Above the East China Sea

Knopf , 336 Seiten, ISBN:9780385350129

Above the East China Sea

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges starben bei den Kämpfen auf Japans größter südlicher Insel Okinawa rund ein Drittel der Einwohner. Gemäß dem traditionellen Glauben der Einwohner Okinawas konnte viel Seelen dieser Kriegsopfer durch die Umstände ihres Todes keine Ruhe finden und spuken bis heute auf der Insel herum.

Auch wenn Okinawa heute ein Teil Japans ist und seine Einwohner genau wie im übrigen Japan modern leben, sind hier die alten Volksglauben doch noch lebendig. Ein wichtiges Ritual auf Okinawa ist es, dei Toten in einer Grabkammer zusammen mit ihrer Familie und den Vorfahren der Familie zu begraben, damit sie ihre letzte Ruhe finden können. Wird ein Körper nicht nach Hause zu seinen Ahnen gebracht und kann dort ruhen, muss die Seele des Verstorbenen für alle Ewigkeit in der Zwischenwelt umherirren.

Okinawa 1945 und heute

In den Kriegswirren gegen Ende des Zweiten Weltkrieges sterben viele Einwohner Okinawas fern von ihren Verwandten und ihrer Heimat. Auch ein 14-jähriges, schwangeres Mädchen begeht Selbstmord, indem sie von einer Klippe ins Meer springt. Sie entzieht sich damit den amerikanischen Soldaten, bleibt aber als Geist auf dem Meeresgrund gefangen. Während Sie auf einen lebenden Menschen wartet, den Sie in die Fluten reißen und sich damit befreien kann, erzählt sie ihrem ungeborenen Kind ihre Lebensgeschichte.

Parallel dazu macht auch Luz in der Gegenwart eine für sie schwere Krise durch. Nach dem Tod ihrer großen Schwester bleibt Luz nahezu allein zurück. Zwar lebt sie noch bei ihrer Mutter, diese arbeitet allerdings bei der US-Armee und zieht alle paar Jahre auf eine neue Station um. Zufälligerweise landet Luz gerade während ihrer schwersten Krise mit ihrer Mutter auf Okinawa, wo auch entfernte Verwandte von ihr wohnen. Luz entdeckt den Volksglauben Okinawas für sich und versucht, über ein Medium Kontakt zu ihrer Schwester aufzunehmen.

Wundervoll atmosphärisch

Eingerahmt werden die Ereignisse, die zusammengefasst mehr esoterisch klingen, als sie tatsächlich sind, durch das japanische O-Bon, ein Fest, bei dem nach traditionellem Glauben die Toen für drei Tage zu den Lebenden zurückkehren. In dieser Atmosphäre des Geheimnisvollen, der warmen Sommernacht und der exotischen Insel Okinawa erfährt Luz mehr über ihre Familiengeschichte.

Above the East China Sea verbindet die Geschichte des Zweiten Weltkriegs mit der Gegenwart, erzählt über einen Teil Japans, zu dem auf Deutsch und Englisch bisher noch keine ähnlichen Bücher dieser Art vorliegen. Daneben ist das große bestimmende Thema des Romans der Umgang mit den Toten und dem Tod.

„The dead are beyond our help. They are gone forever and ever and ever. We can do nothng for them.“

Diese traurige Erkenntnis verschweigt der Roman nicht, er hilft aber, einfacher damit umzugehen und zeigt, wie Traditionen und Rituale helfen können, diesen Schmerz zu überwinden.

Verfasst am 26. Juli 2014 von

Above the East China Sea
Knopf 2014, 336 Seiten, 10,80 € ISBN: 9780385350129
Fazit
Ein spannender Roman über die letzten Kriegswochen auf Okinawa 1945 und die Identitätssuche eines jungen Mädchens in der Gegenwart.

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