異人たちとの夏
Sommer mit Fremden
von Taichi Yamada
An Geister zu glauben, ist bei uns eher unüblich. In Japan ist man sich aber durchaus einig darüber, dass Verstorbene auch mal als Geister zurückkommen können. So stört es auch Harada überhaupt nicht, als er auf einmal seinen verstorbenen Eltern wiederbegegnet.
Vielleicht liegt das aber auch an seiner einsamen Situation: nach der Trennung von seiner Frau, die nun mit seinem Freund zusammen ist, zieht Harada in ein unpersönliches Appartementhaus. Menschen begegnet er hier fast nie – bis auf einer jungen Frau, die genauso wie er unter großer Einsamkeit zu leiden scheint.
Haradas Eltern sind keine gruseligen Spukgestalten, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die in einer ganz normalen Wohnung leben. Sie nehmen den einsamen Harada liebevoll auf, essen mit ihm und spielen Karten. Auch wenn Harada immer mehr in ihre seltsame Parallelwelt abdriftet, hat sie für ihn doch etwas greifbar Reales: Seine Eltern müssen in der Wirklichkeit existieren, wie könnten sie ihm denn sonst ein Kartenspiel beibringen, das er vorher nie kannte? Sie scheinen einfach zu real!
Für Harada beginnt scheinbar eine Zeit der Heilung, in der er schließlich auch mit seiner einsamen Nachbarin zusammenkommt. Diese macht ihm klar, dass ihm der Geisterkontakt gar nicht gut tut: Je öfter er seine Eltern besucht, desto schwächer wird sein Körper. Harada muss sich für eine der beiden Welten entscheiden.
Wunderbar ruhig und zugleich schaurig ist diese Geschichte erzählt. Harada bewegt sich in einer Traumwelt, die aber jäh zum Alptraum wird. Yamadas Roman mutet wie eine moderne japanische Geistergeschichte an: schaurig, aber nicht schrecklich. Lange nicht so gruselig wie Natsuo Kirinos Romane, sondern eher verzaubernd.
Besonders gut gestaltet ist der Schluss, der eine plötzliche Wendung beinhaltet, vor deren Hintergrund die Geschichte im Nachhinein eigentlich erst ihren wirklich geisterhaften Anstrich bekommt.












kaanosuke
Liebe Friederike,
ziemlich bewegt ist die Szene, wo Harada von den Geistern der Eltern Abschied nimmt.
Es fällt Harada schwer, dass er sich von den Elterngeistern trennt. Zwar erkennt er die Gefahr solcher Welt, aber es zieht ihn unwiderstehlich dorthin. Auf den süßen Verkehr mit ihnen kann er nicht verzichten. Er wird große Energie des Willens brauchen, um die Verbindung abzubrechen. Dabei muss er die Trauer der Trennung ertragen.
Diese Stelle im Werk finde ich sehr gut dargestellt. DieTrennung duch den Tod ist immer traurig, aber die Traurigkeit mag in der Wirklichkeit nicht so tief ins Herz kommen, denn wir verteidigen uns durch Hemmung und Rationalisierung. In dem Werk dagegen steht Harada gerade vor den verstorbenen Eltern. Er kann nicht den Blick davon abwenden, dass die Eltern tot sind. In der traumhaften Welt erlebt er wohl zum ersten Mal aufs tiefste die entscheidende Trennung von den Eltern und die Trauer.
…………….
Übrigens, zu mir ist noch kein Verstorbener als Geister zurückgekommen, zum Glück oder gar zum Unglück. ^ ^
Friederike
Ja, du hast vollkommen Recht. Und gerade, noch einmal gemeinsam Zeit verbringen zu dürfen macht die Szenen so schmerzlich für ihn.