Die rote Chrysantheme

Bastei Lübbe , 430 Seiten, ISBN:978-3-404-92281-9

Die rote Chrysantheme

Edo um 1700. Sano Ichirô ist Kammerherr und oberster Ermittler am Hof des Shôgun. Für seine erfolgreichen Ermittlungen – 10 Mordfälle hat er inzwischen aufgeklärt – wird er am Hof sehr geschätzt. Doch als seine Ehefrau Reiko blutverschmiert neben der Leiche des Fürsten Mori gefunden wird, wird seine Lage so brenzlig wie nie zuvor: kann er Reikos Unschuld nicht beweisen, muss auch er als als ihr Mann sterben.

Sano hat große Schwierigkeiten, den Tathergang zu rekonstruieren, denn Reiko leidet unter großen Gedächtnislücken. Sie weiß nur noch, dass sie auf Fürst Moris Anwesen unterwegs war, um den Vorwürfen nachzugehen, dass er minderjährige Jungen missbrauchen und danach töten würde. Doch niemand auf Moris Anwesen kann seine Vorliebe bestätigen und auch eine Jungenleiche lässt sich nicht finden.

Nach und nach erzählen die Beteiligten – darunter auch Moris Frau – ihre Version der Ereignisse und fördern immer neue Unfassbarkeiten zutage: Reiko soll gar nicht ermittelt sondern ein Verhältnis mit Mori gehabt und ihm im Streit erstochen haben.

Die einzelnen Geschichten, die von den Befragten im Rückblick erzählt werden, sind spannend und variieren endlich einmal den immer gleichen Aufbau der Ichirô-Reihe. Allerdings sind sie gleichzeitig doch relativ simpel und plakativ. Wer Reiko aus früheren Romanen kennt weiß, welche Geschichte erlogen ist.

Nachdem die möglichen Versionen des Tathergangs geschildert wurden, nimmt Sano im zweiten Teil die Ermittlung auf. Diese gestaltet sich im Vergleich zu Vorgängerromanen ziemlich langweilig und zäh. Statt Rätseln, die gelöst werden, findet ein ständiger Schlagabtausch zwischen Sano und seinem Widersacher Hoshina statt, der die Situation nutzt, um Sano seinen Posten streitig zu machen.

Die relativ einfallslose Ermittlung wird künstlich dramatisiert, indem ständig betont wird, wie entscheidend die Ermittlung dieses Mal für Sano ist: dass er als Ehemann so stark betroffen ist, dass er so emotional berührt wird und dass er deshalb sogar unlautere Methoden anwenden will. Die ständige Erwähnung von Sanos aussichtsloser Situation macht die Handlung aber nicht dramatischer, sondern ödet nach einiger Zeit nur noch an.

Um den Roman für den Leser attraktiver zu machen, enthält er natürlich außerdem wieder erotische Szenen. Auch wenn die “rote Chrysantheme” – der Buchtitel – bei der Ermittlung keine Rolle spielt, repräsentiert sie doch das Grundthema bzw. Mordmotiv: die Liebe zwischen Männern und den Missbrauch Minderjähriger.

Moris Vorliebe für kleine Jungen wird in diversen Szenen deshalb auch ausgestaltet Dabei geht Rowland nach dem aus den bisherigen Bänden altbekannten Schema vor: erotische Szenen spielen sich vor allem zwischen den “verdorbenen” Figuren im Roman ab: so kann der Geschlechtsverkehr möglichst triebhaft und schmutzig beschrieben und die Fantasie des Lesers befriedigt werden.

Verfasst am 5. Juli 2010 von

Die rote Chrysantheme
Bastei Lübbe 2008, 430 Seiten, 9,99 € ISBN: 978-3-404-92281-9
Fazit
Der Roman versucht zwanghaft durch ständige Betonung der Gefahr und Einspielung erotisch-abstoßender Szenen spannend zu sein. Das nervt auf Dauer.

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