Der Finger des Todes

Bastei Lübbe , 478 Seiten, ISBN:978-3-404-92245-1

Aus dem Englischen von Wolfgang Neuhaus.

Der Finger des Todes

Der japanischen Ermittler Sano Ichirô, der um 1700 am kaiserlichen Hof in Edo, dem heutigen Tôkyô, lebt, ermittelt mittlerweile schon in seinem 10. Fall. Doch auch nach 9 Fällen werden seine Ermittlungen nicht langweilig, denn diesmal scheint es der Mörder darauf abgesehen zu haben, alle wichtigen kaiserlichen Beamten zu töten.

Für Sano, der aufgrund seiner bisherigen Ermittlungserfolge inzwischen zum Kammerherrn des Shôgun aufgestiegen ist und sich nur noch mit Papierangelegenheiten beschäftigt, ist die direkte Bedrohung durch den Mörder ein willkommener Anlass, endlich wieder selbst die Ermittlungsarbeit zu übernehmen. Doch der Mörder ist diesmal nur schwer ausfindig zu machen, da er anscheinend eine Mordtechnik benutzt, die als Legende gilt: dim-mak, das Töten durch Berührung mit nur einem Finger.

Auch Sanos Frau Reiko hat einen spannenden Mordfall zu lösen: Im Auftrag ihres Vaters ermittelt sie gegen Yugao, die im Dorf der Rechtlosen und Ausgestoßenen lebt und dort ihre ganze Familie erstochen haben soll. Die junge Frau bekennt sich sofort für schuldig, aber Reiko kann ihrer Geschichte nicht glauben, da Yugao das Motiv für den Dreifachmord fehlt.

Wie gewohnt gestalten sich die Ermittlungen sehr spannend. In einem unerwarteten Ende, das sich über die letzten 100 Seiten erstreckt, fließen die Ermittlungen von Sano und Reiko unerwartet zusammen und die Handlung wird so dynamisch und spannend dass man das Buch kaum aus den Händen legen kann. Dies gilt allerdings vor allem für Neueinsteiger in die Serie, alle übrigen werden viele Elemente schon aus vorherigen Romanen kennen und nicht ganz so stark mitgerissen werden (deshalb unter anderem auch die niedrige Bewertung).

Rowlands Roman enthält alle typischen Merkmale, die einen historischen (Trivial-)Roman ausmachen: die Figuren sind schwarz-weiß gezeichnet, das heißt es gibt entweder eindeutig gute oder abgrundtief verdorbene Charaktere. Die Handlung gestaltet sich so spannend, da sie von allem ein bisschen enthält: erotische Szenen, gewalttätige Kämpfe und psychologisch-analysierende Dialoge. Für Fans von historischen Romanen wie etwa Das Geheimnis der Hebamme oder Jademond ist dieser Roman also die richtige Wahl.

Auch wenn sich der Roman an sich sehr spannend liest, leidet seine Authentizität doch ein bisschen: zwar werden Umgebungen und einige kulturelle Besonderheiten beschrieben, insgesamt kommt aber kein „japanisches“ Gefühl auf. Besonders der Redestil der Personen wirkt sehr direkt, oft unhöflich und gleicht so gar nicht japanischer Redekultur. Auch scheint es sehr idealistisch für die Zeit anzunehmen, dass Sano und Reiko so eine gleichberechtigte Beziehung führen könnten, wie sie es im Buch tun. Unter diesem Aspekt scheint die Handlung des Romans – die ja unbezweifelbar spannend angelegt ist – einfach in den historischen Rahmen eines exotischen Landes gepresst.

Verfasst am 11. Juni 2010 von

Der Finger des Todes
Bastei Lübbe 2007, 478 Seiten, 9,95 € ISBN: 978-3-404-92245-1
Fazit
Ein historischer Kriminalroman, der zwar nicht unbedingt ein authentisches Bild der Edo-Zeit wiedergibt, dafür aber trotzdem sehr spannend aufgebaut ist!

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