Japanisch lernen: Die Englischfalle



Japanisch lernen: Die Englischfalle

Sicher seid ihr auch schon einmal in diese Falle getappt oder gerade mittendrin: Da habt ihr euch vorgenommen, Japanisch zu lernen und euch extra einen Tandempartner an der Uni gesucht, sprecht aber nun nur noch Englisch! Wie kommt man aus dieser Falle nur wider heraus?

Ehe es zum ersten Mal nach Japan geht, gibt es für Japanischlernende meist nicht so viele Gelegenheiten, mit Muttersprachlern das Sprechen zu üben. Eine gute Möglichkeit sind aber die sogenannten Sprach-Tandems, die oft von der Universität vermittelt werden: Ähnlich wie bei einer Partnerbörse bekommt man einen Japaner zugeteilt, der ebenfalls eine fremde Sprache lernen möchte – und schon scheint der Austausch perfekt.

Das Problem ist nur, dass viele Japaner, die nach Deutschland kommen – zumindest wenn sie über das Grundstudium hinaus sind – oft schon Englisch beherrschen. Gerade bei Naturwissenschaftlern oder natürlich all denen, die schon ihren Doktor haben und sich in einem anderen Land außer Japan und Deutschland aufgehalten haben, ist dies meistens der Fall.

Schade nur, dass English für uns eine Sprache ist, die einfacher ist als Japanisch, oder? Und auch wenn wir uns für den nächsten Tandem-Termin vornehmen, nur Japanisch und Deutsch zu sprechen, so wechseln wir doch ganz schnell wieder ins Englische, um einen komplizierten Sachverhalt zu erklären. Schließlich ist es doch irgendwie unbefriedrigend, im Nebel zu stochern und sich nicht zu verstehen.

Sind wir einmal in die Englischfalle getappt, gibt es eigentlich keinen Ausweg mehr. Englisch setzt sich fest und wird zur Sprache zwischen uns und unserem Tandem-Partner. Es bleibt nur eines: Wir müssen uns einen neuen Partner suchen!

Natürlich heißt das noch lange nicht, den alten zu verlassen. Eben weil wir uns verstehen, gibt es viele Dinge, die wir noch zusammen unternehmen können. Aber Japanischlernen klappt eben doch am besten mit einem Japaner, der idealerweise noch kein Englisch versteht, aber großes Interesse an Deutsch hat.

Für alle, die ihren Tandem-Partner nicht verlassen möchten, gibt es aber noch einen anderen Ausweg: Sucht euch ein Deutsch-Lehrbuch für Japaner und andersherum und arbeitet zunächst nur mit diesen Büchern und Begriffen. Mehrfach bewährt hat sich in meinen Tandem-Kursen (übrigens auch mit Englischfalle!) beispielsweise dieses Lehrbuch von NHK für Deutschlernende.

Welche Tipps habt ihr noch und wie effektiv waren eure Tandem-Runden?

Verfasst am 20. März 2016 von

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Kommentare

  1. Das ist in der Tat ein großes Problem. Oft will man bei einem Tandem ja nicht nur eine Sprache lernen, sondern sich auch oft persönlich kennen lernen, und/oder über komplizierte Sachverhalte diskutieren, die man als Anfänger noch nicht in der Fremdsprache ausdrücken kann. Da ist dann das Ausweichen ins Englische eine (gute ?) Möglichkeit.

    Japaner sprechen oft schlecht Englisch, weil der Schulunterricht so schlecht ist und freies Sprechen fast nicht geübt wird, aber wenn sie mal die Erfahrung gemacht haben, dass man sich auch mit „broken English“ ganz gut zurechtfinden und Gespräche führen kann, dann sprechen sie plötzlich doch besser als sie gedacht haben. Ich finde es im Prinzip sehr gut, dass wir als Deutsche (die wir aber normalerweise auch sehr gut Englisch können) dann unseren japanischen Tandempartnern auch die Chance geben, ihr Englisch einmal anzuwenden. Meine Erfahrungen sind, dass jemand, der sich beim Englischsprechen sicher fühlt, dieses Gefühl und die Selbstsicherheit dann auch aufs Deutsche überträgt, und das hilft sehr beim Deutschlernen.

    Allerdings muss man sich immer wieder neu bewusst machen, dass ein Tandem Deutsch-Japanisch eben dazu dient, Deutsch und Japanisch zu lernen, und kein Englischsprachkurs ist. Ich bin keineswegs dagegen, dann auf Englisch auszuweichen, wenn es notwendig ist, aber man muss immer wieder zum Kern des Tandems zurückkommen. Dazu ist viel Selbstdisziplin notwendig, und es ist oft mühsam, aber sonst gibt es keine Fortschritte.

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