
Yoshimotos Erzählweise wirkt auf den ersten Blick oberflächlich, denn oft taucht die Erzählung nicht explizit in die Charaktere ein. Yoshimoto verwendet nicht immer direkte Beschreibungen, denn diese laufen Gefahr, durch ihre Direktheit die zarte Stimmung zu zerstören. Gefühle werden durch die Szenerie drumherum symbolisiert, wie zum Beispiel durch eine bestimmte Wetter- oder Lichtstimmung. Man muss ihre Texte aufmerksam lesen um zu verstehen, dass etwa der banale Fakt, dass zwei Menschen Hunger haben, eigentlich beschreibt, dass ihnen etwas ganz anderes fehlt, worauf sie im übertragenen Sinn Hunger haben.
Insgesamt sind ihre Romane durch eine Ruhe und Leichtigkeit in der Erzählweise gekennzeichnet und scheinen für westliche Verhältnisse recht Handlungsarm. Yoshimotos Charaktere leben losgelöst von den Verpflichtungen des Alltags, schlagen sich dafür aber mit Problemen wie Trauer, Verlust und Entwurzelung herum. Wie sie diese Probleme überwinden, wird in den Geschichten oft geschildert. Der langsame Heilugsprozess, den die Figuren durchlaufen, braucht viel Zeit und Geduld.
Neben diesen ganz einfachen Alltagserzählungen finden sich bei Yoshimoto aber auch zahlreiche magische Momente wieder. Die nächtlichen Partys auf einer tropischen Insel in Amrita und das Gegenseitige Besuchen im Traum. Bei Yoshimoto ist es möglich, Geister zu treffen oder mit Toten zu telefonieren.
Auch Homosexualität und Transsexualität und die freie Liebe der Jugendlichen spielen bei Yoshimoto eine Rolle. In Sly erzählt sie von den Folgen unbedarfter Freizügigkeit: Der Protagonist erfährt, dass er HIV-positiv ist. Daneben ist auch das Erwachsenwerden, der Abschied von der unwiederbringlichen Kinderzeit ein Thema. Zwar sind diese Themen Probleme, die durchaus auch noch Erwachsene durchleben können, Yoshimotos Geschichten zeichnen sich aber dadurch aus, dass es gerade noch ziemlich junge, oft nicht einmal richtig in der Arbeitswelt stehende Charaktere sind, die diese Problem durchleben.
Dornrößchenschlaf (1989)
NP (1991)
Ihre Nacht (2008)

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