönen Frauen, Landschaften und Gegenständen einen wichtigen Platz ein, dafür erscheint die Geschichte insgesamt handlungsärmer. Die Figuren stehen im ständigen Spiegel ihrer Umgebung, so symbolisieren Jahreszeiten Gefühlszustände (Kyôtô) und repräsentieren Kunstgegenstände Gefühle oder verstorbene Personen. Eine besondere Wertschätzung kommt auch Kunstobjekten zu Gute, die teilweise, wie etwa die Nô-Masken in Ein Kirschbaum im Winter, sogar mehr geschützt werden als die menschliche Schönheit.
Kawabatas Erzählstil ist ruhig und subtil. Viele Dinge werden nur angedeutet oder ausgespart. Diese Technik des Aussparens zeigt sich vor allen in Dialogen, bei denen die Figuren vieles nicht direkt sagen, sondern nur andeuten. Diese indirekte Sprechweise ist nicht allein Kawabatas Stil, sondern ein Merkmal der japanischen Kommunikationskultur insgesamt.
Erstveröffentlichung in Deutschland 1968
Erstveröffentlichung in Deutschland 1969

Erstveröffentlichung in Deutschland 1974

Erstveröffentlichung in Deutschland 1990

Erstveröffentlichung in Deutschland 1999

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