Nihongo no Benkyou
Lazyboy


Auf dieser Seite gibt es einen Überblick über alle auf Japanliteratur.net rezensierten Japanisch-Lehrmaterialen (aus Deutschland und Japan). Die Auswahl ist keineswegs vollständig, sondern umfasst lediglich die Titel, mit denen ich auch selbst arbeite oder die ich mir ausführlich anschauen konnte.

Michael Weins setzt seinem Buch ein Zitat aus Hard-Boiled Wonderland voraus und wandelt damit eindeutig auf Murakamis Spuren. Aber eine bloße Kopie ist sein Roman keinesfalls.

Der Protagonist Lazyboy, eigentlich Heiner Boie, gehört zur Generation “irgendwas-mit-Medien”. Lazyboy ist im wahrsten Sinne des Wortes lazy. Als freier Journalist rezensiert er Schallplatten, nimmt Drogen jeglicher Art und drückt sich immer wieder davor, mit seiner langjährigen Freundin Monika zusammenzuziehen.

Natürlich glaubt sie ihm deshalb auch nicht, als er ihr eines Tages offenbart, dass er ein “Türenproblem” hat: Einige Türen spucken ihn willkürlich an fremden Orten wieder aus. Warum und in welchen Fällen das passiert, kann Lazyboy sich nicht erklären. Er landet schließlich also bei einer Psychologin, die ihm aber auch nicht helfen kann, denn sein Türenproblem scheint nicht eingebildet zu sein.

Die Lösung entpuppt sich als ein 13-jähriges Mädchen, das in ihrem Keller ebenfalls eine magische Tür hat. Sie führt Lazyboy in eine andere Welt, quasi Weins Version von Murakamis Ende der Welt, in der Lazyboy als der Auserwählte eine durch eine Mauer getrennte Stadt wieder vereinen soll.

Viele Elemente erinnern an Murakami: Jugendliche Mädchen, die außerhalb des gesellschaftliche Lebens stehen, übersinnliche Dinge, die einfach passieren, Parallelwelten – sogar einen Brunnen gibt es, der in Murakamis Mister Aufziehvogel zum Symbol der Erkenntnis wurde.

Im Gegensatz zu Murakami ist die Stimmung in Weins Buch aber weniger verträumt. Lazyboy nimmt die magischen Türen nicht einfach hin, sondern macht eine Therapie. Könnte man sich so etwas für Aomame vorstellen, die zwei Monde am Himmel sieht? Auch das Ende des Buches ist schließlich darauf ausgelegt, alles absurde im Roman irgendwie doch noch rational zu erklären.

Und noch etwas ist anders: die Sprache. Weins spielt mit der Sprache und mit Bildern. Man merkt, dass dies Sprachspiele aus erster Hand und keine Übersetzungen sind. Außerdem verleiht dem Buch eine ganz bestimmte, unauffällige Art von Humor, wie sie bei Murakami nicht existiert. Weins kann sich damit deutlich von seinem Vorbild abheben und schafft eine eigene Welt, in die ein Besuch lohnt, unabhängig davon, ob man Murakamis Werke nun kennt oder nicht.

Nihongo no Benkyou
Pinball 1973


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“This is a novel about pinball” kündigt der Epilog an, der recht fragmentarisch und ungerichtet ganz verschiedene Themen einmal anreißt. Bis es dann aber wirklich um Pinball geht, dauert es noch einmal rund 100 Seiten.

Überhaupt fehlt es diesem Roman an einem roten Faden. Wie schon sein Vorgänger wird er aus der Perspektive eines namenlosen Protagonisten erzählt wird. Neu hinzu kommt nun aber ein eigener Handlungsstrang, in dem die Ratte auftritt.

Im Gegensatz zum Debütroman Hear the Wind Sing, das irgendwie den Charme eines Erstlingsstückes versprüht, so schön unbeschwingt und klar ist, ist Pinball 1973, der inhaltlich an seinen Vorgänger anschließt, deutlich unausgewogener. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass der Ich-Erzähler selbst so planlos vor sich hinlebt. Und vielleicht ist diese Planlosigkeit ja auch gerade Konzept dieses Romans.

Für Murakami-Fans dürfte der Roman vor allem deshalb interessant sein, da sich hier vereinzelt auch schon Elemente späterer Romane zeigen. Die Szenen mit dem Flipperautomaten sind zum Beispiel herrlich skurril. Außerdem wohnen beim Erzähler Zwillingsmädchen, die beim Schafsmann und in einer Kurzgeschichtensammlung ebenfalls vorkommen.

Schließlich ist auch die Rede von einer Naoko, die gestorben ist. Ist es tatsächlich ein Zufall, dass diese Naoko später noch einmal in einem Roman auftaucht? Wer Pinball 1973 gelesen hat, kann sich also theoretisch schon das Ende von Naokos Lächeln vorstellen.

Es ist schwer, mit diesem Buch warm zu werden. Wer trotzdem neugierig auf Murakamis Frühwerk ist, kann das Buch auf Englisch bestellen – in Japan wurde nämlich auch eine englische Ausgabe publiziert.

Nihongo no Benkyou
Das Japan Kochbuch


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Das Japan Kochbuch von Jacoby & Stuart ist kein herkömmliches Kochbuch, sondern sticht durch seine Gestaltung aus der Flut an Japan-Kochbüchern hervor: Die einzelnen Seiten sind mit kraftvollen Tuscheillustrationen und zarten Farbmustern verschönert. Fotos von Gerichten gibt es keine, dafür viele Illustrationen. Jede einzelne Seite ist unterschiedlich gestaltet, oft mit schönen bunten Farbmustern. So ergibt sich am Vorderschnitt ein schöner Farbfächer.

Seitenschnitt des Japan Kochbuch

Seite aus dem Japan Kochbuch

Seite aus dem Japan Kochbuch

Seite aus dem Japan Kochbuch

Der Autor selbst, Kenichi Kusano, bringt sich in das Kochbuch außerdem nicht nur mit kleinen Geschichten über die japanische Esskultur ein, sondern hat auch seine ganz persönliche Auswahl an Rezepten getroffen. So haben mich vor allem diese Rezepttitel gleich angesprochen:

  • Gebackene Auberginen mit Sesam-Sojasauce
  • Gegrillter Aal mit grünem Tee
  • Kürbis-Kroketten mit Curry
  • Hühnchen mit Lotuswurzelgemüse

Daneben enthält das Buch aber auch bekannte Rezepte wie Oyakodonburi, Sushi, Yakitori und Sukiyaki – mit insgesamt 75 Rezepten bietet das Buch also wirklich reichlich Möglichkeiten sowohl für diejenigen, die nach neuen Anregungen aus der japanischen Küche suchen als auch für diejenigen, die bisher noch gar nichts Japanisches gekocht haben.

Die Kochanleitungen sind einfach und kurz, die Zutatenlisten genau, ganz wie man es von einem Kochbuch erwartet. Eher ungewöhnlich sind die kleinen persönlichen Geschichten des Erzählers über die japanischen Küche und ihre Tischsitten. Auch wenn diese das Buch auflockern, bleibt es aber trotzdem vor allem ein Kochbuch.

Einziger Wehrmutstropfen des Buches ist für Kochanfänger, dass vor allem die Bilder fehlen und man sich so nicht immer unbedingt das fertige Gericht vorstellen kann. Die schönen Illustrationen machen diesen Nachteil aber wett – und schließlich lassen sich Fotos ja auch ganz schnell über Google finden.

Einen guten Einblick in ein paar Rezepte gibt auch die Vorschau zum Durchblättern auf der Verlagsseite von Jacoby & Stuart.

Nihongo no Benkyou
Tokio besetzte Stadt


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War der erste Teil der Tokio-Trilogie Tokio im Jahr Null schon stilistisch für sein Genre ungewöhnlich anspruchsvoll, wird in diesem Roman nun noch stärker mit literarischen Formen experimentiert. Der Mordfall ist bis heute ungelöst, was Peace in einem Buch verarbeitet, das eigentlich keins ist: Zusammengesetzt aus Briefen, Amtsdokumenten, Tagebucheinträgen, Zeitungsberichten und Monologen ist das Buch vielmehr ein Fragment.

das Manuskript des
im Werden begriffenen Buchs;
des Buchs, das
nichts
werden wird (9f.)

Auch die Textpassagen, die erzählenden Charakter haben, lesen sich keineswegs fließend, sondern werden zersetzt durch abgesetzte Zeilen (wie im oberen Beispiel) oder sich immer wieder wiederholenden Schlagwörtern und Gedanken. Die Charaktere im Buch, die erzählen, sind gebrochene Charaktere: Die Toten, die im Chor ihr Leid klagen, die junge Frau, die nicht fassen kann, dass sie überlebt hat und die Polizeiinspektoren, die mehr mit sich als ihrer Arbeit beschäftigt sind. Das Lesen wird so manchmal fast zu einem Text mit dem Kampf, benötigt Konzentration und Durchhaltewillen.

Dieses Beispiel gibt die wirren Gedanken eines Polizeiinspektors wieder:

In der besetzten Stadt in der besetzten Stadt IN DER BESETZTEN STADT vergeht die Zeit vergeht die Zeit VERGEHT DIE ZEIT Sekunden vergehen Minuten vergehen STUNDEN VERGEHEN (271)

Ein Beispiel für die nüchternen Sachtexte bietet das Notizbuch eines andere Polizeiermittlers:

26/1/1948, 16.00 Uhr: Schnee / Freier Tag/ Im öffentlichen Bad / Anruf vom Präsidium / “Zehn Tote im Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers Mejiro.”

Die Textformen im Buch sind wirklich vielfältig, jede Perspektive auf den Fall, sei es durch ein Opfer, einen Ermittler, einen Russen, einen Amerikaner, die Toten oder durch den Mörder selbst, hat einen anderen, ganz eigenen Schreibstil.

Hat man am Anfang noch das Gefühl, es läuft durch die Betrachtung des Falles aus verschiedenen Perspektiven auf eine Aufarbeitung des Falles hinaus, wird man bald enttäuscht. Die geschichtlichen Hintergründe sind dafür aber umso spannender: Eine Spur führt nämlich zu denen, die sich mit Giften auskennen, einer Spezialeinheit, die während es Zweiten Weltkrieges Biowaffen entwickelt und in China getestet hat. Aber leider bleibt sie nur eine Spur, Ergebnisse gibt es am Ende keine – nur die Hypothese, dass für die Morde ein wahrscheinlich unschuldiger verurteilt wurde.

Peace fordert mit seinem Buch den Leser heraus, mitzudenken und mitzuarbeiten. Gleichzeitig schafft der anstrengende Schreibstil aber auch eine ganz eigene, bedrohliche Athmosphäre einer besetzten, zerstörten Stadt mit gebrochenen, zerstörten Charakteren. Wer nicht nur auf reine Unterhaltung aus ist, wird an diesem unkonventionellen Fragment viel Freude haben.

Nihongo no Benkyou
Tokyo Love


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Lui lebt seit kurzem mit dem Punk Ama zusammen, der eine gespaltene Zunge hat. So eine Schlangenzunge möchte sie auch und geht kurzerhand zu einem Tätowierer. Mit dem fängt sie dann auch gleich eine Affäre an, damit er sie umsonst tätowiert. Sie schläft dafür mit ihm auf der Tätowierliege, lässt sich würgen und misshandeln.

Kaneharas Roman, den man in ein bis zwei Stunden durchlesen kann, handelt von all solchen wilden Erlebnissen, schließlich sogar von einem Mord. Nichts ist von Dauer, Lui lebt nur für den Moment. Langsam wird ihr allerdings klar, dass ihre Geschichte kein gutes Ende nehmen wird: Trennt sie sich von Ama, wird dieser sie umbringen, entscheidet sie sich nicht für den Tätowierer, kann dies auch schlimme Folgen für sie haben.

Der Geschichte scheint es an Tiefe zu fehlen. Aber genau das soll hier auch gar nicht geliefert werden. Sie will schnell konsumierbar sein, das Leben in seiner Härte schildern, kurzlebige Unterhaltung bieten. Und sie bietet damit sicher auch ein gewisses Identifikationsportal für eine bestimmte Szene, ist eine Art Manifest:

“Hauptsache, ich gehörte zum Underground, einer Welt, wo garantiert kein Sonnenstrahl hingelangte, wo weder Liebeslieder noch Kinderlachen erklangen.” (46)

Man kann dieses Buch natürlich, wie auf dem Klappentext geworben wird, als das Buch einer jungen, rebellischen Frau ansehen, die selbst mit 17 Jahren die Schule geschmissen hat. Glaubhafter scheint hier allerdings einfach, den Roman als gewagtes, provozierendes Erstlingswerk einzuordnen, das nicht nur inhaltlich schockieren will, sondern sich auch ganz gezielt dagegen sperrt, sich mit hoher Literatur, mit großen Schriftstellervorgängern auf eine Stufe stellen zu lassen.

Nihongo no Benkyou
Das Grab der wilden Chrysantheme


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Der fünfzehnjährige Masao wohnt gemeinsam mit seiner Mutter und Cousine zusammen. Da die Mutter kränklich ist, kümmert sich die zwei Jahre ältere Cousine Tamiko um den Haushalt. Tamiko ist für die Mutter wie ein zweites Kind. Dementsprechend locker ist auch der Umgang zwischen Masao und Tamiko.

Doch die Nachbarn sehen die beiden nicht so gerne zusammen und es entstehen Gerüchte darüber, dass sich zwischen beiden eine Beziehung anbahnt. Dies ist auch der Fall. Bei einem Ausflug in die Natur werden beide sich ihrer Gefühle bewusst. Als die Mutter dies erfährt, trennt sie die beiden – und bald darauf geschieht ein Unglück, das ein glückliches Zusammenfinden von Masao und Tamiko verhindert.

Was die Geschichte so lesenswert macht, ist nicht nur die schmerzlich-melancholische Stimmung, sondern auch die ländliche Umgebung. Masaos und Tamikos Liebe spielt sich nicht in der Stadt, in Häusern und hinter Türen ab, sondern in der freien Natur, in der Einsamkeit, zwischen duftenden Blumen und dem leuchtenden Mond.

Einziger Mangel an der vorliegenden Übersetzung ist, dass sie scheinbar nicht von einem Muttersprachler lektoriert wurde. Dadurch, dass der japanische Übersetzer den Text ins Deutsche übertragen hat, entstehen so manchmal Ausdrücke und Redewendungen, die zwar verständlich sind, aber genau so im Deutschen nicht unbedingt benutzt würden. Trotz allem macht Yamada aber durch seine Übersetzung, auch wenn sie sich an einigen Stellen ein wenig holprig liest, einen wunderbaren japanischen Text zugänglich.

Nihongo no Benkyou
Buchparadiese in Japan: Bar Liseur in Ôsaka


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Trotz der vielen japanische Bücher verströmt die Bar aber eine doch recht westliche Atmosphäre: Es läuft englische Musik, es gibt nachmittags Kuchen und abends kleinere Snacks wie eine (japanische) Wurstplatte.

Bild von der Bar

Ob das Barpersonal auch Englisch spricht, habe ich leider nicht ausprobiert, aber das sollte kein Hinderungsgrund sein, der Bar nicht einen kleinen Besuch abzustatten:

Vielen Dank an Tatsuo, der mich nicht nur auf die Bar aufmerksam gemacht hat, sondern mit dem ich hier auch einen schönen Abend verbinden durfte!

Bild von der Bar

http://www7b.biglobe.ne.jp/~liseur/index.html

Die nächstgelegene Haltestelle ist Shinsaibashi (心斎橋), die man mit der roten U-Bahnlinie erreicht. In die Bar gelangt man über eine Kellertreppe, vor der aber eine große Tafel mit Fotos und weiteren Hinweisen steht. Genaue Koordinaten bei Google Maps.

Nihongo no Benkyou
Die Wildgans


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Mittelpunkt der Geschichte ist Otama, die die schönste in ihrem Viertel ist und wegen ihrer Schönheit auf den ersten Blick sogar für eine Geisha gehalten wird. Sie lebt zurückgezogen in einem Haus, das auf dem Weg der Studenten der medizinischen Fakultät liegt. Und so fällt dem Medizinstudenten Otama bald eine besonderes hübsche Frau auf, die ihren Kopf vorsichtig hinter der Schiebetür hervorsteckt. Wie verabredet begegnen Okata nun immer ihre Blicke, wenn er am Haus vorbei kommt. Was für eine Frau sie wohl sein mag?

Anfangs wird Otama nur aus der Außenperspektive beschrieben. Dabei ist es noch nicht einmal Okata selbst, der die Geschichte erzählt, sondern sein Mitbewohner, der die Geschichte nach Okatas Beschreibungen nacherzählt. Er fügt die einzelnen Handlungsstränge zusammen und beschreibt, wie Otama zu dieser einsamen, wartenden Frau wurde.

Die beinhaltet einen ganz gewissen Charme, den nur Erzählungen aus dieser Zeit (um 1900) ausstrahlen: Noch gibt es das “alte” Japan, noch leben die Menschen in einfacheren Verhältnissen und es fehlen die technischen Errungenschaften. Aber erste Veränderungen in der Gesellschaft geschehen. In diesem Schwebezustand zwischen Tradition und Moderne sind auch Mond überm Dachfirst von Ichiyô Higuchi oder Das Grab der wilden Chrysantheme von Sachio Ito verfasst – wem solche Erzählungen gefallen, der sollte unbedingt Die Wildgans lesen!

Nihongo no Benkyou
Ich nannte ihn Krawatte


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Hikikomori, das ist in Japan ein eigener Begriff für junge Menschen, die sich vollkommen von ihrer Außenwelt isolieren. Der Leistungsdruck und der Zwang, mit der Gesellschaft konform zu gehen, sind oft die Ursache dafür, dass diese Jugendlichen sich vollkommen aus dem gesellschaftlichen Leben ausklinken.

Hiro ist so ein Jugendlicher, der sich die letzten zwei Jahre in seinem Zimmer aufgehalten hat. Seit er die Schule verlassen hat, verschließt er sich jeglichen sozialen Kontakten. Seine Eltern schweigen aus Scham und erzählen ihren Nachbarn, ihr Sohn sei im Ausland.

Doch eines Tages wagt Hiro sich aus seinem Zimmer. Diesen erstaunlichen Schritt muss Flasar ihn gehen lassen, denn sonst könnte sie ihre Geschichte ja gar nicht erzählen. Denn im Stadtpark trifft Hiro auf der Bank einen Salaryman, einen typischen japanischen Angestellten, dem es ähnlich geht. Zwar hat der Salaryman eine Frau und ist glücklich verheiratet, seit er seinen Job verloren hat, steht er aber ebenfalls außerhalb der Gesellschaft. Aus Scham, seiner Frau die Wahrheit zu gestehen, kommt er jeden Tag in den Stadtpark und hält sich dort auf.

Die beiden Außenseiter freunden sich so langsam an und erzählen sich ihre Lebensgeschichte. Bis dahin ist der Roman eigentlich recht grau und gesichtslos. Ein Hikikomori und ein Salaryman, mehr weiß man zunächst nicht über sie. Es könnte irgendein Junge sein und irgendein Mann. Erst ihre persönlichen Geschichten machen den Roman etwas spannender und öffnen ein kleines Fenster in die Welt der beiden.

Überhaupt ist dieser Roman sehr still und zurückhaltend. Die wörtliche Rede ist in den Fließtext eingewoben, als würden die Figuren gar nicht reden, sondern denken. Die kurzen Kapitel, die oft nur eine Seite einnehmen, sind wie kleine Ausschnitte, von denen jeder für sich genommen ein zartes, fragiles Textgebilde ist. Trotzdem harmonieren die einzelnen Ausschnitte miteinander, bilden einen konsistenten Text.

Die fast schon meditative Ruhe im Roman, die dadurch entsteht, dass die beiden Figuren fern abgerückt der Welt zu stehen scheinen, macht seine Qualität aus. Zugegeben, ein klein wenig erinnert Flasars Art zu erzählen an Hiromi Kawakami oder Yôko Ogawa.

Doch hinter der zarten, ästhetischen Fassade verbirgt sich eine tieftraurige Geschichte über verpasste Chancen, über den Augenblick, wenn Menschen dem gesellschaftlichen Druck nicht mehr standhalten können. Wer den Roman genau liest, erkennt hier auch Kritik an einer gnadenlosen Leistungsgesellschaft:

Wir sind unfrei, wir alle. Bloß dass uns das nicht aus der Verantwortung nimmt. Dass wir trotz unserer Unfreiheit beständig Entscheidungen treffen, für deren Folgen wir haften müssen. Und dass wir mit jeder Entscheidung, die wir treffen, noch unfreier werden. (85)

Kein Wunder, dass Hiro in dieser Gesellschaft nicht erwachsen werden will und sich in sein Zimmer einschließt.

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